Ja, ja, schon wieder Sandal. Zum vierten Mal waren wir jetzt dort und wahrscheinlich auch nicht zum letzten Mal, denn es zieht uns immer wieder an dieses schöne Fleckchen Norwegen. In diesem Jahr waren wir allerding nur eine Woche dort. Als wir im Februar gebucht haben, war nur noch ein Haus (für Stammleser: das Blåklokkehuset) für eine Woche frei.
Hier ist unser Reisebericht:
(Hinweis: die kleinen, dick umrandeten Bilder sind Thumbnails. Wenn du draufklickst, kannst du dir die große Version ansehen.)
Zur zweiten WocheDie erste WocheZur dritten Woche
Wie immer kommen wir eine halbe Stunde später los als wir wollten. Um 11.30 Uhr verlassen wir Hamburg bei Sonnenschein in der Hoffnung, dass er uns bis Norwegen treu bleiben wird. Die Wettervorhersage für Sandal hat sich in der letzten Zeit mehrmals täglich geändert. Im Gegensatz zum letzten Jahr kommen wir dieses Mal ganz ohne Stau nach Kiel und fahren pünktlich auf die Kronprins Harald. Das wird wohl unsere letzte Fahrt auf diesem Schiff sein, denn im September wird die Kronsprins Harald durch die Color Magic, das Schwesterschiff der Color Fantasy, ersetzt.
Unsere Kabine ist recht geräumig, aber man merkt ihr das Alter an. Nichtsdestotrotz scheinen die Betten sogar breiter zu sein als auf der Color Fantasy, aber der Eindruck kann täuschen. Wir essen eine Kleinigkeit in der Snackbar und schauen uns anschließend ein wenig um. Später unterqueren wir die große Beltbrücke. Als ich mich auf eine Bank stelle, um das Ereignis abzulichten, reißt mir der zu der Zeit besonders stürmisch gewordene Wind die Brille von der Nase. Sie bleibt zum Glück heil, aber eines der Kunststoffgläser hat einen leichten Schaden an der Beschichtung erlitten, der aber nicht die Sicht behindert.
Blick zurück
Unterquerung der Brücke über den Großen Belt
Am Abend gönnen wir uns ein Essen im À-la-Carte-Restaurant. Annika nimmt Hühnchen mit Currysauce, Conni und ich bestellen das Lammcarée. Dazu gibt es eine Flasche Barolo. Das Lamm ist so ziemlich das zarteste, das wir je gegessen haben. Es ist perfekt gebraten und zergeht auf der Zunge, Spitzenklasse. Auch Annika mag ihr Hühnchen und isst es mit Appetit auf. Der Wein gefällt ebenfalls; er ist ein perfekter Begleiter zum Lamm. Zum Nachtisch bestellen wir Eis, Annika eines mit Schokoladensauce, Conni und ich mit Moltebeeren. Es stellt sich heraus, dass die Moltebeeren schlecht sind, und so ändern wir unsere Bestellung auf Erdbeeren mit Sahne für Conni und Creme Karamell mit Cognacsahne für mich, beides sehr lecker. Berechnet wird uns am Schluss nur das deutlich preiswertere Eis, sehr fair. Ein rundum gelungener Abend.
Die Nacht verläuft im Prinzip ruhig, aber einige Wachphasen gibt es wegen unruhiger See doch.
Nach einem leichten Frühstück – wir sind noch von unserem gestrigen Gourmet-Menü gesättigt – fahren wir gegen 9.45 Uhr von der Fähre. Es ist heiter bis wolkig bei ca. 17°C. Annika hat entschieden, dass wir wieder dieselbe Strecke wie im letzten Jahr nehmen, d.h. E18 → E16 → Rv7 → Rv52 → E16 → Rv5 → E39 → Rv60 (der geneigte Leser kennt den genauen Weg bereits aus unseren Reiseberichten der letzten Jahre. Wir ersparen uns deshalb an dieser Stelle eine erneute Schilderung). Ab Gol, wo wir etwas essen, ein wenig einkaufen und dann vom Rv7 auf den Rv52 wechseln, fängt es an zu nieseln. Der leichte Regen bleibt uns erst einmal erhalten. Erst als wir ca. 10 km vor Byrkjelo sind, ist es wieder trocken.
Gegen 18.45 Uhr erreichen wir Sandalgard im Myklebustdalen. Wir werden herzlich von Aud empfangen. Bevor wir den Schlüssel zu unserem Ferienhaus in Empfang nehmen, gibt es erst einmal Tee mit frisch gebackenem Kuchen. Wir klönen ein wenig, und Aud gibt uns den Tipp, dass das Nordfjord Folkemuseum in Sandane morgen freien Eintritt mit diversen kleinen Veranstaltungen bietet. Dann fahren wir das kurze Stück zum Blåklokkehuset hinauf und richten uns ein. Es ist alles so wie beim letzten Mal, und das ist gut so. Lediglich ein älteres Sofa wurde gegen zwei bequeme Sessel ausgetauscht. Im Videotext lese ich, dass St. Pauli im DFB-Pokal Leverkusen mit 1:0 aus dem Wettbewerb geworfen hat; walk on!
Am späteren Abend lichtet sich die geschlossene Wolkendecke ein wenig, das macht Hoffnung für morgen.
Manchmal trügt die Hoffnung; es regnet. Wir lassen uns Zeit, frühstücken in aller Ruhe. Bis zum Mittag hört es nicht auf zu regnen. Wir erinnern uns an Auds Empfehlung hinsichtlich des Nordfjord Folkemuseums. Das ist zwar zum größten Teil ein Freiluftmuseum, aber wozu gibt es schließlich Regenschirme.
Kurz vor 14 Uhr sind wir am Museum, gerade rechtzeitig für ein Führung durchs Archiv des Museums. Dort, im Keller, werden die wertvollsten Exponate bei kontrolliertem Klima (ca. 12°C, die Luftfeuchtigkeit habe ich mir nicht gemerkt) aufbewahrt. Die hier lagernden Stücke umfassen die gesamte Bandbreite des Lebens am Nordfjord in den verschiedenen Epochen. Von Tabakdosen über alte Truhen und Gegenstände des täglichen Bedarfs bis zum ersten PC, den es in der Gegend gab (mit zwei gigantischen Floppy-Laufwerken). Wir düfen alles anschauen, aber nichts anfassen. Das darf nur die Kuratorin mit ihren Handschuhen. Sie lässt sich Zeit für Fragen und zeigt bereitwillig Dinge, die bei den Besuchern größeres Interesse hervorgerufen haben.
Anschließend spannen wir unsere Regenschirme auf und begeben uns in den Freiluftbereich. Wir waren schon einmal hier, und so suchen wir nicht alle Bereiche des Museums auf. Insbesondere eine Backvorführung hat es uns angetan. Auf einer Eisenplatte, die direkt auf brennenden Holzscheiten in einem Kamin liegt, werden Fladen, bestehend aus Mehl, Sauermilch und Natron gebacken. Aufgeschnitten, mit Butter bestrichen und Greitost – das ist der berühmte braune Ziegenkäse – belegt dürfen wir die Fladen probieren. Sie schmecken sehr lecker.
An einer Brücke wurde ein Troll installiert, den man mit Hilfe einer Seilwinde unter der Brücke hervorholen kann. Dazu gehören drei Holzziegen neben der Brücke. Das Ensemble stellt das Märchen des Trolls mit den drei Ziegen dar, welches man vor Ort auch lesen kann.
Drei Ziegen
Troll unter der Brücke
Nach einer Weile hören wir Musik. Wir folgen dem Klang einer Geige bis in ein Haus, in dem ein älterer Herr auf einer Hardangerfiedel (glaube ich jedenfalls, sie hat acht Saiten und Bundstege) spielt. Einige Anwesende äußern Wünsche, die der Geiger gern erfüllt und zu den Stücken jeweils noch etwas zur Geschichte oder Anekdoten erzählt. Auch wenn manche Noten etwas schief klingen, ist es sehr stimmungsvoll.
Gegen 16 Uhr schließt das Museum, und wir fahren durch den Dauerregen nach Hause. Am Abend sehe ich im Videotext, dass der HSV im DFB-Pokal 5:0 gegen Holstein Kiel gewonnen hat, standesgemäß. Später hört es endlich auf zu regnen, und der Himmel lockert auf. Sollte es morgen besseres Wetter geben? Die Hoffnung stirbt zuletzt …
Frühstück im Sonnenschein
Die Sonne scheint von einem blauen Himmel, der sich mit einigen weißen Wölkchen schmückt. Manchmal trügt die Hoffnung eben doch nicht. Das Frühstück wird spontan auf die Terrasse verlegt. Wir überlegen, was wir mit dem schönen Tag anfangen sollen. Ich schlage vor, mal wieder zum Briksdalsbreen zu fahren. Dort waren wir vor sieben Jahren zuletzt, und der berühmte Gletscherarm hatte uns trotz des Touristenrummels sehr beeindruckt. Außerdem wäre es interessant zu sehen, wie er sich im Laufe der Jahre verändert hat.
Gegen 12 Uhr kommen wir los. Wir folgen dem Rv60 über das Utvikfjellet an den Nordfjord und weiter über Utvik und Innvik bis nach Olden, wo wir in Richtung Briksdalsbreen abbiegen. Das wunderschöne Oldendalen mit dem idyllischen Oldenvatnet begleiten uns die 24 km bis zum Parkplatz am Briksdalsbreen. Wir nehmen gleich den ersten Parkplatz, der 40 NOK pro Tag kostet. Erst auf dem Weg zum Touristenzentrum, an dem der drei Kilometer lange eigentliche Weg zum Gletscher beginnt, bemerken wir, dass es noch einen näheren, größeren Parkplatz gegeben hätte. Der hätte aber 50 NOK gekostet.
Ein »Troll« für die Faulen und Fußkranken
Wie auch immer, wir machen uns auf den Weg zum Gletscher. Wir nehmen bewusst nicht den Wanderweg. Angesichts des warmen Wetter – es sind ca. 22°C, aber in der Sonne kommt es uns deutlich wärmer vor – wollen wir die Abkühlung auf der Brücke über den Wasserfall des Gletscherflusses nutzen, und das geht nur, wenn wir den Kutschenweg nehmen. Apropos Kutschen, bis vor kurzem fuhren hier noch einspännige Kutschen die Faulen und Fußkranken bis kurz vor den Gletscher. Die wurden inzwischen durch kleine, offene, motorbetriebene Fahrzeuge ersetzt. Ich hatte irgendwo etwas von Golf-Caddys gelesen und gedacht/gehofft, die Wagen würden elektrisch betrieben. Nichts da, die haben Dieselmotoren. Pfui! Das zerstört nicht nur die friedliche Atmosphäre, sondern verpestet auch die Luft. Letzteres zum Glück aber nur kurz, weil ein kräftiger Wind die Abgase schnell vetreibt.
Wir wandern also los. Es ist zwar auch an diesem Montagmittag nicht gerade leer auf dem Weg, aber überfüllt ist es glücklicherweise auch nicht. Die Sonne scheint, die Landschaft ist überwältigend schön, da stören die anderen Touris und die gelegentlich überholenden Trolle (so heißen die kleinen Truppentransporter) kaum. Nach einiger Zeit erreichen wir die Brücke, die direkt vor dem Wasserfall des Gletscherflusses eben jenen überquert und über die früher so malerisch die Kutschen zuckelten. Der Wind treibt die Gischt direkt über die Brücke, sodass jeder, der sich nicht für den etwas steileren Wanderweg entschieden hat, hier zwangsläufig geduscht wird.
Endstation für »Trolle«
Die Damen und Herren auf den Trollen erhalten deshalb Plastikcapes. Wir hingegen genießen die Abkühlung und den Regenbogen, den die Sonne aus der Gischt zaubert und der einen zeitweilig komplett zu umschließen scheint. Der Sprühregen des Wasserfalls durchnässt uns fast, aber dank der Sonne sind wir bereits kurze Zeit später wieder trocken.
Eintritt in den Jostedalsbreen Nasjonalpark
Es geht weiter auf dem breiten Weg, der sich später mit dem Wanderweg vereint, bis zur Endstation der Trolle. Ab da müssen alle, auch die Fußkranken und Faulen, noch ein Stückchen auf einem engeren Pfad weitergehen, bis der Gletschersee erreicht ist.
Natur pur: Gletscher, Berg, Wasserfall, Fluss, Bäume …
Dimension des Briksdalsbreen
Blick auf den Gletschersee des Briksdalsbreen
Regenbogen am Gletscherfluss des Briksdalsbreen
Briksdalsbreen
Gletschersee des Briksdalsbreen
Gletscherunter-suchung
Das blaue Eis den Briksdalsbreen
Uns fällt sofort auf, dass der Gletscher sich im Vergleich zu 2000 ein gewaltiges Stück zurückgezogen hat; trotzdem ist er noch immer schwer beeindruckend, wie er so majästetisch den Berg in diese Mondlandschaft hinableckt.
Wir müssen also noch einige hundert Meter am See entlang gehen, bis wir zur Absperrung kommen, an der vor dem Weitergehen bis zur Gletscherzunge gewarnt wird, worum sich jedoch kaum jemand kümmert. Eine Stunde haben wir inklusive Fotostopps bis hierher gebraucht.
Wir suchen uns erstmal einen Felsen, auf dem wir unser Matpakke verspeisen können. Beim Essen beobachten wir die kleinen Menschen vor dem gewaltigen Gletscher. Auch wenn man aus Sicherheitsgründen eigentlich nicht so nah am Gletscher sein sollte, so helfen die Menschen, die von unserem Platz aus wie Ameisen wirken, dem Gletscher eine Dimension zu geben.
Anschließend wollen Annika und ich den Gletscher etwas näher erkunden, indem auch wir uns (ausnahmsweise) über die Warnungen hinwegsetzen und über die Felsen zum Eis kraxeln. Es ist schon Ehrfurcht einflößend, so dicht am Eis des Gletschers zu stehen. Kurz berühren müssen wir es natürlich auch, ansonsten halten wir uns aber eher fern. Andere lassen weniger Vorsicht walten und fotografieren ihre kleinen Kinder, wie sie in Eishöhlen neben großen Eisbrocken stehen, die offensichtlich erst vor kurzem dort heruntergefallen sind. Wer gibt ihnen die Gewissheit, dass in der nächsten Sekunde nicht erneut Eis vom Gletscher bricht?
Nach diesem beeindruckenden Erlebnis stapfen wir wieder zurück zu Conni. Wir reißen uns vom Anblick dieser Landschaft los und gehen denselben Weg wieder zurück, den wir gekommen waren, nicht ohne uns an der Brücke wieder ordnungsgemäß duschen zu lassen. Beim gigantischen Souvenirladen kaufen wir uns ein Eis, dann geht es wieder zum Parkplatz zurück.
Von Olden aus machen wir einen Abstecher nach Stryn zum Einkaufen, dann geht es wieder zurück zu unserem Haus. Bei dem Wetter muss natürlich gegrilt werden. Es gibt marinierte Hähnchenbrustfilets.
Es ist heiter bis wolkig, aber nach unserer gestrigen Wanderung planen wir für heute nur einen kleineren Ausflug. Gegen Mittag fahren wir nach Sandane. Laut Reiseführer wird dort ein altes Fjordschiff, die Holvikejekta, ausgestellt. Nach kurzer Suche finden wir das Schiff, das in einem offenen, umzäunten Gebäude aufgebaut ist. Solche Schiffe befuhren früher die Fjorde. Die Holvikejekta ist 20 m lang und 8,6 m breit. Sie wurde 1881 gebaut und fuhr bis 1906 als letzte ihrer Art auf dem Nordfjord. Leider kann man nicht in das Boot, um das Innere zu sehen.
Das Museumsschiff Holvikejekta
Detail der Holvikejekta
Blick auf Sandane
Bei recht warmem Wetter – es sind ca. 25°C, fast schon schwül – zieht es uns bald wieder nach Hause. Zunächst müssen wir aber noch etwas für unseren heutigen Grillabend einkaufen.
Den Rest des Nachmittags verbringen wir damit, mit dem kurz zuvor in Sandane erstandenen Set Softball zu spielen. Am Abend grillen wir uns Lachsfilets in Limonen-Honig-Marinade. Dazu gibt es in der Glut gegarte Backkartoffeln.
Angesichts des stark bewölkten Wetters beschließen wir, heute unseren alljährlichen Shoppingtag einzulegen. Wir fahren zunächst an den Nordfjord nach Innvik, wo wir beim Skogstad-Fabrikverkauf einen Fleece-Pullover und eine gefütterte Jacke (der nächste Winter kommt bestimmt) für Annika sowie ein T-Shirt für Nichte Wiebke erstehen.
Dann geht es weiter – immer an Nordfjord entlang – nach Stryn. Dort schauen wir uns im »Moods of Norway«-Shop an der Hauptstraße um. Aber auch in diesem Jahr werden wir trotz zahlreicher Angebote nicht so recht fündig. Die Sachen sind für unseren Geschmack dann doch ein wenig arg poppig. Für hippe Teens und Twens ist der Laden aber sicherlich ein Eldorado. Als wir aus dem Laden kommen und zufällig in die nächste Querstraße schauen, erblicken wir einen weiteren »Moods of Norway«-Laden. Es ist ein sogenannter »Flagship Store«. Hier ist alles viel edler, cooler und aufgeräumter. Nach einigem Stöbern werden wir fündig und erstehen ein T-Shirt für Annika und ein Polo-Shirt für mich. Beides Sonderangebote; die Normalpreise sind ziemlich happig.
Ungewohnter Anblick: Der Nordfjord unter Wolken
Da wir noch keine Lust haben wieder nach Hause zu fahren, entschließen wir uns, einen Umweg über die Nordseite des Nordfjords, die Nordsida mit dem Panoramavegen, zu machen. Wir waren schon öfter dort, bislang allerdings immer bei Sonnenschein. So schlängeln wir uns also den Rv613 hoch bis zum berühmten Aussichtspunkt, von dem aus man viele Kilometer land den Nordfjord entlang und auch die steile Felsflanke hinab sehen kann. Der Ausblick ist immer noch beeindruckend, aber schon irgendwie komisch, zumindest aber aber ungewohnt, bei geschlossener Wolkendecke. Wir fahren weiter auf dem Rv613 nach Lote (auf dem Weg fängt es an zu regnen), wo wir mit der Fähre nach Anda übersetzen. In Sandane kaufen wir noch etwas ein, dann geht es nach Hause.
Angesichts des schlechten Wetters sagen wir die für heute Abend geplante Wanderung mit Aud zu einer kleinen, historischen Hütte beim Breimsvatnet ab und verschieben sie auf morgen. Dann soll das Wetter wieder besser werden. Gegen 22.15 Uhr mache ich noch einen kleinen Spaziergang, um ein paar Fotos vom wolkenverhangenen Sandalsvatnet zu machen.
Heute ist es wieder bewölkt, aber immerhin trocken. Am Vormittag spielen wir ein wenig Softball, bevor wir gegen 13 Uhr Aud abholen. Wir wollen heute den eigentlich für gestern vorgesehenen Ausflug zu einer alten Hütte nachholen, die auf einem Grundstück liegt, das Josteins Bruder gehört, und die Aud und Jostein restauriert haben.
Alte, »verwunschene« Hütte
Wir fahren die E39 in Richtung Sandane. Kurz hinter Reed, wo die Straße am Breimsvatnet entlang führt, biegen wir rechts auf einen kleinen Waldparkplatz ein. Wir stapfen los, und Aud macht uns mit der Geschichte dieses Waldstücks vertraut. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts wurden hier Platten aus den Felsen gebrochen und bearbeitet. Die meisten dieser Platten wurden zu Dachplatten verarbeitet. Viele Dächer in der Gegend wurden früher mit Steinplatten gedeckt. Nach kurzem Aufstieg sehen wir dann auch die Zeugen dieser Zeit: Steinplatten, Werkzeug, Anlagen und verlassene Hütten der Arbeiter, ja sogar ein alter Schuh ist zu entdecken. Noch sind wir aber nicht bei der Hütte, zu der wir eigentlich wollen. Aud ist mit uns einen kleinen Umweg gegangen, um uns die Relikte aus vergangener Zeit zu zeigen.
Riesiger Pilz
Dachsteinplatte
Stillleben mit Pilz
Arbeiterhütte von innen
Weiter geht es auf weichem Moos, wir sehen Pilze, Preiselbeeren, Sauerampfer und jede Menge Blaubeeren, an denen wir uns reichlich bedienen. Dann erreichen wir die kleine Arbeiterhütte, die Aud und Jostein blitzblank renoviert haben. Sie ist offen für jedermann, Aud wollte das so. Das Nordfjord Folkemuseum ist davon gar nicht so begeistert, weil historische Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände (auf die das Museum eh scharf war, die es aber nicht bekommen hat) abhanden kommen könnten.
Schön ist es hier oben mit Blick auf das Breimsvatnet, und es fällt nicht leicht sich vorzustellen, dass hier früher schwer körperlich gearbeitet wurde. Wir setzen uns etwas abseits auf einen Felsen, trinken Kaffee und verspeisen die Sveler (aufgerollte, mit Griesbrei und Rosinen gefüllte Pfannkuchen), die Aud für uns gemacht hat. Sehr lecker!
Dann gehen wir auf direktem Weg wieder zurück zum Auto. Das dauert nur 20 Minuten. Auf dem Rückweg machen wir einen Umweg über die Høygardane, die höher gelegenen Höfe, und Aud kann zu fast jedem Haus etwas über die Bewohner erzählen. Es ist immer wieder schön, diese Details zu Geschichte und Gegenwart dieses schönen Fleckchens Erde zu erfahren, von denen man ohne Kontakt zu Einheimischen nie etwas hören würde (auch wenn die Landschaft dann natürlich immer noch genau so beeindruckend schön wäre).
Im letzten Jahr waren wir schon einmal auf der Alm Støyvastøylen im Utvikfjellet, und wir waren so begeistert von den bunten Häuschen in der grandiosen Landschaft, dass wir uns geschworen haben, dass wir auf jeden Fall wiederkommen. Heute ist es soweit. Das Wetter ist sonnig mit weißen Wolken am blauen Himmel, perfekt für eine kleine Wanderung und ideal für schöne Fotos.
Auf dem Weg zur Støyvastøylen: Blick zurück aufs Breimsvatnet
Wegmarkierung auf dem Weg zur Støyvastøylen
Kurz vor Erreichen der Hochebene
Am Vormittag fahren wir die paar Kilometer hinauf ins Utvikfjellet auf ca. 600 m über dem Meer. Bei einem Parkplatz beginnt der 2,2 km lange Pfad, den wir gegen 12 Uhr betreten. Es geht stetig bergauf, mal steiler, mal weniger steil, aber es gibt nur eine Richtung: nach oben. Das ist recht anstrengend, zumal wir schnell aus der Baumzone heraus kommen und die Sonne uns kräftig auf die Rücken brennt, aber wir wissen ja, was uns oben erwartet. Immer wieder halten wir kurz inne, um zu verschnaufen und den Blick ins Tal zum Breimsvatnet zu genießen. Nachdem wir hier im letzen Jahr recht viele, zumeist noch unreife Moltebeeren gefunden hatten, hoffen wir in diesem Jahr auf reiche Ernte, weil wir etwas später hier sind, aber wir werden enttäuscht. Wir finden nicht eine einzige.
Wollgras am Wegesrand
Bergseen bei der Støyvastøylen
Schilfbewachsener See
Wie Hühner auf der Stange: Die Häuser der Støyvastøylen
Bergsee
Nach ca. 45 Minuten haben wir den steilen Teil überwunden, jetzt geht es auf einer Hochebene weiter. Nach insgesamt einer Stunde (inklusive Pausen) erreichen wir die Støyvastøylen. Noch ist nicht viel los, die meisten Hütten sind leer, aber das wird sich sicher bald ändern. Die meisten Häuschen werden heutzutage als Freizeithütten genutzt, und es ist Freitagmittag. Wir lassen uns auf einem Felsen nieder, packen erst einmal unsere Butterbrote aus und lassen es uns beim Blick über die Bergseen im Vordergrund und hohe Berge mit Gletschern im Hintergrund gut gehen. Herrlich …
Im letzten Jahr hatten wir an dieser Stelle kehrt gemacht und waren zurückgegangen. Dieses Mal wollen wir noch etwas weiter gehen. Den Rucksack mit dem Proviant lassen wir zurück; ein Diebstahl ist nicht zu erwarten. Wir stapfen den Pfad weiter am ersten kleinen See entlang, ein Idyll mit Schilf, den kleinen Häuschen der Støyvastøylen beim Blick zurück, den umliegenden Bergen. Annika findet zwei kleine Frösche. Nachdem wir den zweiten, kleineren See passiert haben, kommen wir der Kante der Hochebene näher. Eine Hütte mit grandioser Aussicht fällt uns auf. Wem die wohl gehört?
Nach einiger Zeit wollen Conni und Annika zurück zum Rucksack. Ich bleibe noch ein wenig, um die Landschaft einzusaugen und zu fotografieren. Ich gehe noch ein Stück näher an die (nicht allzu steile) Kante. Von hier hat man einen Panoramablick auf zwei Täler, links das Myklebustdalen mit dem See Sandalsvatnet (irgendwo da unten muss unser Ferienhäuschen liegen) und rechts das Våtedalen mit dem Berg Eggenipa.
Panoramablick auf Myklebustdalen (links) und Våtedalen (rechts) von der Ebene vor der Støyvastøylen aus. Der Berg in der Mitte heißt Vora.
Ich kann mich kaum losreißen, gehe mal hier, mal dort hin, um einen noch besseren Blickwinkel zu finden. Die Natur ist einfach überwältigend hier oben. Nicht nur der Blick auf die Landschaft ist fantastisch, auch jede Menge Pflanzen, die ich noch nie zuvor gesehen habe, wachsen hier. Aber einmal muss es ja sein, und Annika und Conni warten sicher schon.
Ah, das perlt …
Zurück bei der Alm sehen wir, dass jetzt schon etwas mehr Leben in die Buden gekommen ist. Die Menschen machen es sich in und vor ihren Hütten gemütlich und richten sich fürs Wochenende ein, beneidenswert.
Gegen 16 Uhr sind wir dann wieder zurück beim Auto. Auf dem Heimweg machen wir noch einen Schlenker nach Downtown Byrkjelo und kaufen Eis und Würstchen zum Grillen. Zu Hause gibt es dann erstmal ein Pils, das perlt … Am Abend findet das erste Bundesligaspiel der neuen Saison statt. Der VfB Stuttgart und Schalke 04 trennen sich 2:2.
Schade, dass heute unser letzter Tag hier in Sanddal ist. Morgen geht’s nach Røros zur Hytte von Marianns Eltern. Darauf freuen wir uns aber auch schon …
Dichter Nebel hängt heute Morgen in den Bergen. Es ist, als ob uns das Wetter den Abschied mal wieder etwas leichter machen will. Wir packen und reinigen das Blåklokkehus. Nach regem SMS-Austausch mit unserer Freundin Mariann in den letzten Tagen ist klar: Heute geht es zur Hütte ihrer Eltern nach Røros,und das ist eine ziemlich lange Stecke zu fahren. Trotzdem kommen wir erst gegen 11.30 Uhr los.
Wir nehmen zunächst den Rv60 über das Utvikfjellet und dann am Nordfjord entlang bis nach Stryn, wo wir auf den Rv15 nach Osten abbiegen. Nach dem idyllischen Strynesvatnet geht es bald steil hinauf ins Strynefjellet. Nach einigen längeren Tunnels ist der Nebel plötzlich verschwunden, und die Sonne kommt zum Vorschein. Auf einem Parkplatz am Breiddalsvatnet essen wir gegen 13.30 Uhr bei angenehmen Temperaturen im Freien.
Der Fluss Otta
Dann geht es weiter immer am Fluss Otta entlang, bis wir bei Otta auf die E6 treffen, auf die wir in Richtung Norden schwenken. Je weiter wir nach Norden kommen umso wolkiger wird es wieder. In Dombås machen wir einen kurzen Kaffeestopp, dann geht es hinauf ins Dovrefjell. Nach einiger Zeit fängt es an zu regnen. Bei Hjerkinn biegen wir nach Osten auf den Rv29 ab und folgen jetzt dem Folldalen. Bei Alvdal geht auf den Rv3 nach Norden und bei Tynset auf den Rv30 Richtung Røros. Um zur Hütte zu kommen, müssen wir noch durch Røros durch und ein Stück auf dem Rv31 weiter nach Osten und dann irgendwo im nirgendwo nach rechts abbiegen auf eine unbefestigte Straße zu einem augedehnten Hüttengebiet. Es regnet immer noch, und der Matsch verwandelt unser schwarzes Auto in ein beigegraues etwas. Nach einer Ehrenrunde wegen einer verpassten Abfahrt sind wir dann gegen 19.30 Uhr endlich glücklich bei der richtigen Hütte angekommen, wo Mariann und die Kinder uns schon erwarten. Es gibt ein herzliches Wiedersehen.
Es ist bewölkt aber trocken. Den Vormittag verbringen wir faulenzend. Wir lesen, hören Musik oder spielen, jeder wie er mag. Am frühen Nachmittag wollen wir grillen, und zwar mit einer flachen Eisenschale über offenem Feuer. Es gibt Fleisch, Würstchen und jede Menge Gemüse, sehr lecker und auch recht urig. Das Wetter lässt es immerhin zu, dass wir draußen essen können.
Rentiere
Gegen 18 Uhr brechen wir dann nach Vikhammer bei Trondheim auf. Wir wollen zu Marianns Haus. Eine Nacht könne wir dort verbringen, dann wollen wir uns ein Hotel suchen. Wir fahren auf dem Rv31 ein Stückchen Richtung Osten und wechseln dann auf den Rv705 Richtung Nordwesten. Nach einigen Kilometern hält Mariann, die voraus fährt, plötzlich an. Wir verstehen zunächst nicht, warum, und nach kurzer Zeit fahren wir weiter. Dann sehen wir der Grund: Eine kleine Herde Rentiere kreuzt die Straße! Premiere, Rentiere in freier Wildbahn haben wir bisher noch nicht gesehen. Jetzt heißt es eine Kamera finden und aus dem Auto heraus fotografieren. Annikas Kamera finden wir als erstes (meine ist im Kofferraum, wo sonst?). Wir können gerade noch einige Tiere beim Davontraben von hinten erwischen (das Foto nebenan ist eine starke Ausschnittvergrößerung). Dann ist das Schauspiel vorbei, und wir fahren weiter.
Gegen 21 Uhr kommen wir in Vikhammer an. Im Internet suchen wir nach einem Hotelzimmer, können aber partout keines finden. Alle Hotels der Gegend sind offensichtlich ausgebucht. Später fällt Mariann der Grund dafür ein: In Trondheim ist Fischereimesse. Nun denn, mal sehen, wohin es uns morgen verschlägt. Wir wollen auf jeden Fall in der Nähe bleiben, um uns auch in den nächsten Tagen noch mit Mariann und den Kindern treffen zu können.
02.01.2010:
Godt nytt år - Frohes Neues...
27.12.2009:
Spende an "Save the Children"
24.12.2009:
God Jul - Frohe Weihnachten
03.11.2009:
Lofoten-Fotos online
30.08.2009:
Lofoten-Urlaub
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Weitere Bilder gibt’s hier.