Neben einer Woche in, na, wo?, richtig: Sandal waren wir in diesem Sommer zum ersten Mal im Rogaland. Außerdem gab es Wiedersehen mit dem Sørlandet und Oslo.
Hier ist unser Reisebericht:
(Hinweis: die kleinen, dick umrandeten Bilder sind Thumbnails. Wenn du draufklickst, kannst du dir die große Version ansehen.)
Zur zweiten WocheDie erste WocheZur dritten Woche
11.20 Uhr. Wir sind gut in der Zeit in diesem Jahr. Nur 20 Minuten später als geplant kommen wir los; sonst waren es immer 30 Minuten. Das Wetter ist wolkig, und der eine oder andere kleine Schauer begleitet uns auf unserem Weg auf der A7 und A215 von Hamburg nach Kiel. Kein Stau hält uns auf. Nach einem Tankstopp in Kiel sind wir um 12.45 Uhr am Norwegenkai, wo wir uns in die Schlange der Wartenden einreihen.
Die Color Magic im Hafen von Kiel
Nach den Formalitäten geht’s in den Bauch der Color Magic. Wir fahren zum ersten Mal mit dem neu erbauten Schwesterschiff der Color Fantasy. Unsere Kabine auf Deck 9 liegt direkt neben dem Fahrstuhl. Den hört man aber überhaupt nicht, sodass wir es eher als Vorteil erachten nur einen potenziellen Krachmacher als Nachbarn zu haben. Die Kabine entspricht weitgehend der auf der Color Fantasy. Nur eine (leere) Minibar und ein 26"-LCD-Fernseher (im Gegensatz zur 30-cm-Röhre auf der Color Fantasy) fallen uns auf. Die Minibar kann man gegen Geld füllen lassen. Wir nutzen sie als Kühlschrank.
Unterquerung der Brücke über den Großen Belt
Ansonsten sind die beiden Schwesterschiffe fast identisch. Wir schauen uns überall um, kaufen ein wenig ein und treffen uns mit Bekannten auf ein Käffchen in der Oriental Bar. Am frühen Abend, nachdem wir gegen 18.15 Uhr die Große-Belt-Brücke unterquert haben, essen wir in der Pizzeria Mamma Bella. Es kommt uns so vor, als wären hier mehr Tische untergebracht als auf der Color Fantasy. Jedenfalls brauchen wir nicht lange anzustehen, um einen Platz in dem gut besuchten Restaurant zu bekommen. Das Essen ist gewohnt lecker, auch wenn 15 Euro für eine Pizza und über 6 Euro für ein Bier (0,5 l) nicht gerade Schnäppchen sind. Anschließend sehen wir uns die Show mit einer bunten Mischung von Musical-Liedern an. Auch das Show-Team der Color Magic kann singen und tanzen. Es gab aber schon Shows, die uns besser gefallen haben. Danach schauen wir uns noch in der komplett gefüllten Observation Lounge auf Deck 15 und in der Disco um, in der drei einzelne Damen zu Disco-Klassikern tanzen. Dann geht’s ins Bett.
Nach einer ruhigen Nacht frühstücken wir in der Oriental Bar Latte Macchiato und ein Stückchen Kuchen. Pünktlich um 10 Uhr (die Color Line muss sparen und lässt die Schiffe langsamer fahren, sodass sie erst eine halbe Stunde später ankommen) legt die Color Magic am Hjortneskai an. Schon bald können wir in den leichten Nieselregen von Oslo eintauchen. Insgesamt ist das Wetter auf unserer 444 km langen Fahrt zu unserem Ferienhaus wolkig, eher kühl und gelegentlich regnerisch.
Wir fahren wie üblich die E18 und E16 in Richtung Bergen. Bei Hønefoss will uns unser Navi, das wir zum ersten Mal dabei haben, auf den Rv7 locken. Wir ignorieren die freundliche Dame jedoch und folgen weiter der E16. Den Rv7 sind wir schon so oft gefahren, dass uns der Sinn nach ein wenig Abwechslung steht. Bei Valdres kaufen wir ein wenig fürs Wochenende ein, dann geht es über Fagernes ins Filefjell. Dort oben sinkt das Thermometer zeitweilig auf 8°C, brrr. Kurz vor Lærdal speisen wir ein paar Burger in einer neuen Raststätte. Dann fahren wir auf dem Rv5 weiter Richtung Fodnes, wo wir uns ohne nennenswerte Wartezeit auf die Fähre über den Sognefjord einschiffen können. 155 NOK will man dort mittlerweile für die Überfahrt eines PKW mit zwei Erwachsenen und einem Kind haben (inkl. Maut für einen längeren Tunnel.
Kühe auf der E39
Auf der anderen Seite des Fjords folgen wir weiter dem Rv5, und bei Fjærland sind dann weitere 175 NOK (Vorjahr 160 NOK) für das Befahren einiger Tunnel fällig. Bei Skei wechseln wir auf die E39. Im Våtedalen bremsen einige auf der Straße herumlaufende Kühe und Ziegen unsere Fahrt, aber um 18.15 Uhr sind wir dann in Sandal bei unserer Vermieterin Aud, die uns herzlich begrüßt. Acht Stunden inklusive Pausen; wir sind gut durchgekommen. Mit dem Schlüssel in der Hand fahren wir hinauf zum Blåklokkehuset und packen aus. Auch wenn das Wetter nicht sooo schön ist – immerhin, es regnet nicht – sind die Lage und die Aussicht immer wieder faszinierend. Im Haus ist es ziemlich Kühl (ca. 16°C), sodass wir den Ofen mit Holz füttern, um es auf angenehme Temperaturen zu bringen.
Am späteren Abend machen Conni und ich noch einen kurzen Spaziergang, der uns an eine Wiese oberhalb unseres Hauses führt. Auf dieser Wiese sehen wir plötzlich zwei Rehe, die schnell das Weite suchen, als sie uns wahrnehmen. Ein schönes Erlebnis, das uns vor Augen führt, wie naturnah wir Stadtkinder hier wohnen.
Wir schlafen erst einmal aus. Es ist bewölkt und eher kühl, aber trocken. Nach dem (späten) Frühstück spielen wir ein wenig Softball im Garten.
Am frühen Nachmittag fahren wir ein Stückchen die Straße Richtung Byrkjelo hinab zu einem neu erstellten Damm, der das Sandalsvatnet zwecks Stromerzeugung staut. Alles wirkt noch recht neu. Man hat einige Brücken erbaut, um das Gelände für Fußgänger zu erschließen. Überhaupt macht die ganze Anlage einen parkähnlichen Eindruck. Das wirkt etwas unwirklich inmitten der großartigen Natur, aber vermutlich ist das ein Versuch, die entstandene Narbe erträglicher zu machen. Wir wandern ein bisschen durch das Gelände und schauen uns die noch bestehende Baustelle an. Inmitten der Steinwüste haben die Architekten eine kleine grüne Oase mit zahlreichen Blaubeersträuchern stehen gelassen. Wir nutzen das Angebot ausgiebig.
Blaubeerparadies
Blåklokkehus am Abend
Anschließend fahren wir nach Byrkjelo, um uns bei der örtlichen Tanke ein Eis zu kaufen. Wir genießen es in der jetzt immer häufiger durch die Wolken scheinenden Sonne.
Zu Hause wird weiter gespielt. Am Abend mache ich noch einige kurze Fotoausflüge in die nähere Umgebung. Der Himmel wird immer blauer …
Jetzt kommt die Sonne
Der gestern Abend noch vielversprechend aussehende Himmel hat sich heute Morgen wieder zugezogen, und die Gipfel der umliegenden Berge sind in Wolken gehüllt. Nach einem – wieder einmal – späten Frühstück fahren wir ins nahe Sandane, um unsere Vorräte aufzufüllen. Am frühen Abend wird dann der Grill angeworfen. Es gibt Pfeffersteak und Würstchen. Lecker. Der Grill wird in den nächsten Tagen gewiss noch öfter Verwendung finden, vorausgesetzt es bleibt trocken. Die Zeitung verspricht uns, dass die Sonne jetzt kommt, und Zeitungen lügen doch nicht, oder?
Gegen 20.30 Uhr machen wir uns zu einem Spaziergang zu unserer Vermieterin Aud auf. Wir wollen noch einen geplanten Ausflug mit ihr besprechen. Wir nehmen den alten Weg, der von unserem Haus am Berg entlang führt und uns zahlreiche spektakuläre Blicke auf Berge und See bietet. Die Luft ist herrlich und der Himmel wird auch wieder blauer. Aud und ihre Tochter Ellisiv bieten uns erst einmal frisch gebackene Kanelboller (Zimtschnecken) an, ein Traum. Nach dem Austausch einiger Neuigkeiten, verabreden wir uns für morgen zu einer Wanderung zur Myklebuststøyla, einer Alm im Myklebustdalen, die wir schon früher gesehen haben. Morgen will Aud uns dort allerdings ein Meiereimuseum zeigen, das sie mit Bekannten aus Myklebust renoviert hat (deshalb hat sie auch Zugang zu den Schlüssel). Es handelt sich um die älteste Meierei der Gegend. Wir sind gespannt. Die Wettervorhersage ist gut. Im Laufe der nächsten Tage soll es richtig sommerlich werden.
Blick auf den Nordfjord
Es ist immer noch stark bewölkt. Wir beschließen noch heute unsere alljährliche Shopping-Tour zu machen. Zunächst wollen wir nach Innvik zum Fabrikverkauf von Skogstad. Wir fahren auf dem Rv 60 über das Utvikfjellet. Auf dem Weg wird das Wetter langsam besser, und ich kann nicht umhin, den Parkplatz anzusteuern, den alle unwillkürlich aufsuchen, die zum ersten Mal über das Utvikfjellet fahren und den Blick über den Nordfjord sehen. Auch mein Auslösereflex schlägt zu, selbst wenn ich diesen Blick schon zig mal gesehen und fotografiert habe.
In Innvik betreten wir das neue Verkaufsgebäude von Skogstad, ein schmuckloser Zweckbau, der aber genau das tut, seinen Zweck erfüllen. Nach einigem Hin und Her erstehen wir je eine Jacke für Annika und mich. Dann geht es weiter nach Stryn, immer am Fjord entlang. In Olden liegt gerade ein kleineres englisches Kreuzfahrtschiff am Kai.
In Stryn statten wir Moods of Norway einen Besuch ab, aber weder in dem Häuschen mit den Angeboten an der Hauptstraße noch im Flagship-Store in einer Seitenstraße werden wir fündig. Die diesjährigen Muster, in erster Linie Meerjungfrauen, sagen uns nicht so zu, zumindest nicht bei den Preisen (ein T-Shirt kostet umgerechnet ca. 50 EUR).
Im Inneren der Mühle
Die Alm Myklebuststøyla
Geräte in der Museumsmeierei der Myklebuststøyla
Wanderung zurück
Dann müssen wir auch los. Wir sind um 15.30 Uhr mit Aud verabredet, um mit ihr zu einer historischen Meierei bei der Alm Myklebuststøyla zu wandern. Kurz vor halb vier sind beim Blåklokkehuset. Wir ziehen uns schnell um, packen ein paar Sachen zusammen und fahren zu Aud. Zusammen mit ihr geht’s bis zum Ende des Myklebust-Tales und der Straße. Wir sind den Weg zur Myklebuststøyla schon zweimal gegangen. Es ist in erster Linie ein Traktorweg, also fast ein Spaziergang, allerdings stetig leicht bergauf. Gleich am Anfang des Weges macht uns Aud auf einen unscheinbaren Pfad aufmerksam. Sie verspricht ein Fotomotiv und ein Kulturdenkmal. Also stapfen wir durch den Wald bis wir an einer kleinen Schlucht ankommen, durch die ein kleiner Fluss rauscht, der von mehreren Wasserfällen gespeist wird. Zusammen mit den grün bewachsenen Felswänden ergibt das tatsächlich ein 1a-Fotomotiv. Ein paar Schritte weiter steht ein kleines, unscheinbares Holzhäuschen, eine ehemalige Mühle, wie Aud uns erklärt. Wir können einen Blick hineinwerfen, und im Inneren kann man noch die alten Mühlsteine sehen. Ohne Aud hätten wir dieses Idyll nie gefunden. Ist doch gut, jemanden dabei zu haben, der sich auskennt.
Bei der Alm angekommen holt Aud den Schüssel für die Meierei in einer der Hütten, deren Besitzer sie kennt. Dann besichtigen wir die Meierei. Es ist die älteste der Gegend. Sie besteht aus einem kleinen Steinhaus, in dem zahlreiche Utensilien und Bilder aus der Zeit, als die Meierei noch in Betrieb war, ausgestellt sind. Man kann dort auch übernachten. Aud erzählt, dass das alles von einem älteren Mann gepflegt wurde, der im letzten Jahr im Alter von 90 Jahren gestorben ist.
Meiereigebäude
Kühe am Wegesrand
Leider ist es mit dem Wetter nicht besser geworden. Es hat sich wieder zugezogen, und in diesem tief eingeschnittenen Tal weht ein kühler Wind. Wir wandern wieder zurück und fahren Aud nach Hause. Auf diesem Wege nochmals vielen Dank, liebe Aud.
Am späteren Abend, so gegen 23.20 Uhr, wir schauen gerade fern, fällt mein Blick aus dem Fenster, und ich sehe wie sich etwas bewegt. Rehe! Vier Stück tummeln sich auf der Straße (hier fahren keine Autos). Wir gehen raus und beobachten sie kurz, bis zu dem Moment, in dem ich versuche, ein Foto von ihnen zu machen. Das Geräusch des klappenden Spiegels oder das Fokus-Hilfslicht (oder beides) verscheucht sie, und ich kann nur ein verschwommenes Etwas, in dem man mit viel Fantasie etwas Rehähnliches entdecken kann, auf den Chip bannen. Trotzdem wieder ein schönes Naturerlebnis.
Das Wetter hält sich, mal wieder, nicht an die Vorhersage. Es ist immer noch stark bewölkt und eher kühl. Wir hatten uns für diesen Tag einen Ausflug nach Florø, der mit 9000 Einwohnern einzigen Stadt des Bezirks Sogn og Fjordane, vorgenommen. Davon lassen wir uns auch nicht abbringen. Am späten Vormittag fahren wir, auf besseres Wetter hoffend, los. Wir nehmen den Rv60 und die E39 nach Sandane, wo wir auf den Rv615 wechseln. Dieser führt uns an zwei Fjordarmen entlang zunächst bis ins schöne Örtchen Hyen und dann in langen Windungen (die unser Navi so verwirren, dass es zeitweise nur noch einen grauen Bildschirm anzeigt) ins Blåfjellet. Die Strecke ist sehr schön und abwechslungsreich. Wir fahren durch Wälder und an zahlreichen kleineren und größeren Seen vorbei. Schade, dass das Wetter nicht besser ist, aber auch so, mit den Gipfeln teilweise in Wolken gehüllt, ist die Landschaft sehr schön und erzeugt eine fast mystische Stimmung.
Der Rv615 mündet schließlich in den Rv5, dem wir jetzt die letzten Kilometer nach Florø folgen. Statt der erhofften Sonne gibt es jetzt auch noch Nieselregen. Die Küstenlandschaft mit den vielen vorgelagerten Schären ist bestimmt sehr hübsch, aber leider können wir davon nicht allzuviel sehen. In Florø parken wir bei einem Einkaufszentrum, kaufen ein paar Smulteringer (ringförmiges Schmalzgebäck) und stapfen los, immerhin hat der Nieselregen fast aufgehört. Die Stadt hat einige hübsche Ecken mit vielen bunten Holzhäusern und zahlreichen Läden, aber so richtig vom Hocker reißt uns auch diese Stadt nicht. Das mag aber auch mit dem Wetter zusammenhängen. Wir wollen nicht ungerecht sein. Nach einer Runde durch die gefühlten 1½ Einkaufsstraßen erreichen wir wieder das Einkaufszentrum, das wir noch kurz durchstreifen. Wir kaufen noch ein paar Smulteringer, die waren nämlich sehr lecker. Dann geht es auf demselben Weg, den wir gekommen waren, zurück.
Die letzte Wolke
In Sandane machen wir einen Zwischenstopp zum Einkaufen. Am Abend wird gegrillt, trotz gelegentlicher Nieselschauer. Was muss, das muss … Wieder verspricht uns die Wettervorhersage Sonne. Wir bleiben skeptisch, doch am späteren Abend verschwinden innerhalb einer Stunde sämtliche Wolken wie von Geisterhand. Wir schöpfen wieder Hoffnung, sollte es dieses Mal wirklich klappen?
Endlich: Frühstück auf der Terrasse!
Eine Kröte auf unserem Grundstück
Sonne! Wir erwachen bei wolkenlosem, strahlend blauem Himmel. Das Frühstück nehmen wir (natürlich) auf der Terrasse ein. Heute wollen wir den Gamle Strynefjellsvegen befahren, eine historische Straße, die über 27 km parallel zu der ganzjährig geöffneten Tunnelstrecke Rv15 durchs Strynefjellet führt. Bislang waren wir dort immer nur auf der Durchreise und somit ein wenig in Eile gewesen, weshalb wir jedes Mal den schnellen Rv15 gefahren sind. Dieses Mal soll es endlich die landschaftlich sicherlich reizvollere Alternative sein.
Wie so oft kommen wir gegen 11.30 Uhr los. Scheint irgendwie »unsere« Zeit zu sein. Der Rv60 führt uns über das Utvikfjellet, und ich »muss« schon wieder den Nordfjord-Blick knipsen, dieses Mal mit dekorativen Schafen dabei, von denen mir eines in die Gegenlichtblende meines Objektivs beißt, was bei dem aufgeschraubten Weitwinkelobjektiv zu witzigen Perspektiven führt.
Unten am Fjord zwischen Innvik und Olden, wo die Straße oft sehr eng wird, ist plötzlich Stau. Wie es aussieht, hat sich eine Mischung aus Bussen, Wohnmobilen und Lastwagen hoffnungslos festgefahren. Hin und wieder geht es mal ein Stückchen voran, dann hängen wir in einem einspurigen kurzen Tunnel fest. So nach und nach schaffen die größeren Fahrzeuge es, sich zu entwirren, und wir kommen langsam weiter. Erstaunlich, wie viele Fahrzeuge hier so unterwegs sind, wenn man sie mal alle auf einem Haufen sieht. Der Stau hat uns ca. eine halbe Stunde gekostet, aber wir haben ja Zeit.
In Stryn wechseln wir dann nach einem kleinen Einkaufs- und Tankstopp auf den Rv15, der uns an dem wunderschönen Strynsvatnet entlang führt, an dem wir dann auch unsere Mittagspause einlegen. Das Wetter ist immer noch einmalig schön. Weiter geht es bis zum Aufstieg ins Strynefjellet.
Nach einigen Haarnadelkurven zweigt der Gamle Strynefjellsvegen ab. Er führt uns noch weiter hinauf in die Berge. Am Ende der Serpentinen erwartet uns ein erstes Highlight. Der Videsætherfossen stürzt sich nach dem Durcheilen einiger Stromschnellen tief hinab ins Tal. Wir verweilen kurz, um das Schauspiel fotografisch festzuhalten. Der Sturz in die Tiefe lässt sich aber nur unzureichend ablichten. Das direkte Erlebnis ist ungleich beeindruckender als jedes Foto.
Die Straße nimmt uns noch weiter mit hinauf in die immer karger werdende Landschaft. Ewige Schneefelder kommen in Reichweite. Bei einem halten wir an. Das Betreten und Anfassen von Schnee bei ca. 23°C im Schatten und strahlendem Sonnenschein ist immer wieder ein paradoxes Erlebnis. Annika zieht sogar kurz die Schuhe aus und läuft barfuss auf dem kalten Weiß, aber wirklich nur kurz, denn Schnee ist auch im Sommer eiskalt …
Brrr, doch ganz schön kalt …
Schneeball im Sommer
Stromschnellen beim Gamle Strynefjellsvegen
See am Gamle Strynefjellsvegen
Lift des Stryn Sommarskisenters
Skifahrer am Stryn Sommarskisenter
Die Baumgrenze haben wir mittlerweile überschritten. Hier oben wachsen nur noch kurze Sträucher. Dafür beeindruckt die Landschaft mit anderen Reizen. Felsen, Schnee, rauschende Flüsse und blaue Seen bilden eine atemberaubende Kulisse für das jetzt auftauchende Stryn Sommarskisenter. In einem schmucklosen Zweckbau kann man hier oben etwas essen und trinken oder sich Ski-Utensilien und Snowboards ausleihen. Viel faszinierender sind aber – abgesehen natürlich von der Tatsache, dass hier tatsächlich im Sommer ein Lift Skifahrer auf den Gletscher bringt, den sie dann hinab wedeln können, und der tollen Landschaft, in der sie das tun – die Typen, die hier ihrem Sport in ungewohnter Jahreszeit nachgehen. Wir haben den Eindruck, es ist ausschließlich die typischen Snowboardfraktion unterwegs. Coole Typen in noch cooleren Klamotten, die Skier/Snowboards locker geschultert. Wir betrachten und knipsen das Schauspiel bei einem Eis (ja, es ist immer noch warm hier oben), dann fahren wir weiter.
Coole Snowboarder
Kurz nach dem Stryn Sommarskisenter wird die bis hierher asphaltierte und relativ breite Straße zu einer weitgehend einspurigen Schotterpiste. Noch immer haben wir den höchsten Punkt nicht erreicht. In einigen Seen schwimmen noch Eisschollen, und auf einigen Schneefeldern sehen wir Norweger, die sich ihre Liegestühle mitten in dem Schnee gestellt haben und sich sonnen. Die sind echt hart drauf, denken wir, zu der Höhenstrahlung auch noch die Reflexion durch den Schnee, UV pur.
Vorbei an Seen in verschiedenen Blautönen und durch eine karge, felsige Landschaft führt uns der Weg langsam wieder hinab. Stück für Stück kehrt die Vegetation zurück. Kurz vor Grotli, wo der Gamle Strynefjellsvegen wieder auf den modernen Rv15 trifft, erhöht sich schlagartig die Hyttenfrequenz. Und was für Dinger sich einige Leute hier hingebaut haben, ist schon beeindruckend. Ich bin mir fast sicher, dass auch einige Promi-Villen dabei sind.
Schnell die Fotos sichern …
Zurück auf dem Rv15 brauchen wir nur wenige Minuten durch zahlreiche Tunnel, um die Abzweigung, bei der wir auf den Gamle Strynefjellsvegen abgebogen waren, wieder zu erreichen. Für den eiligen Reisenden ist das natürlich die bessere Alternative, aber wer ein wenig von der atemberaubenden Landschaft hier oben sehen will, dem sei der Gamle Strynefjellsvegen wärmstens ans Herz gelegt.
Auf dem Rückweg halten wir noch kurz in Stryn, wo ich bei Rico Vero kurz vor Ladenschluss (18 Uhr) noch ein Hemd erstehe. Dann geht es endgültig nach Hause. Am Abend gibt es in Alufolie gegrilltes Lachsfilet. Der perfekte Abschluss für einen wunderschönen Tag.
Das Wetter ist immer noch super, aber nach den teilweise anstrengend (aber schön) zu fahrenden 250 km von gestern und angesichts der Tatsache, dass wir uns schon langsam ums Packen und Saubermachen kümmern müssen, entscheiden wir uns für eine Faulenzertag auf unserem Grundstück. Bei maximal 28,7°C verbringen wir ihn zumeist auf schattigen Plätzchen mit Lesen und Spielen. Am Abend mache ich noch einen kurzen Fotoausflug, um das Abendrot einzufangen. Das hätte ich besser nicht getan. Die Hitze hat offensichtlich einige Mücken ausgebrütet, die sich nun an meinen nackten Knöcheln gütlich tun. Morgen geht es dann nach Tau, in der Nähe von Stavanger. Darauf freuen wir uns schon, aber angesichts des herrlichen Wetters wären wir auch gern noch ein wenig hier geblieben.
Nach einem letzten Frühstück auf der Terrasse des Blåklokkehusets bei immer noch fantastischem Wetter müssen wir packen und sauber machen. Dann fahren wir zu Aud, um ihr den Schlüssel zu übergeben. Wir verabschieden uns herzlich. Gegen 10.30 Uhr kommen wir dann letztendlich los. Da Tau am Rv13 liegt und diese Straße nicht allzuweit von Byrkjelo beginnt, beschließen wir, heute einen Rv13-Tag einzulegen. Damit wählen wir zwar die etwas längere aber auch preiswertere Alternative, weil wir die sündhaft teuren Tunnels bei Fjærland und die nachfolgende Fähre mit weiterer Tunnelmaut (zusammen ca. 330 NOK) umgehen.
Es geht also zunächst ein kurzes Stück auf dem Rv60 nach Byrkjelo, dann auf der E39 nach Skei und weiter am Jølstravatnet entlang bis bei Moskog der Rv13 abzweigt. Es geht durch Wälder und an Seen vorbei immer höher ins Gaularfjellet. Wir sind die Strecke früher schon einmal gefahren, was ein weiterer Grund dafür ist, dass wir sie heute erneut fahren. Nach etlichen Kilometern durch die Gebirgslandschaft erreichen wir wieder die Stelle, an der das Gaularfjellet jäh endet und die Straße in zahlreichen Haarnadelkurven gen Tal abfällt. An dem entsprechenden Aussichtspunkt nehmen wir unser Mittagessen ein. Auf die Toiletten hatten wir uns schon gefreut; leider sind sie wegen defekter Wasserzufuhr geschlossen.
Auf dem Sognefjord
Die Zeit schreitet voran, es ist bereits 13.15 Uhr, und wir haben noch eine laaange Strecke vor uns. Also geht es weiter nach Dragsvik, wo wir die Fähre nach Vangsnes nehmen, auf die wir recht lange warten müssen. Erst gegen 14.45 Uhr kommen wir weiter.
Schon bald geht es wieder hoch hinauf, dieses mal ins Vikafjellet. Auch hier gibt es wieder einen schönen Aussichtspunkt, den ich nicht links liegen lassen kann. Das Vikafjellet bringt uns auf fast 1000 Höhenmeter mit entsprechender baumloser Vegetation und Schneefeldern, die die Landschaft fast wie Kühe (wegen der Flecken) aussehen lässt. Dieser Vergleich kommt uns jedenfalls allen in den Sinn.
Kuhfleckenlandschaft
Auf der Fähre über den Hardangerfjord
Nach dem Vikafjellet teilt sich der Rv13 die Straße mit der E16. Wir passieren Voss, und der Rv13 ist wieder allein. Bei Nesheim überqueren wir den Eidfjord per Fähre nach Brimnes. Jetzt folgt die Straße dem Sørfjorden Richtung Odda. Hier ist gut Kirschenessen. Alle gefühlte 50 m (tatsächlich mögen es ein paar 100 sein) gibt es einen »Moreller«-Stand, links und rechts der Straße begleiten uns unzählige Kirschplantagen.
Schlussendlich erreichen wir die recht hässliche Industriestadt Odda, die wir schnell durchqueren, um danach wieder einem schönen Tal zu folgen, an dessen Ende der Låtefossen um eine kleine Pause bittet. Wir hatten den Doppelwasserfall vor vielen Jahren schon einmal gesehen, aber nicht adäquat abgelichtet; vermutlich war damals (im Gegensatz zu jetzt) das Wetter zu schlecht.
Es geht wieder in die Berge, genauer ins Røldalsfjellet. Diese Strecke teilt sich der Rv13 mit der E134. Dann folgt eine sehr einsame Strecke durch das Brattlandsdalen und entlang des Suldalsvatn. Im Zuge der Uferstraße am Suldalsvatn gibt es die größte Konzentration an Tunnels, die wir je gesehen haben. Kaum ist man aus einem raus, beginnt auch schon der nächste.
Jetzt heißt der Rv13 Ryfylkevegen, und wir nähern uns langsam unserem Ziel. Es ist schon spät, aber eine Fähre folgt noch. Von Nesvik nach Hjelmerland überqueren wir den letzten Fjord auf dem Weg nach Tau. Jetzt ist die Landschaft etwas lieblicher, weniger rau, aber immer noch attraktiv. Gegen 21.50 Uhr ist es dann endlich soweit: Wir erreichen unsere Ferienwohnung auf einer Anhöhe oberhalb des Anlegers der Fähre Tau–Stavanger.
Den Schlüssel finden wir unter der Fußmatte. Unsere Vermieterin hatte uns in einem Telefonat am Mittwoch bereits mitgeteilt, dass sie ihn dort deponieren würde. Die Wohnung gefällt uns sehr gut. Sie ist modern eingerichtet und komplett ausgestattet, inklusive gratis Internetzugang. Wir packen aus und machen es uns gemütlich. Ich denke, nach gut 500 km quer durch Westnorwegen habe ich mir jetzt ein Bierchen verdient.
Abschließend kann man über diesen Tag sagen, dass der Rv13 eine wirklich empfehlenswerte Straße ist, wenn man möglichst viele Gesichter Westnorwegens kennelernen möchte. Von Fjorden und Seen über Wälder und Hochgebirge, Obstplantagen, Städten und Dörfern, Wasserfällen und ewigem Schnee ist alles dabei. Insgesamt extrem abwechslungsreich, aber manchmal auch anspruchsvoll zu fahren wegen zahlreicher quasi einspuriger Streckenabschnitte, die immer die volle Aufmerksamkeit erfordern, und vielen steilen Auf- und Abstiegen; ein Paradies für leidenschaftliche Autofahrer also …
Unsere Wohnung in Tau (im Erdgeschoss)
Nach den gestrigen schönen, aber anstrengenden 500 km, wollen wir das (immer noch) schöne Wetter heute in unserem Wohnort nutzen. Gegen 13 Uhr gehen wir los, um Tau ein wenig kennen zu lernen. Nachdem wir den Fähranleger passiert haben, müssen wir uns erst einmal ein Eis kaufen. Danach retten wir uns von Schatten zu Schatten. Es ist wirklich sehr warm.
An der das Aussehen des Ortes bestimmenden Getreidemühle Tou Mølle vorbei kommen wir zu einem alten Haus, in dem gerade ein Flohmarkt stattfindet. Es ist eine Art Gemeindehaus, das auch eine Kunstgalerie und ein Café beherbergt, in welchem für wenig Geld Kaffee und andere Getränke sowie Gebäck angeboten werden. Wir nutzen das Angebot und trinken einen Kaffee im schattigen Hof.
Flohmarkt im Gemeindehaus
Danach spazieren wir durch den angrenzenden schönen Park und anschließend wieder zurück zu unserer Wohnung, die wir fast mit einem Hitzschlag erreichen.
Wir haben einen Fehler gemacht. In jedem südlichen Land hätten wir die Mittagshitze selbstverständlich gemieden, aber hier in Norwegen, wo es ja angeblich immer sooo kalt ist, haben wir einfach nicht daran gedacht. Puh, ist das heiß hier!
Am Abend bestelle ich im Internet einen Platz auf der Touristenfähre durch den Lysefjord.
04.01.2012:
Fettnäpfchenführer Norwegen...
30.10.2011:
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11.04.2011:
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