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Heute regnet es. Wir lassen uns Zeit, und so gegen 12 Uhr starten wir zu unserer heutigen Tour. Wir haben uns für das Norsk Bremuseum in Fjærland entschieden. Das Museum hatten wir 2003 schon einmal besucht, aber damals war es sehr heiß, und wir sind nicht allzu lange geblieben. Über den Rv60, die E39 und den Rv5 fahren wir nach Fjærland.
Wir sehen uns noch einmal alle Ausstellungen an, begehen das nachgebaute Innere eines Gletschers, lassen Eis durch die Gewichtskraft eines Drahtes schmelzen, verformen Eis unter Hochdruck, berechnen, wieviel Eis sich mit der in 30 Sekunden erradelten Energie schmelzen ließe und schauen uns noch einmal den wundervollen 180°-Film von der Überquerung des Jostedalsbreen zu Fuß und auf Skiern an. Außerdem gibt es schon einen Vorgeschmack auf die kommende Ausstellung zum Klimawandel.
Panoramablick mit verschiedenen Gletscherzungen des Jostedalsbreen vom Dach des Gletschermuseums in Fjærland aus
Eingang zur Mundal Kyrkje
Blick ins Supphelledalen
Innenraum der Kirche von Mundal
Antiquariat in der Buchstadt (Bokby) Mundal
Das Örtchen Mundal am Ende des Fjærlandsfjorden
Spiegelung bei Byrkjelo
Nachdem wir uns satt gesehen und noch einige Fotos vom Dach des Museums gemacht haben, fahren wir noch das kleine Stückchem weiter bis nach Mundal. Auch in dieser Bokby (Bücherstadt) sind wir bereits vor drei Jahren einmal gewesen. Allerdings war es damals bereits kurz vor Toreschluss, sodass wir in den in alten Häusern, Garagen und Scheunen ausgestellten 150.000 Büchern nicht mehr lange stöbern konnten.
Jetzt haben wir mehr Zeit und das Wetter hat sich auch etwas gebessert, es ist zumindest trocken. Wir schlendern durch das Städtchen, schauen uns die Kirche sowie das Mundal Hotell an, das auch in Jostein Gaarders »Bibi Bokkens magische Bibliothek« Erwähnung findet (sagt zumindest Annika). Dann stöbern wir noch einige Zeit in den Büchern, können uns aber zu keinem Kauf durchringen.
Bücher, Bücher, Bücher …
Auf dem Rückweg wartet ein spiegelglatter See kurz vor Byrkjelo darauf, dass ich ihn ablichte. Als wir wieder in unserem Ferienhaus sind, werden wir gegen 20.15 Uhr von Aud und Jostein in ihrem 1945er offenen Ford-Jeep abgeholt (Jostein sammelt besondere, alte Autos). Sie wollen uns ihr kleines Wasserkraftwerk zeigen. Es wurde vor kurzem fertiggestellt und hat drei Eigentümer, alle aus dem Myklebust-Tal. Wir schauen uns zunächst das Innere des Maschinenhauses an. Es ist dort so laut, dass wir Gehörschutz tragen müssen. Von außen hört man fast nichts. Das Wasser fällt auf einer Strecke von 600 m 60 m hinab und kommt mit ungeheurem Druck an den Turbinen an. Wir machen noch einen kleinen Ausflug hoch zum See, aus dem das Wasser abgeleitet wird. Die Fahrt in dem offenen Jeep macht Spaß, aber langsam wird es doch etwas kalt und auf dem Rückweg nieselt es leicht. Trotzdem, ein spannender Ausflug, der zeigt, wie hier dezentral und mit geringem Eingriff in die Natur sauberer Strom erzeugt wird. Schade, dass das nicht überall möglich ist.
Die Sonne ist wieder da! Unser heutiger Ausflug wird allerdings durch den Bedarf an Lebensmitteln bestimmt. Wir beschließen, unsere Einkaufstour so zu gestalten, dass der Panoramavegen darin eine Hauptrolle bekommt.
Gegen 11 Uhr kommen wir los. Auf dem Rv60 geht es über das Utvikfjellet an den Nordfjord, dem wir für die nächsten Stunden treu bleiben werden. Bei Stryn wechseln wir auf den Rv15, und nach einigen Kilometern zweigen wir dann auf den Rv613 ab. Diese Straße führt an der Nordsida, der Nordseite des Nordfjords, entlang. Ein Teil dieser Straße bildet den Panoramavegen. Nach 2000 und 2005 sind wir nun bereits zum dritten Mal hier. Aus zwei Gründen: Zum einen sind die Strecke und die Ausblicke, die sie bietet, einfach so atemberaubend schön, dass wir immer wieder gern hierher kommen, zum anderen war der Rv613 bis vor kurzem noch eine Sackgasse, die jetzt geöffnet wurde. Seit kurzem kann man weiter am Nordfjord entlang fahren, bis die Straße bei Lote auf die E39 triff, d.h. wir können diese Tour zum ersten Mal als Rundreise fahren.
Nach ein paar Kilometern erreichen wir einen Parkplatz, wo wir kurz anhalten und uns die Beine am Sagedammen, einem historischen Sägewerk mit kleinem See, vertreten. Ein Stück weiter kommt dann der Ort, dem der Panoramavegen wohl hauptsächlich seinen Namen verdankt: der Aussichtspunkt, von dem aus man einen grandiosen Ausblick auf den Nordfjord hat. Er liegt kurz vor einem Tunnel, und wir steuern den kleinen Parkplatz davor an. Der Aussichtspunkt selbst ist eine kleine Betonfläche direkt am Abhang, nur durch einen Drahtzaun gesichert. Wenn man hier steht, dann kann man gar nicht anders, als den Fotoapparat zu zücken und zu versuchen, all die Schönheit festzuhalten. Auch wenn ich ähnliche Fotos schon zuvor gemacht habe, es muss einfach wieder sein. Tele- und Weitwinkelfotos sowie Panoramen füllen die Speicherkarte.
Nachdem wir und satt gesehen und geknipst haben, fahren wir weiter. Schließlich gelangen wir an die Stelle, an der man früher nur noch den Berg hinab zum Dorf Hopland fahren konnte, dann war Schluss. Jetzt geht die Straße weiter, aber wir entscheiden uns trotzdem, zunächst die Serpentinenstraße hinunter nach Hopland zu nehmen, denn wir erinnern uns an den kleinen Supermarkt gleich neben dem Steg am Fjord und wollen dort ein Eis schlecken. Gesagt, getan, und dann sitzen wir unter einem Sonnenschirm und genießen ein Eis, während der Fjord leise plätschert. Herrlich!
Dann fahren wir die Serpentinen wieder hoch und biegen auf die neu gebaute Straße ab. Genauer gasagt handelt es sich um ein Verbindungsstück, das uns nach Lote bringt, dem kleinen Fährhafen, von dem aus man über den Nordfjord nach Anda kommt. Dort treffen wir wieder auf die E39, der wir bis Nordfjordeid folgen. In der kleinen Stadt gehen wir in dem neuen Einkaufszentrum direkt am Fjord bummeln und einkaufen. Dem auf der anderen Seite der Straße liegenden alten, kleineren Einkaufszentrum scheint die neue Konkurrenz nicht so gut zu bekommen. Einige der Läden stehen bereits leer. In dem dortigen Imbiss setzen wir uns auf den Balkon und trinken einen Cafè macchiato.
Zurück geht’s wieder über die E39 nach Lote, wo wir die Fähre nach Anda nehmen und weiter nach Sandane fahren. Dort wird noch einmal kräftig eingekauft, dann fahren wir nach Hause zurück, wo wir gegen 18 Uhr ankommen. Zum Abendessen grillen wir uns Lachs. Oberlecker!
Gegen 22.30 Uhr mache ich noch eine kleine Fototour. Der Sonnenuntergang färbt die Wolken rot, und über dem Sandalsvatnet spannt sich ein Regenbogen von einem Gipfel zum anderen.
Heute wollen wir endlich einmal eine der letzten touristischen Großattraktionen in dieser Ecke des Landes abhaken. Nachdem wir bereits 2003 einen Versuch gestartet hatten (aber gescheitert waren, weil wir zu spät kamen), sind wir jetzt wild entschlossen, mit der Flåmsbana zu fahren. Einerseits soll die Fahrt sehr schön sein, andererseits wird es – das ist uns wohl bewusst – eine Touriveranstaltung werden, wie man sie aus Norwegen sonst nicht kennt. Egal, heute soll es sein …
Auf der Fähre über den Sognefjord
Es führen mehrere Wege nach Flåm, ein kurzer teurer und ein langer preiswerter. Wir entscheiden uns für eine Rundtour und wählen den kürzeren aber teureren Weg für den Hinweg, damit wir auf keinen Fall, wie damals 2003, die letzte Bahn verpassen. Bei leicht bewölktem Wetter fahren wir gegen 10.30 Uhr los. Wir folgen dem Rv60 nach Byrkjelo, wo wir auf die E39 einschwenken, der wir bis nach Skei treu bleiben. Dort geht es dann auf dem Rv5 weiter. Bei Fjærland müssen wir erst einmal wieder 160 NOK berappen, um durch die kommenden Tunnel fahren zu dürfen. Die anschließende Fähre über den Sognefjord von Manheller nach Fodnes schlägt mit weiteren 144 NOK (inkl. Maut für nachfolgenden Tunnel) zu Buche. Noch ein Stückchen geht es weiter auf dem Rv5, bis wir dann bei Lærdal auf die E16 wechseln.
Nach kurzer Zeit kommen wir dann zu unserer ersten Premiere, dem Lærdalstunnel. Schnell noch das Schild mit der Längenangabe aus dem fahrenden Auto geknipst, dann tauchen wir ein in den mit 24,5 km längsten Straßentunnel der Welt. Abgesehen von den orangefarben und blau angestrahlten Grotten, die alle 6 km als Abwechslung für den Fahrer eingebaut wurden, fährt es sich eigentlich wie durch jeden anderen halbwegs modernen Tunnel in Norwegen, nur länger halt. Am Ende des Tunnels biegen wir, unserem Richtungssinn folgend, zunächst falsch ab. Nach einigen Kilometern bemerken wir aber unseren Irrtum, drehen (schade, war eigentlich ’ne ganz schöne Strecke) und fahren dann endgültig über Aurland nach Flåm.
Einfahrt in den Lærdalstunnel
Eine der drei Grotten im Lærdalstunnel (etwas verwackelt)
Gegen 12.45 Uhr sind wir da. Auf den gigantischen Parkplätzen suchen wir ein Plätzchen für unser Gefährt. Unglaublich: mitten im beschaulichen Norwegen, wo man manchmal über ’zig Kilometer keiner Menschenseele begegnet, herrscht ein Rummel wie bei Disneyland. Nun denn, wir schlagen uns erst einmal zum Ticketverkauf durch. Für 650 NOK erstehen wir eine Familienkarte. Nicht gerade ein Schnäppchen, aber die Einzeltickets für zwei Erwachsene (je 275 NOK) und ein Kind (170 NOK) wären mit 720 NOK noch teurer gewesen.
Kreuzfahrtschiff in Flåm
Bis zur Abfahrt ist noch Zeit. Deshalb schauen wir uns erst einmal um. Es hat sich einiges verändert, seit wir das letzte Mal hier waren. Es gibt jetzt Factory Outlets, noch mehr und größere Souvenirläden und neue Restaurants. Am Anleger liegt ein riesiges Kreuzfahrtschiff. Wir gehen zunächst auf die Wiese am Fjord und genießen die Aussicht auf den Aurlandsfjord und das Schiff. Hier ist kaum ein Mensch. Anschließend schauen wir uns noch die neuen Läden an, können uns aber zu keinem Kauf entschließen.
Dann wird es Zeit, sich in die Schlange zum Einsteigen in die Flåmsbana einzureihen. Wir haben die Abfahrt um 14.50 Uhr gebucht. Zwischen Touristen aus aller Herren Länder warten wir auf Einlass. Kurze Zeit später haben wir ein paar Sitzplätze ergattert, es kann losgehen. Über Lautsprecher werden wir in norwegischer, englischer und deutscher Sprache über allerlei Wissenswertes über den Bau und die Geschichte der Flåmsbana sowie die vorbeiziehenden Orte und Landschaften informiert. Die Aussichts- und Bergseite wechseln immer mal wieder, sodass es sich empfiehlt, auf der Rückfahrt die Seite zu wechseln.
Die beeindruckende Landschaft zieht bei heiter bis wolkigem Wetter an uns vorbei, hier und da hält der Zug, aber es steigen nur wenige Passagiere ein oder aus. Auch wenn die Flåmsbana (eigentlich) ein normaler Zug ist, der Reisende von A nach B bringt, die meisten Mitfahrer sind Touristen. So langsam steigen wir höher und höher. Immer wieder kommen uns auf der teilweise parallel zur Strecke verlaufenden Straße Fahrradfahrer entgegen. Die Abfahrt von Myrdal nach Flåm scheint sehr beliebt zu sein. Auch in unserem Zug reisen einige Fahrräder mit hinauf. Plötzlich hält der Zug auf offener Strecke an. Die Stimme aus dem Lautsprecher erklärt, dass wir uns auf dem einzigen zweigleisigen Abschnitt der Strecke befinden und darauf warten, dass der herabfahrende Zug an uns vorbei fährt. Auf dem weiteren Weg nach Myrdal erzählt die Stimme aus dem Off von einer geheimnisvollen Sagengestalt namens Huldra, die die Männer mit ihrem Gesang in die Berge lockt. Wir haben schon vorher von ihr gehört und ahnen, was jetzt kommt.
Warten auf Huldra
Kurz vor Myrdal
Kurze Zeit später halten wir an dem beeindruckenden Wasserfall Kjosfossen. Ein Touristenstrom ergießt sich auf den Bahnsteig, und alle versuchen, einen Platz am Geländer zu ergattern, um den Wasserfall fotografieren zu können, ich natürlich mittendrin. Dann ertönt plötzlich Musik wie aus dem Nichts und kurze Zeit später sieht man eine Gestalt auf den Felsen hin- und herlaufen. Huldra! Sie hat langes blondes Haar, trägt ein blaues Kleid und … Gummistiefel. Die Digicams piepsen und klacken was das Zeug hält, doch die meisten werden nicht viel Freude an ihren Fotos haben. Huldra ist zu weit weg und wird am Ende nur ein paar Pixel in der Landschaft ausmachen. Sie tanzt noch ein wenig malerisch vor dem rauschenden Wasserfall, dann verschwindet sie wieder und die Musik erstirbt. Alles strömt wieder zurück in die Wagons und ich überlege mir die beste Kameraeinstellung für Huldras Rückkehr auf dem Weg zurück nach Flåm.
Verkehrsschild in Myrdal
Galerien, durch die die Flåmsbana fährt
Myrdal am Ende der Flåmsbana. Oben links ein Tunnel der Bergensbahn
Bunte Häuser in Myrdal
Radler beim Bahnhof Myrdal
Weiter geht’s Richtung Myrdal. Der Zug schlängelt sich – teilweise durch Tunnels und Galerien – immer höher hinauf durch abwechslungreiche Landschaft, bis wir nach ca. einer Stunde Fahrzeit in Myrdal ankommen. Hier trifft die Flåmsbana auf die Bergensbahn, die Oslo mit Bergen verbindet. Einige Passagiere steigen aus und wir nutzen die frei gewordenen Plätze, um die Seite zu wechseln, damit wir auf der Rückfahrt die andere Seite besser sehen können. Myrdal selbst scheint nur aus einigen Häuschen zu bestehen, die zum Teil wie bunte Perlen an der Straße aufgereiht sind, sehr hübsch. Zahlreiche Fahrradfahrer beginnen hier ihre Abfahrt nach Flåm, während einige wenige total erschöpft oben ankommen, Respekt.
Dann treten wir die Rückfahrt an, genießen die immer noch schöne Aussicht, dieses Mal auf der anderen Seite. Schon bald beginnt der Lautsprecher uns wieder die Geschichte von Huldra zu erzählen, und ich bereite meine Kamera vor: Telezoom drauf und die Belichtung hochgeregelt, sonst wird die Dame vor dem Schaum des Wasserfalls zu dunkel. Als wir beim Kjosfossen ankommen, ergattere ich einen guten Platz am Geländer und warte auf die gummibestiefelte Huldra. Wie zuvor beginnt die Musik und Huldra taucht wieder aus der Unterwelt auf. Da sie zu Anfang mal hier, mal dort auftaucht, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass es sich tatsächlich um zwei Huldras handelt. Nun denn, eine davon kann ich erfolgreich ablichten, dann fahren wir weiter. Langsam bewölkt es sich immer mehr, und als wir bei Gamle Flåm, dem hübschen kleinen alten Flåm, das einige Kilometer oberhalb des heutigen Ortes Flåm liegt, ankommen, regnet es. Insgesamt haben wir aber Glück gehabt mit dem Wetter.
Flåmsbana trifft Flåmsbana
Wieder in der Basisstation trinken wir in einem der Restaurants noch einen Kaffee, bevor wir uns auf die Suche nach unserem Auto auf den riesigen Parkplätzen machen. Und, war’s schön? Ja, sehr! Die Tour ist beeindruckend, sowohl technisch als auch von der Landschaft her. Aber noch einmal werden wir das wohl so schnell nicht mehr machen. Die ganze Geschichte ist so touristisch, dass sie eigentlich gar nicht richtig zu Norwegen passt. Das halbe Kreuzfahrtschiff mit amerikanischen und asiatischen Touristen war mit dabei und jede Menge Norway-in-a-Nutshell-Touristen. Naja, Touristen sind wir natürlich auch …
Gegen 17.45 Uhr begeben wir uns auf den Heimweg. Wie weiter oben bereits angedeutet, nehmen wir einen anderen, längeren Weg zurück, einerseits wegen der Abwechslung, andererseits um ein wenig Maut zu sparen. Auf der E16 fahren wir Richtung Bergen. Nach mehreren langen Tunneln kommen wir durch die Schlucht Stalheimskleiva. Dieses Mal fahren wir aber nicht hoch zum Hotel mit der Aussichtsterrasse. Bei Vinje biegen wir auf den Rv13 ab, der uns hoch ins Vikafjell führt. Es gibt teilweise heftige Schauer. Kurz bevor es wieder hinab zum Sognefjord geht, bietet sich ein schöner Ausblick, aber es ist leider zu bewölkt für schöne Fotos. Gegen 19.15 Uhr kommen wir in Vagnsnes an, wo uns die Fähre über den Sognefjord bringen soll. Doch wo sonst die Fähren praktisch immer innerhalb von 10, 15 Minuten nach Ankunft im Fährhafen fahren, müssen wir dieses Mal 40 Minuten bis 19.55 Uhr warten. Wir schauen auf das andere Ufer, das teils in Wolken, teils in der Sonne liegt.
Die Fähre geht nicht direkt nach Dragsvik, sondern macht einen Zwischenstopp in Hella. Dabei müssen alle Autos runter von der Fähre, und die, die weiter nach Dragsvik wollen, fahren anschließend – zusammen mit denen, die von Hella nach Dragsvik fahren – wieder auf die Fähre. Anschließend geht es weiter auf dem Rv13, zunächst am Fjord entlang, dann geht es steil hinauf ins Gaularfjellet. Serpentinen schwingen sich nach oben, die den Vergleich mit dem ungleich berühmteren Trollstigen nicht zu scheuen brauchen. Oben machen wir kurz Halt an einem Aussichtspunkt. Bei leichten Schauern genießen wir den Ausblick. Schade, dass das Wetter nicht so gut ist und dass es schon so spät ist. Wir wären gern länger geblieben. Aber wir haben noch Einiges vor uns, und so fahren wir weiter. Es ist wirklich schön hier oben, die Landschaft ist abwechslungsreich, Berge, Seen, Wälder, Wasserfälle. An einem See zwingt uns der wunderschöne Sonnenuntergang noch einmal die Kamera zu zücken.
Bei Moskog kommen wir wieder in bekannte Gefilde, die E39 hat uns wieder. Am abendlichen Jølstravatnet entlang fahren wir gen Heimat. Gegen 22.45 Uhr sind wir wieder in unserem Ferienhaus. Zum späten Abendbrot gibt es Reker (Garnelen), dann gehen wir ins Bett. Ein ereignisreicher Tag mit vielen neuen Eindrücken geht zu Ende.
Nachdem wir gestern einen langen, schönen, aber auch anstrengenden Tag hatten, wollen wir heute einen Ruhetag einlegen und das schöne Wetter in der Umgebung unseres Ferienhauses genießen. Wir spielen und lesen viel.
Am frühen Abend machen wir einen Spaziergang in unserer Umgebung. Wir folgen dem Weg, an dem unser Haus liegt. Nach einem verlassenen Bauernhof wird die Straße zu einem Wirtschaftsweg. Von hier oben hat man einen herrlich Blick über das Sandalsvatnet und die umliegenden Berge. Wir passieren einige Gatter, ein Schaf blickt uns neugierig durch seinen Zaun an. Nach einiger Zeit führt der Weg unter schattigen Bäumen hinab bis auf die Hauptstraße, an der unser vorheriges Ferienhaus liegt. Wir nehmen die Straße zurück bis wir wieder zu Hause sind.
2,2 km bis zur Støyvastøylen
Heute ist wieder etwas Bewegeung angesagt. Wir planen nichts Großes, aber so eine nette kleine Wanderung ist ja auch nicht zu verachten. Wir haben also Zeit, schlafen erst einmal aus und frühstücken in Ruhe. Gegen 11.30 Uhr fahren wir dann auf dem Rv60 hoch ins Utvikfjellet. Conni hatte hier oben Schilder, die auf Wanderwege hindeuten, gesehen. Nach wenigen Minuten sind wir da. Tatsächlich deutet ein Schild am Parkplatz (gegenüber des asphaltierten Hauptparkplatzes) auf einen Weg zur 2,2 km entfernten Alm Støyvastøylen hin. Das klingt nach einem kurzen Vergnügen, aber wir lassen uns beim Wandern meistens viel Zeit, machen gern und häufig Pausen, sodass es schon ein paar Stündchen dauern wird, bis wir wieder zurück sind, zumal der Weg erst einmal steil berauf zu gehen scheint.
Bei schönstem Wetter – strahlend blauer Himmel mit ein paar dekorativen, kleinen, weißen Wölkchen – stapfen wir los. Es geht tatsächlich ziemlich steil los, und so bleibt es auch eine ganze Weile. Nicht dass wir richtig klettern müssen, aber wie eine steile Treppe ist der Weg an vielen Stellen schon. In dieser Höhe – das Utvikfjellet ist beim Parkplatz ca. 600 m hoch, und wir steigen beständig höher – werden die Bäume schon weniger, und so kann uns die Sonne immer schön auf den Rücken scheinen, was uns den Aufstieg nicht gerade erleichtert. Dafür entschädigt aber der mit jedem Höhenmeter spektakulärer werdende Panoramablick.
Nach einiger Zeit wird der Pfad weniger Steil und in den rechts und links vom Weg liegenden Wiesen sehen wir einige Moltebeeren. Das macht uns neugierig, und wir durchkämmen erst einmal das Gelände auf der Suche nach reifen Moltebeeren. Moltebeersträuche gibt es hier jede Menge, aber nur wenige Beeren sind bereits reif. Wir pflücken und essen ein Weilchen, dann geht es weiter. Wir erreichen eine Hochebene, auf der es jetzt weniger steil weiter geht. Der Blick ist immer noch grandios. Auf der einen Seite sieht man teilweise den Nordfjord tief unten in der Sonne blitzen, auf der anderen Seite erheben sich hohe, zum Teil mit Gletschern bedeckte Berge. Nach einiger Zeit kommt die Alm in Sicht. Wie schon die Sandalstøylen besteht auch die Støyvastøylen aus einer Ansammlung bunt gestrichener kleiner Holzhäuser, nur dass es hier mehr und etwas größere Häuser sind.
Als wir die (ehemalige) Alm erreichen, sehen wir, dass sie an einem Bergsee liegt. Der Blick ist einfach fantastisch: die bunten Hütten, der mit Schilf umstandene See, die gletscherbedeckten Berge im Hintergrund, und das alles bei Sonnenschein und blauem Himmel. Wir setzen uns auf einen großen Stein, machen ein kleines Picknick und genießen die Aussicht. Man merkt, dass Freitagnachmittag ist. Nach und nach kommen die Hüttenbesitzer und beziehen ihre kleinen Häuschen für das Wochenende. Ein perfekter Platz um die Seele baumeln zu lassen.
Wenn wir hier noch weiter wandern würden, kämen wir zur Sandalstøylen und von da aus zu unserem Ferienhaus, aber wer holt dann unser Auto? Irgendwann müssen wir uns also losreißen und den Rückweg antreten. Für den Hinweg haben wir inklusive aller Pausen zwei Stunden benötigt. Irgendwie kommt uns die Strecke länger als 2,2 km vor, aber vielleicht liegt das auch einfach an dem steilen Aufstieg zu Beginn der Tour. Der Rückweg ist naturgemäß weniger anstrengend. Zwischendurch sammeln wir wieder einige Moltebeeren. Nach 1,5 Stunden sind wir wieder unten bei unserem Auto.
Auf dem Rückweg machen noch einen Abstecher nach Sandane zum Einkaufen. Zu Hause gibt es dann mariniertes Schweinefilet vom Grill. Das war unser letzter Tag in Sandal, aber wir haben das Gefühl, wir müssen noch einmal wieder kommen … Es gibt immer noch neue Ecken zu entdecken und bekannte wieder zu entdecken. Morgen geht es nach Trondheim zu unseren Freunden. Darauf freuen wir uns auch schon.
Heute geht unsere Zeit in Sandal zu Ende. Bei leicht bewölktem Wetter stehen wir auf. Dann heißt es packen und putzen. Gegen 10.30 Uhr kommen wir los in Richtung Trondheim. Auf dem Rv60 fahren wir am Nordfjord entlang nach Stryn, wo wir auf den Rv15 Richtung Osten wechseln. Nach einiger Zeit geht es hoch ins Strynefjell.
Beim Abzweig zum Rv63, der nach Geiranger führen würde, machen wir eine Pause am Langvatnet. Eine gigantische Felswand ragt hinter dem See auf. Aus einer Tunnelöffnung spuckt der Berg dann und wann ein Auto aus, das klein wie Spielzeug wirkt. Auch wir sind eben noch aus diesem Loch herausgekrochen.
Nach der Pause geht es weiter auf dem Rv15. Zwischen Lom und Vågå erreichen wir den Straßenabschnitt, von dem wir in den letzten Tagen im Fernsehen gehört und in der Zeitung gelesen haben. Hier hat vor einigen Tagen ein starker Regen eine Steinlawine ausgelöst, die einen Teil der Straße mit sich gerissen hat. Im Wechsel wird der Verkehr einspurig an der Abbruchkante vorbei geführt. Sieht schon beängstigend aus. Ein Glück, dass hier nichts passiert ist.
Inzwischen wird das Wetter immer schöner und vor allem wärmer. Bis zu 28°C misst das Autothermometer. Bei Otta erreichen wir die E6, der wir nach Norden folgen. Wir wollen uns mit unserer Freundin Mariann, ihrer Schwester und den insgesamt vier Kindern in einem Egon-Restaurant in Trondheims Innenstadt treffen. Wir nehmen also nicht wie sonst die Umgehung, sondern fahren direkt nach Trondheim. Wir zücken schon mal das Portemonnaie, um die City-Maut zu bezahlen, aber es ist weit und breit keine Mautstation zu sehen, und plötzlich sind wir in der Stadt, ohne Maut. Wie wir später erfahren, wurde der Mautring um Trondheim abgeschafft.
Olavsfestdagene in Trondheim
Pünktlich um 19 Uhr sind wir dann bei Egon. Es ist bewölkt aber warm und so sitzen wir draußen und essen Pizza. Im Rahmen der gerade stattfindenden Olavsfestdagene wollen wir am Abend noch einem Open-Air-Konzert von außen beiwohnen. Die sogenannten »Gitarguttene« (Gitarrenjungs), bestehend aus Espen Lind, Kurt Nilsen, Askil Holm und Alejandro Fuentes, geben sich die Ehre. Gegen 22 Uhr stehen wir neben dem abgesperrten Konzertgelände und lauschen den Jungs, die eine Menge ziemlich guter Songs spielen, während die Kinder auf dem Kantstein hocken und Karten spielen. Um Mitternacht gibt es noch ein beeindruckendes Feuerwerk als Abschluss der Olavsfestdagene. Dann fahren wir zu Marianns Haus in Vikhammer. Wie üblich werden die Schilderungen der nächsten Tage wieder etwas kürzer ausfallen, weil es sich zumeist um private Dinge handelt.
Es ist sonnig und warm. Wir ruhen uns aus, lesen, essen. Am Nachmittag fahren wir nach Trondheim und schauen uns im Kino »Pirates of the Carribean – Dead Man's Chest« an. Wie in Norwegen üblich wird der Film in Originalfassung mit norwegischen Untertiteln gezeigt.
02.01.2010:
Godt nytt år - Frohes Neues...
27.12.2009:
Spende an "Save the Children"
24.12.2009:
God Jul - Frohe Weihnachten
03.11.2009:
Lofoten-Fotos online
30.08.2009:
Lofoten-Urlaub
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