Wenn dieses Motto irgendwo einen Sinn hat, dann in Norwegen. Kilometerfressen à la »Hamburg–München in 5½ Stunden« is nich’. Autobahnen existieren in Norwegen nur in der unmittelbaren Umgebung von Oslo, und auch dort ist maximal Tempo 90 (auf einigen Versuchsstrecken neuerdings auch 100) erlaubt. Ansonsten gilt auf Landstraßen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Wer sich bei höheren Geschwindigkeiten erwischen lässt, muss mit saftigen Geldbußen rechnen (wie saftig, erfährst du hier). Meist lässt die Landschaft, die die Straßen in unzählige Kurven zwingt, aber auch gar keine höhere Geschwindigkeit zu. Und das ist gut so, denn gerade das macht Norwegen zu einem Paradies für Menschen, die gern Auto fahren und nicht nur möglichst schnell von A nach B wollen.
Im Folgenden geht es um Straßen in Norwegen, Mautgebühren, und wir haben einen Routenplaner für dich.
Norwegen ist sehr bergig, und da muss man entweder durch oder drüber. Es gibt eine Unzahl kleiner, viele lange und einige schier endlose Tunnel. Der längste von ihnen, der 2000 fertig gestellte Lærdalstunnel (zwischen Oslo und Bergen), ist mit seinen 24,5 km der mit Abstand längste Tunnel der Welt. Die meisten sind allerdings nur wenige 100 Meter kurz und auf einigen Strecken fährt man von einem in den nächsten mit nur kurzen Unterbrechungen. Viele dieser kurzen Tunnel sind unbeleuchtet, aber da man in Norwegen, wie in ganz Skandinavien, auch tagsüber mit Abblendlicht fahren muss, ist das nicht so tragisch.
Und wo man nicht mittels eines Tunnels durch den Berg fahren kann, da muss man halt drüber, was meistens länger dauert, aber viel schöner ist. Endlose Serpentinen winden sich dann den Berg hinauf. Einige von ihnen, wie z.B. der berühmte Trollstigen, sind sogar zu Touristenattraktionen geworden, über die sich im Sommer die Reisebusse quälen. Oft kommt es auch zu recht starken Steigungen bzw. starkem Gefälle, so dass manche Strecken für Gespanne nicht geeignet sind.
Viele Straßen müssen in Norwegen durch den Fels gesprengt werden, was nicht nur häufig zu Steinschlaggefahr, sondern auch zu sehr schmalen Straßen führt. Besonders in bergigen Gegenden und speziell an den Fjorden entlang ist die Fahrbahn oft nur für ein Fahrzeug breit genug. Es gibt zwar regelmäßig Ausweichstellen, aber wenn einem auf so einer Straße in einer unübersichtlichen Kurve ein LKW entgegen kommt, kann einem schon mulmig werden. Das betrifft nicht nur unbedeutsame Nebenstraßen, sondern auch vermeintlich große Europastraßen.
Weil es sehr teuer ist, ein so dünn besiedeltes Land wie Norwegen mit einem dichten Straßennetz zu versehen und es in Schuss zu halten, sind die meisten Straßen nicht so gut ausgebaut und auch in nicht so gutem Zustand wie bei uns. So muss man – zumindest auf den weniger bedeutsamen Bezirksstraßen – immer mit Schlaglöchern rechnen, und selbst auf Landstraßen der Kategorie »Riksvei« kann es einem passieren, dass der Asphaltbelag plötzlich endet und man einige Kilometer auf Schotter weiter fahren muss.
Oft hört eine Straße auch einfach auf und man muss mit einer Fähre, z.B. über einen Fjord, weiterfahren. Das funktioniert in der Regel aber problemlos. Die Fähren fahren in der Hauptsaison sehr häufig, bei kurzen Strecken alle 15 bis 20 Minuten.
Wohl jeder assoziiert mit Norwegen das berühmte Elchschild. Und tatsächlich gehört der Elch zu den größten Gefahren auf Norwegens Straßen. Nicht, dass man ständig welche trifft – viele Touristen sind enttäuscht in Norwegen keinen einzigen Elch gesehen zu haben – aber wenn man mal mit so einem 800 kg schweren Koloss kollidiert, hat man schlechte Karten. Besonders in der Dämmerung nimmt sich der König der Wälder das Recht heraus, bei einem Spaziergang durch sein Revier auch mal eine Straße zu kreuzen.
Weitaus häufiger muss man damit rechnen, dass einen andere Tiere an der Weiterfahrt hindern: Schafe. Die können einem in den meisten ländlichen Gegenden begegnen, sei es im Flachland oder im Gebirge (uns haben schon einige dieser Wolllieferanten in der Nähe des Gaustatoppen auf 1200 m Höhe eine Zwangspause verordnet).
Im Winter sind die Straßen, wen wundert's, oft glatt. Schnee liegt in rauen Mengen rum und Glatteis ist auch nicht selten. Winterbereifung ist angesagt, und Schneeketten sollte man in manchen Gegenden auch dabei haben. Nur auf Europastraßen kann man mit einer gepökelten Fahrbahn rechnen. Norweger fahren häufig noch Spikes. Doch die sind mittlerweile auch dort umstritten. Einige Städte haben Spikereifen bereits verboten. Nicht nur wegen der Straßenschäden, sondern auch wegen des gesundheitsschädlichen Staubs, der entsteht, wenn man mit Spikereifen über trockenen Asphalt fährt. Mit gesperrten Straßen muss in den Bergen häufig gerechnet werden. Manchmal ist es möglich, hinter einem Schneepflug Kolonne zu fahren. Aktuelle Straßenzustandsberichte findest du hier
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) oder auch hier
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All diese »Behinderungen« führen dazu, dass man mit deutlich geringeren Durchschnittsgeschwindigkeiten als bei uns rechnen muss. 50 km/h sind hier eine realistische Zahl. Tagesstrecken von mehr als 500 km sollte man deshalb vermeiden. Und damit du immer weißt wo es lang geht, gibt es hier die passenden Landkarten und hier den Veiatlas Norge
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Auch das sparsamste Auto muss mal tanken, und das ist in Norwegen natürlich gar kein Problem. Es gibt ausreichend viele Tankstellen (nicht jede hat allerdings ein so schönes altes Schild wie das, das wir in Dalen, Telemark, gefunden haben) und die Spritqualität ist gut. Man sollte den Tank aber möglichst nicht zu leer fahren, bevor man ans Nachfüllen denkt. Abseits der Städte gibt es nicht gerade hinter jeder Ecke eine Tankstelle. Auch wenn Norwegen eines der großen Ölförderländer ist, ist der Sprit recht teuer (ähnliches Niveau wie in Deutschland). Steuern und Abgaben treiben den Preis in die Höhe. Die aktuellen Spritpreise findest du hier
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Umsonst ist nicht einmal der Tod, selbst der kostet bekanntlich das Leben. Und so sind auch viele Straßenbauwerke, wie Brücken, Tunnel oder besonders gut ausgebaute, neue Straßen in Norwegen mautpflichtig. Man mag das als Abzocke empfinden, aber die Maut dient in diesen Fällen tatsächlich der Finanzierung der Bauwerke. Anders wäre das bei der geringen Bevölkerungsdichte auch kaum machbar. Betriebswirtschaftlich rechnet sich eine aufwändige Brücke zu einer Insel, auf der vielleicht ein paar hundert Leute wohnen, einfach nicht. Und wenn ein Bauwerk durch Mauteinnahmen bezahlt worden ist, dann werden die Mautstationen auch wieder abgebaut. Apropos Mautstationen (norw. bomstasjon): meistens kann man hier mit Münzen (norw. mynt, einfach die abgezählten Münzen in den Korb werfen) oder an einem bedienten Schalter bezahlen. Auf keinen Fall solltest du »vergessen« zu zahlen und die Abonnement-Spur benutzen; die Gebühren werden auch im Ausland eingetrieben (auch wenn man die Forderung derzeit noch ignorieren kann, weil es noch kein Rechtshilfeabkommen gibt. Angabe ohne Gewähr, die Rechtslage kann sich kurzfristig ändern). Infos darüber, welche Bauwerke betroffen sind und wie viel es kostet sie zu befahren, findest du hier (PDF)
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). Außer diesen Bauwerken sind auch einige Privatstraßen zu Aussichtspunkten oder Hüttenarealen mautpflichtig. Hier wird das Geld meist in einen bereit liegenden Umschlag gelegt und der Umschlag in einen Kasten eingeworfen.
Etwas anders sieht das mit der Abzocke bei den Mautringen um einige Großstädte aus. Diese dienen in erster Linie der Regelung (Begrenzung) des Autoverkehrs in Innenstädten und der Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs. Es ist nicht möglich, die Innenstädte mit dem Auto zu befahren, ohne zu bezahlen (es sei denn, man kommt mit der Fähre an). Das trifft auch auf Touristen zu. Und wenn man sich verfahren hat, aus Versehen aus dem Ring herausgekommen ist und nun wieder hinein will, dann muss man eben noch mal bezahlen (es gibt aber auch vereinzelte Berichte über Maut-Kassierer, die sich erweichen ließe). Abzocke?
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