Wohl jeder, der im Freundes- oder Bekanntenkreis einmal bekannt gegeben hat, dass er beabsichtigt im Urlaub nach Norwegen zu fahren, musste sich mit mindestens einem der zahlreichen Vorurteile auseinandersetzen, die es über dieses Land gibt. Da siedelt im Sommer halb Deutschland geschlossen für drei Wochen nach Mallorca um, um den Hautkrebs zu kultivieren (der »gesunden« Bräune wegen) und Sangria aus Eimern zu saufen (hören wir da etwa ein Vorurteil über Mallorca ’raus?) und man selbst will ausgerechnet nach Norwegen. Wo da doch das Wetter immer so schlecht ist, und alles ist so teuer, das Essen schmeckt nicht, es gibt keinen Alkohol, man wird ständig von Mücken zerstochen, und wegen des Walfangs kann man da sowieso nicht hinfahren usw. usf.
Wenn du ein erfahrener Norwegenfan bist, werden dich solche Vorurteile nicht mehr abschrecken; du hast dir dein eigenes Bild gemacht.
Wenn du aber gerade überlegst, das erste mal nach Norwegen zu fahren, willst du sicher wissen, was dran ist an diesen Vorurteilen. Wir haben mal die gängigsten Vorurteile auf ihren Wahrheitsgehalt geprüft. Die Angaben beruhen auf unseren persönlichen Erfahrungen und sind somit natürlich subjektiv. Trotzdem sollte das eine oder andere Gegenargument dabei sein, um den Freunden das nächste mal den Wind aus den Segeln nehmen zu können.
Vorurteil:
In Norwegen ist es generell kalt, es regnet dauernd, und es ist ständig dunkel.
Wahrheitsgehalt:
Eigentlich ist das Wetter in Norwegen wie bei uns, zumindest in der südlichen Hälfte (viel nördlicher als Trondheim waren wir bisher noch nicht). Nun ja, meist ist es schon drei, vier Grad kälter als bei uns, das war’s dann aber auch schon. Und das schließt auch nicht aus, dass man im Sommer mal 30°C im Schatten haben kann. Der Sommer ’97 zählte mit fünf Tropennächten (nachts nicht unter 20°C) in Folge zu den wärmsten aller Zeiten. Nur rechnen kann man damit nicht, wie bei uns eben.
Was den Regen angeht, das hängt davon ab. An der Westküste regnet es statistisch gesehen schon ziemlich viel, aber wie du an unseren Fotos siehst, kann man auch in einer der regenreichsten Städte Europas, Bergen, strahlenden Sonnenschein erleben. Der Sommer 2000 war dort gar der trockenste seit ’zig Jahren, inklusive Wasserknappheit (ansonsten undenkbar). Östlich der Berge kann man in der Regel mit weniger Regen rechnen.
Wer glaubt, dass es in Norwegen immer nur dunkel ist, hält die Erde wahrscheinlich für eine Scheibe. Stichwort: Mitternachtssonne. Im Winter macht sich das Tageslicht, vor allem im Norden, allerdings schon ziemlich rar.
Fazit: Im Sommer ist das Wetter in Norwegen ähnlich wie bei uns: es kann sehr schön sein, muss es aber nicht. Deshalb sollte man klamottentechnisch auf alles vorbereitet sein. Im Winter wird es – zumindest in den Bergen – a....kalt, aber es ist immerhin schneesicher (Norweger werden bekanntlich mit Skiern an den Füßen geboren).
Wenn du jetzt wissen willst, wie das norwegische Wetter heute wird, dann schau doch mal auf unserer Wetterseite vorbei. Und wenn du dich für das norwegische Klima und Wetter im allgemeinen interessierst, dann ist das »Meteorologiske institutt«
(
/
) das Richtige für dich.
Vorurteil:
Norwegen ist schlicht und einfach zu teuer.
Wahrheitsgehalt:
Eins vorweg: billig ist es in Norwegen wirklich nicht. Das Land ist dünn besiedelt und die Wege lang, die Mehrwertsteuer ist hoch, genauso wie der Lebensstandard. Das heißt aber nicht, dass man »Besserverdiener« sein muss, um sich einen Urlaub in Norwegen leisten zu können. Es ist durchaus möglich preiswert zu übernachten, auf Campingplätzen
(
/
/
) oder in Jugendherbergen
(
/
) beispielsweise, die durchweg einen guten Standard haben. Auch bei Ferienhäusern kann man Schnäppchen machen, wenn man auf den Komfort von 5-Sterne-Luxusvillen verzichten kann. Als Selbstverpfleger muss man in Supermärkten zwar etwas mehr als zu Hause bezahlen, wir raten aber dringend von Bevorratungsaktionen à la »Ravioli und Mexikanischer Feuertopf für drei Wochen« ab (vgl. Schlechtes Essen). Außerdem gibt es immer wieder Sonderangebote, die die Reisekasse entlasten.
Auch wenn das allgemeine Preisniveau recht hoch ist, es ist nicht alles teuer in Norwegen. Kleidung und Lederwaren beispielsweise können mit unseren Preisen durchaus mithalten.
Übrigens ist Norwegen nicht Europas teuerstes Urlaubsland, wie immer wieder behauptet wird. Den Rang hat ihm Großbritannien (zumindest zeitweise) abgelaufen, und die Schweiz ist auch nicht weit.
Fazit: Ja, es ist teuer in Norwegen, aber das bedeutet nicht, dass man ein Vermögen ausgeben muss, um dieses Land mit allen Sinnen genießen zu können.
Für die Umrechnung NOK <—> EUR/CHF findest du hier unseren Währungsumrechnungsservice.
Vorurteil:
In Norwegen ist das Essen schlecht.
Wahrheitsgehalt:
Na ja, eigentlich ist das ja Geschmackssache. Insofern kann man hier eigentlich gar kein absolutes Urteil, geschweige denn eine Prozentzahl angeben. Andererseits kann man das Vorurteil so pauschal aber auch nicht stehen lassen. Sicher, Norwegen ist nicht gerade dafür bekannt, eine Hochburg der Feinschmecker zu sein wie z.B. Italien oder Frankreich, aber auch in Norwegen gibt es eine Menge Spezialitäten, die auch verwöhnte Gaumen noch kitzeln können. Zugegeben, einiges finden auch wir ungenießbar.
Details zum Essen in Norwegen gibt es auf der Seite »Essen und Trinken«.
Eins liegt uns noch am Herzen: Immer wieder hört man von Norwegenfahrern, dass sie ganze Wagenladungen an Fressalien mit in den Urlaub nehmen, wohl wegen dieses und des Zu-Teuer-Vorurteils. Tu dir einen Gefallen und dir das nicht an. Warum sollte man ausgerechnet im Urlaub (der schönsten Zeit des Jahres) wochenlang von Dosenfutter leben? Essen gehen ist in Norwegen tatsächlich nicht so üblich und auch recht teuer, aber Supermärkte gibt es überall. Dort bekommst du alles, was du brauchst, frisch und gar nicht mal sooo teuer. Außerdem spiegeln Supermärkte immer auch einen Teil der (Ess)Kultur eines Landes wieder. Also trau dich, probier auch mal etwas Landestypisches.
Vorurteil:
In Norwegen gibt es keinen Alkohol.
Wahrheitsgehalt:
Eigentlich müssten wir hier 0% schreiben. Man kann nämlich jegliche Art von Alkohol in Norwegen erhalten. Nur eben nicht überall, daher die 10%. Norwegen hat eine sehr restriktive Alkoholpolitik. Man glaubt dort, die Menschen vor dem Alkohol schützen zu müssen. Wie sinnvoll das ist, sieht man daran, dass Norweger (wie auch Schweden) dafür bekannt sind, dass sie, sobald sie im Ausland sind, ihre neu gewonnene »Freiheit« ausgiebig nutzen. Außerdem gibt es auf jeder anständigen norwegischen Party »Selbstgebrannten«.
In Supermärkten gibt es nur Bier zu kaufen. Alles andere ist nur in staatlichen Monopolläden (Vinmonopolet
,
/
) zu erhalten. Diese Läden gibt es nur in größeren Orten. Sie haben eingeschränkte Öffnungszeiten. Bis vor kurzem musste man seine Wünsche einem Mitarbeiter des »Polet« (sprich: pule) hinter einem Tresen kundtun. Mittlerweile gibt es aber mehr und mehr Selbstbedienungspolets. Außerdem kann man mittlerweile auch beim Onlineshop des Polet Alkoholika einkaufen. Ein erstes Zeichen für die Auflösung des Staatsmonopols?
Die Preise für alkoholhaltige Getränke sind aufgrund extrem hoher Steuern sehr hoch. Bier (bis 4,7 Vol.%) kostet im Supermarkt ca. 1,50–2 €/Flasche. Das lässt sich für eine gelegentliche Flasche Bier vielleicht noch tragen (in hiesigen Kneipen sind die Preise ähnlich bis höher). Wein und Schnaps weisen jedoch ein ähnliches Preisgefüge auf und sind damit so teuer, dass wir (auch wegen der eingeschränkten Verfügbarkeit) ausnahmsweise empfehlen – im Gegensatz zum Essen – Wein und Schnaps (natürlich unter Beachtung der Zollvorschriften) von zu Hause mitzunehmen.
Vorurteil:
In Norwegen wird man ständig von Mücken zerstochen.
Wahrheitsgehalt:
Dieser Wert beruht auf unseren bisherigen Erfahrungen und bezieht sich somit in erster Linie auf die südliche Hälfte Norwegens (unterhalb Trondheims). Bislang hatten wir noch keinerlei Probleme mit Mücken. Wir hatten eher den Eindruck, dass es weniger als hierzulande gab. Lediglich im Osten des Landes können es mal ein paar mehr von den kleinen Vampiren sein.
Andere Norwegenfahrer mögen andere Erfahrungen haben. Im Norden des Landes soll es angeblich häufiger mal eine Mückenplage geben.
Vorurteil:
Nach Norwegen zu fahren ist wegen des Walfangs politisch nicht korrekt.
Wahrheitsgehalt:
Dieser Wert steht für unser indifferentes Verhältnis zu diesem Thema. Letztendlich muss sich jeder sein eigenes Bild machen. Wir können hier lediglich auf die Argumente pro und contra Walfang hinweisen.
Die Argumente der Walfanggegner hat Greenpeace
(
) auf seiner Website zusammengefasst. Die große Mehrheit der Norwegischen Bevölkerung hat hierzu naturgemäß eine andere Meinung. Sie behaupten, dass der begrenzte Walfang die Bestände nicht gefährdet, dass es sich um legitime Traditionspflege handelt, dass die Wale den Fischern die Fische wegfressen und damit Arbeitsplätze bedrohen, und dass es letztendlich nichts anderes sei als beispielsweise die Hirschjagd hierzulande.
Eine Diskussion mit Norwegern über dieses Thema führt nach unserer Erfahrung meist zu nichts. Es ist für sie einfach zu emotional besetzt.
Wie auch immer du zum Walfang steht, die Entscheidung, ob du deswegen ggf. nicht nach Norwegen fahren möchtest, können wir dir nicht abnehmen. Allerdings sei noch darauf hingewiesen, dass es auch in anderen Urlaubsländern viele Gründe gibt, die es als politisch unkorrekt erscheinen lassen könnten, dorthin in den Urlaub zu fahren (Spanien: Stierkampf, Italien: Singvogeljagd, USA: Todesstrafe etc. etc.).
02.01.2010:
Godt nytt år - Frohes Neues...
27.12.2009:
Spende an "Save the Children"
24.12.2009:
God Jul - Frohe Weihnachten
03.11.2009:
Lofoten-Fotos online
30.08.2009:
Lofoten-Urlaub
Für die große Version einfach auf das Bild klicken.
Weitere Bilder gibt’s hier.