Und nochmal Vats. Auch in diesem Jahr haben wir uns für den einsamen Flecken im Hallingdal entschieden, um auf Langlaufskiern ein wenig durch die verschneite Landschaft zu gleiten. Hier ist unser Reisebericht:
(Hinweis: die kleinen, dick umrandeten Bilder sind Thumbnails. Wenn du draufklickst, kannst du dir die große Version ansehen.)
Um 16.30 Uhr fahren wir planmäßig los. Die Fahrt nach Kiel verläuft ereignisarm. Grauer Himmel begleitet uns auf der knapp 100 km langen Fahrt. Nach einem letzten Auftanken fahren wir um kurz vor 18 Uhr auf die Stena Germanica, die uns nach Göteborg bringen soll.
Wir beziehen zunächst unsere Kabine. Dieses Mal ist es eine Familienkabine. Sie hat fünf Betten, davon ein Doppelbett, aber keinen Fernseher. Insgesamt macht sie einen etwas älteren, verwohnten Eindruck, ist aber alles in allem okay. Die Idee, dieses Mal im À-la-Carte-Restaurant zu essen, verwerfen wir zugunsten des Büfetts wieder. Annika hat keine Lust auf Edelessen (im Vergleich zum Büfett), außerdem fahren wir so ein wenig günstiger, zumal die Getränke (inkl. Tischwein und Bier) im Preis enthalten sind.
Während Annika nach einer gemeinsamen Session an den einarmigen Banditen in der Kabine ihren Nintendo DS noch ein wenig bearbeiten will, sehen Conni und ich uns bei einem frisch gezapften Carlsberg den Rest des Auftritts der Band Eternal Circle an. Das Repertoire ist nicht weiter erwähnenswert (einige Schweden tanzen zeitweilig dazu), der Gitarrist hinterlässt aber einen erstaunlich guten Eindruck. Selbst komplizerte Soli und vertrackte Harmonien stehen dem jeweiligen Original kaum nach, Respekt.
Die Nacht verläuft ruhig, keine Störungen durch Mitreisende, ruhiges Wetter, und für Annikas Hustenattacken kann das Schiff nichts.
Als wir von der Fähre fahren stockt es plötzlich, und mir kommt die Erinnerung an eine Alkoholkontrolle vor einigen Jahren in den Sinn. Und tatsächlich: ein Fahrer nach dem anderen muss ins Röhrchen pusten. Ich kalkuliere kurz durch, was ich am Abend vorher getrunken habe, der Tischwein und das Bier beim Büfett, der halbe Liter bei der Band, ein Jägermeister vorm Schlafengehen … soviel war es aber eigentlich auch wieder nicht. Egal, drei Autos vor uns wird die schwedische Polizei offenbar fündig. Der Mann muss aussteigen und mitkommen, die nachfolgenden Autos, darunter auch wir, dürfen ungetestet weiterfahren.
So fahren wir dann, mit leichter Verzögerung gegen 9.30 Uhr auf die E6 Richtung Norden. Bei ca. +5°C und keinerlei Anzeichen von Schnee reißen wir die Kilometer gen Oslo ab. Dort fahren wir dann zum ersten Mal durch den neuen unbemannten Mautring. Wir entscheiden uns, den Betrag von 20 NOK zusammen mit der entsprechenden Gebühr auf der Rückreise bei einer Esso-Tankstelle zu begleichen. Vielleicht warten wir auch einfach ab, was passiert. Angeblich sollen die Gebühren durch eine Rechnung, die nach Hause geschickt wird, eingezogen werden, aber ob die das Verfahren bei solchen Kleckerbeträgen auch bei Ausländern wirklich durchziehen? Auf jeden Fall wäre die Bergenser Lösung für alle Beteiligten einfacher gewesen. Dort müssen Ausländer einfach nicht bezahlen.
Der weitere Weg führt uns wie immer über die E16 und den Rv7 Richtung Ål. Je weiter wir kommen, umso mehr Schnee liegt. Die Temperaturen verharren allerdings im Plusbereich. Immer wieder regnet es. Kurz vor Ål biegen wir Richtung Vats ab, und schon bald werden aus den Regentropfen Schneeflocken. Bei unserem Haus, welches wir nach 545 km um 18 Uhr erreichen, liegt dann gut ein Meter Schnee, und wir haben keine Problem, die Zufahrt hinauf zu kommen (im Gegensatz zum letzten Jahr). Unser Ferienhaus erwartet uns vorgewärmt. Wir richten uns ein, und um 19 Uhr kann ich bereits die Sportschau sehen.
Das Ortsschild von Vats
Schneebedeckte alte Hütte in Vats
Abendliche Winterlandschaft bei Vats
Detail einer alten Scheune in Vats
Bei Temperaturen von knapp über 0°C und bedecktem Himmel wachen wir erholt auf. Vielleicht sind es auch die vergleichsweise guten Betten, die uns immer wieder hier her ziehen ;-) Wir beschließen, uns heute noch keine Skier auszuleihen und stattdessen erstmal ein wenig auszuspannen. Schließlich haben wir Urlaub.
Zur Mittagszeit fahren wir nach Ål zum Einkaufen. Auf den 20 km runter zum Rv7 ist der Schnee auf der Straße überall weich oder auch schon geschmolzen. In Ål sind +5°C. Beim örtlichen Kiwi-Supermarkt, der auch am heutigen Sonntag geöffnet hat (während der Woche übrigens bis 23 Uhr, und das in einer Stadt, die man bei uns fast noch als Dorf bezeichnen würde), kaufen wir ausgiebig ein. Anschließend machen wir noch einen kleinen Spaziergang durch das Örtchen. Dann geht es zurück zu unserem Haus.
Am Nachmittag machen Conni und ich (Annika bleibt lieber zu Hause) noch einen Spaziergang entlang unserer Straße. Leider gibt es nur diese eine, sodass wir nur die Landstraße auf und ab gehen können. Abstecher sind wegen der Schneewälle am Straßenrand kaum möglich. Dennoch sind wir 1½ Stunden unterwegs. Die Luft ist herrlich, und ein bisschen Bewegung tut gut.
Heute ist es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt bewölkt mit Aufheiterungen und damit gut geeignet für eine erste Skitour. Gegen 12.15 Uhr fahren wir zum Skarslia Skisenter, um uns Skier auszuleihen. Dort angekommen müssen wir feststellen, dass der Verleih nur von 10–12 und 16–16.30 Uhr geöffnet ist. Die Tür ist zwar offen, aber niemand ist anwesend. Und nun? Wir lassen nicht locker. Der junge Bursche beim Schlittenverleih sagt, er sei nicht zuständig, aber wir sollen es in der Wärmestube versuchen. Dort befindet sich ein Mann, der mir aus den letzten Jahren bekannt vorkommt. Er ist bereit, uns die Skier zu leihen. Puh, Glück gehabt.
Kurze Zeit später sind wir dann bei der Nordheim Fjellstue, bei der viele Loipen vorbeiführen. Wie schon in früheren Jahren wollen die kleine 2,5 km lange Trimløype zur Eingewöhnung nutzen, müssen aber feststellen, dass diese nicht gespurt wurde. Also fahren wir einfach ein Stück geradeaus. Diese Loipe muss erst vor kurzem frisch gespurt worden sein. Es gibt kaum Spuren anderer Langläufer. Wir stellen fest, dass wir eigentlich gar keine spezielle Eingewöhnung brauchen. Es flutscht von Beginn an ganz gut. Trotzdem wollen wir es nicht übertreiben und drehen nach ca. 1 km wieder um und fahren an der Nordheim Fjellstue vorbei noch ein Stück in die andere Richtung. Zeitweise reißt die Wolkendecke auf und gibt blauen Himmel und die Sonne frei. Schön, wir freuen uns schon auf morgen. Dann wollen wir eine längere Tour machen. Jetzt geht es aber erstmal wieder nach Hause.
Als wir heute aufwachen schneit es. Und so soll es auch den ganzen Tag bleiben. Mal mehr, mal weniger, aber es hört nie ganz auf. Das wird wohl nichts mit unserer geplanten Skitour. So vertreiben wir uns die Zeit mit Spielen, Lesen und Tagebuchschreiben. Gegen Mittag fahren wir nach Ål runter, um unsere Vorräte aufzufüllen. Unten ist es etwa ein Grad wärmer, was schon ausreicht, um aus dem Schneefall, unangenehmen Schneeregen zu machen. Wieder oben in Vats schneit es weiter …
Blick aus unserem Küchenfenster: Schnee, Schnee, Schnee
Blick zur anderen Seite: Schnee, Schnee, Schnee
Die ganze Welt scheint schwarzweiß geworden zu sein. Es hat offensichtlich auch in der Nacht noch weiter geschneit. Jeder noch so kleine Zweig ist mit einer Schneehaube bedeckt. Die dicke Wolkenschicht wirft ein diffuses Licht darauf, sodass es den Anschein hat, als hätte die Welt ihre Farbe verloren. Es hat allerdings aufgehört zu schneien, und gegen Mittag machen wir uns auf zur Nordheim Fjellstue, um dort eine kleine Tour entlang der Bygdeløypa zu machen. Diese Loipe folgt dem Tal, sodass es keine allzu großen Höhenunterschiede gibt. Trotzdem gibt es noch genügend Anstiege und Abfahrten, um die Tour nicht langweilig werden zu lassen. Außerdem verläuft die Strecke zumeist durch waldiges Gebiet, wodurch man nicht so sehr Wind und Schneeschauern ausgesetzt ist. Nachteil: es ist keine Rundtour, d.h. wir müssen den selben Weg wieder zurück nehmen.
Loipenwegweiser
Also los. Es macht sich schnell bezahlt, dass wir die Skier noch gewachst haben, bevor wir losgefahren sind. Auch mäßige Steigungen lassen sich noch in der Spur bewältigen. Conni wird im Vergleich zu den letzten Jahren immer wagemutiger und stürzt sich Abfahrten auf Skiern hinunter, die sie früher nur zu Fuß gegangen wäre. Das spart Zeit, und so sind wir recht zügig an unserem schon aus den letzten Jahren gewohnten Rastplatz an einer Loipenkreuzung.
Anschließend geht es weiter bis zu einem Sportplatz, wo die Loipe eine Schleife macht, dann fahren wir zurück. Nach ca. drei Stunden (inkl. Pausen) haben wir die insgesamt 8,6 km geschafft. Einige Schneeschauer hat es noch gegeben, aber ansonsten hat das Wetter mitgespielt. Schade, dass es so bewölkt war, aber die Bewegung an frischer Luft hat gut getan.
Das Wetter spielt wieder mit. Blauer Himmel, Sonnenschein und Temperaturen unter Null bestärken uns in dem Wunsch, eine etwas ausgedehntere Tour oben am Bergsjø zu machen. Um die Mittagszeit kommen wir los, und oben am Bergsjø erwartet uns perfektes Skiwetter. Gegen 13.20 Uhr starten wir unsere Tour auf der Uværsløype, einer Rundloipe, die wir schon aus den letzten Jahren kennen, abwechslungsreich, aber nicht zu schwierig.
Wir gleiten zunächst in weitgehend ebenem Gelände durch den in der Sonne glitzernden Neuschnee, herrlich! Dann kommt eine langgezogene Abfahrt. Ich stürze mich wagemutig hinunter, bremse mit einem Bein außerhalb der Loipe. Ich werde immer schneller, die Loipe überquert eine Straße, zum Glück kommt kein Auto (naja, eigentlich fährt dort fast nie ein Auto). Die Straße schaffe ich, aber in der danach folgenden 90°-Linkskurve krache ich auf die linke Schulter. Krack! Mist, das fühlt sich an wie im vorletzten Jahr. Da war ich auf dieselbe Schulter gefallen, und anschließend hatte ich noch Monate Schmerzen beim Anheben des linken Arms. Dieses Mal scheint es aber nicht so schlimm zu sein. Es geht weiter.
Es folgt eine Strecke vorbei an wunderschön gelegenen (Ferien-)Häusern. Manche von ihnen sind nagelneu, groß, luxuriös und mit atemberaubendem Blick ins Tal. Zumindest einigen Norwegern scheint es finanziell prächtig zu gehen. Nach einem längeren Anstieg machen wir wieder an der üblichen Stelle eine Pause. Eine Stunde sind wir jetzt unterwegs. Wir genießen den Ausblick ins Tal, die bizarren Wolkenformationen am blauen Himmel und unsere belegten Brote.
Abwechslungsreich geht es weiter. Die Loipe wendet sich einer langen Abfahrt wieder dem Bergsjø zu. Nachdem wir den nächsten Berg erklommen haben, folgt die nächste kleine Pause. Eine dünne Wolkendecke trübt für einige Zeit den Sonnenschein, bietet aber Gelegenheit zu einigen stimmungsvollen Fotos. Dann gewinnen die blauen Anteile am Himmel wieder die Oberhand.
Auch in diesem Jahr können wir wieder Schüler beim Bau eines Iglus beobachten, während wir dem Bergsjø entgegen streben. Nach ingesamt ca. 6 km (die Uvæersløype selbst ist 5,4 km lang) erreichen wir gegen 16.30 Uhr wieder unser Auto. Angenehm erschöpft fahren wir nach Hause
Unser letzter Tag, bevor wir morgen wieder nach Göteborg zur Fähre fahren müssen, beschert uns noch einmal schönstes Winterwetter. Für eine längere Skitour ist es zu spät; wir müssen ja die Skiausrüstung rechtzeitig wieder abgeben.
So brechen wir dann am frühen Nachmittag zu einer letzten kleinen Tour zur Nordheim Fjellstue auf. Wir stellen fest, dass die Trimløype frisch gespurt ist und drehen erst einmal eine Runde auf dem 2,5 km langen Rundkurs. Da wir noch etwas Zeit haben, bis wir die Skier wieder abgeben müssen, fahren wir anschließend die Bygdeløype noch ein wenig hin und her und genießen die letzten Minuten im Schnee bei strahlendem Sonnenschein.
Dann bringen wir die Skiausrüstung zum nahen Skarslia Skisenter. Wieder in unserer Hütte beginnen die ersten Vorbereitungen für unsere morgige Abreise.
Am Abend schaut unser Vermieter noch kurz vorbei und erkundigt sich, ob alles in Ordnung war (ja, war es) und ob wir im nächsten Jahr wieder kommen wollen (wissen wir noch nicht; Annika ist immer weniger für ruhige Touren durch die schöne Winterlandschaft zu begeistern, Teenager halt …).
Wir kommen recht pünktlich los. Das Wetter ist immer noch sehr schön, und so erreichen wir nach ereignisarmer Fahrt pünktlich unsere Fähre in Göteborg.
Schön war’s mal wieder, auch wenn das Wetter erst in der zweiten Wochenhälfte so richtig gut wurde. Ob es in absehbarer Zeit ein nächstes Mal geben wird, steht noch nicht fest (s.o.).
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