Premiere: zum ersten Mal fahren wir an einen Ort, an dem wir schon einmal Urlaub gemacht haben, nämlich Vats bei Ål in Buskerud. Wir haben das Angebot unseres letztjährigen Vermieters angenommen und sein »Parallelhaus« gemietet, d.h. gleiche Ausstattung, aber geringere Miete als das Novasolhaus aus dem letzten Winter. Hier ist unser Reisebericht:
(Hinweis: die kleinen, dick umrandeten Bilder sind Thumbnails. Wenn du draufklickst, kannst du dir die große Version ansehen.)
Pünktlich um 17 Uhr fahren wir in Hamburg los. Durch eine Mischung von Sonnenschein und heftigen Schneeschauern geht es auf der A7 und der A215 nach Kiel, wo wir gegen 18.15 Uhr den Schwedenkai der Stena Line erreichen.
Die Stena Germanica erwartet uns schon, und nachdem wir es uns in unserer Kabine gemütlich gemacht und eine kleine Shoppingtour durch den Tax Free Shop gemacht haben, wird um 21 Uhr das Skandinavische Büfett geentert. Eine Gruppe norwegischer Jugendlicher nutzt die im Preis inbegriffenen Tischweine und das Bier für einen kleinen Wettbewerb im Schnell- und Vieltrinken. Die Nacht verläuft trotzdem ruhig …
Nach einem Frühstücksbuffet mit Blick auf die Göteborg vorgelagerten Schären erreicht die Fähre pünktlich den Hafen, und um 9.15 Uhr beginnen wir die Fahrt zu unserem ca. 700 km entfernt liegenden Ferienhaus auf der E6 Richtung Oslo.
Bei Temperaturen zwischen −3 und −5°C verläuft die Reise bei meist sonnigem Wetter ohne besondere Vorkommnisse. An der Grenze zu Norwegen ziehen wir uns Norwegische Kronen aus dem Automaten und bewundern die elegant geschwungene neue Brücke über den Svinesund. Schade, dass sie noch nicht eröffnet wurde.
Nach einem Mittagessen im By the Way Rygge Vest geht es weiter. Kurz vor Oslo wechseln wir auf die E18 Richtung Drammen und in Oslo dann auf die E16 Richtung Bergen. Als wir bei strahlendem Sonnenschein den Holsfjorden, einen Ausläufer des Tyrifjorden erreichen, beginnt der Norwegenurlaub erst richtig. Bei Hønefoss wechseln wir auf den Rv7. In Gol wird im örtlichen Rema 1000 noch schnell etwas fürs Wochenende eingekauft und kurz vor Ål geht es rechts ab Richtung Vats. Wir kennen die Strecke schon vom letzten Jahr.
Bislang lag entlang unseres Weges recht wenig Schnee und die Temperaturen lagen teilweise beim Gefrierpunkt. Das ändert sich jetzt mit jedem Höhenmeter, und als wir unser Ferienhaus kurz vor 18 Uhr erreichen, ist die Landschaft auf ca. 800 m Höhe tief verschneit, und die Temperatur ist auf −10°C gesunken.
Der Schlüssel steckt, die Heizungen laufen auf vollen Touren, und im Kaminofen ist das Holz bereits aufgeschichtet. Ein sehr netter Empfang. Wir fühlen uns sofort wohl und verbringen den Abend größtenteils damit, uns einzurichten. Als wir ins Bett gehen, zeigt das Thermometer −17°C und es ist sternenklar.
Über Nacht hat es angefangen zu schneien. Es ist nicht mehr ganz so eisig kalt wie am Abend zuvor, dafür aber leider alles grau in grau bei leichtem Schneegrieseln. Trotzdem wollen wir uns heute unsere Skier ausleihen. Also fahren wir gegen 11.30 Uhr die kurze Strecke zum Skarslia Skisenter hinauf. Dort angekommen müssen wir erst einmal einen kleinen Spaziergang einlegen, weil der Skiverleih erst um 12 Uhr öffnet. Die Ausleihprozedur ist schnell erledigt, und für den Nachmittag planen wir unsere erste kleine Eingewöhnungstour.
Gesagt getan, gegen 15 Uhr fahren wir zur nahe gelegenen Nordheim Fjellstove. Die hat geschlossen, aber das stört uns nicht. Wir wollen nur zur Loipe. Conni ist von einer Erkältung leicht geschwächt und beschließt zu Fuß zu gehen. Annika (9) und ich schnallen unsere Skier unter, und los geht’s. Wir nehmen die Trimløype, eine nur 2,5 km lange, aber sehr abwechslungsreiche Strecke; ideal zum Eingewöhnen. Das Langlauffeeling stellt sich schnell ein, und der Neuschnee macht die Loipe eher stumpf, was die Abfahrten für uns etwas leichter weil langsamer macht. Die Strecke bringen wir schnell hinter uns, nur Annika klagt am Schluss über Blasen an den Fersen. Also noch mal rauf zum Skarslia Skisenter, bevor es um 16 Uhr schließt, Schuhe tauschen.
Den Rest des Tages verbringen wir lesend und spielend. Am Abend hört es endlich auf zu schneien. Zu später Stunde schauen wir uns noch "Tomorrow never dies" auf NRK1 (dem einzigen Programm, das wir hier empfangen können) in Originalsprache mit norwegischen Untertiteln an.
Unsere Hytte
Blick aus unserem Wohnzimmerfenster
»Nur noch« −16°C
Strahlend blauer Himmel begrüßt uns am Morgen. Die Luft ist in der sternenklaren Nacht über der Schneefläche auf −18°C abgekühlt, aber die Landschaft sieht wie verzaubert aus, und wir freuen uns schon auf die heutige Skitour bei diesem Spitzenwetter, als wir zur Kenntnis nehmen müssen, dass die Erkältung nun Annika erwischt hat. Mit Fieber kann sie unmöglich mit, und allein lassen können wir sie natürlich auch nicht. Also sind wir zum Stubenhocken verdammt. Schade!
Um das schöne Wetter wenigstens zu einem kleinen Fotoshooting zu nutzen, fahre ich am Vormittag zum Bergsjø hinauf. Wie schon im letzten Jahr fasziniert die Landschaft durch karge Schönheit. Auf etwas über 1000 m Höhe stört kaum ein Baum den Blick auf die verschneiten Berge.
Am Nachmittag macht Conni noch einen Spaziergang, um auch noch ein wenig das schöne Wetter zu genießen. Dann folgt eine Einkaufstour nach Ål. Kurz nach unserer Rückkehr ist dann auch der Besitzer unserer Hytte da. Wir üben uns im Smalltalk und bezahlen die Miete.
Kurz nach Sonnenuntergang folgt noch ein kleiner Fotospaziergang. Annika geht es schon wieder etwas besser, und wir beschließen den Tag mit einigen Spielen und Lesen.
Torpo Stavkirke
Schnitzerei an der Torpo Stavkirke
Detail der Gol Stavkirke
Schnitzerei an der Gol Stavkirke
Wieder blauer Himmel, wieder −18°C. Annika geht es wieder gut (nur ein hartnäckiger Husten ist geblieben). Eigentlich beste Voraussetzungen für einen schönen Ferientag. Um die Rekonvaleszentin nicht gleich mit einer langen Skitour zu überanstrengen, planen wir für den Vormittag einen Ausflug zu den beiden nahe gelegenen Stabkirchen von Torpo und Gol.
Die Torpo Stavkirke ist erstaunlich klein und vergleichsweise grobschlächtig gebaut, hat aber auch ihren Charme. In unmittelbarer Nähe wurde eine typische, weiße Kirche errichtet, wie man sie in Norwegen überall antrifft. Das Ensemble präsentiert sich sehr fotogen in der Wintersonne.
Die Stabkirche von Gol kann normalerweise auch von außen nur gegen Bares besichtigt werden. Jetzt in der Nebensaison scheint sich das Kassieren aber nicht zu lohnen, und so können wir durch ein geöffnetes Tor zum Gelände der Kirche gelangen. Die Stabkirche von Gol ist weitaus größer und auch viel filigraner gebaut als die von Torpo. Wie auch schon in Torpo sind wir die einzigen Besucher, und so kann ich fotografieren, ohne dass mir ständig andere Touris durchs Bild laufen, wie das im Sommer bei den berühmteren Stabkirchen so häufig der Fall ist.
Gol Stavkirke: auch ein schöner Rücken kann entzücken
Nach einigen Einkäufen in verschiedenen Supermärkten Gols, fahren wir wieder zurück zu unserem Ferienhaus. Inzwischen haben die Temperaturen fast den Gefrierpunkt erreicht. Nach einem kleinen Imbiss brechen wir zu einer kleinen Skitour auf. Unser Startpunkt ist wiederum die Nordheim Fjellstove. Dieses Mal nehmen wir die Loipe, die dem Tal in Richtung Vassfjord folgt. Das Wetter, die klare Luft und die sehr guten Schneeverhältnisse lassen den Aufenthalt in der Loipe zu einem Genuss werden. Wir treffen kaum eine Menschenseele, nur ein paar Jugendliche benutzen die gespurte Loipe als Rennstrecke für ihre Schneescooter. Ärgerlich, zumal sie immer wieder über die Spuren fahren. An abschüssigen Stellen kann das für ungeübte Langläufer – wie wir es sind – zu Stürzen führen, da der Ski leicht aus der Spur kommen kann. Nach ca. 7 km und 2½ Stunden (inkl. Pausen) kommen wir wieder am Ausgangspunkt an. Inzwischen ist die Sonne untergegangen und die Luft wieder etwas abgekühlt. Dass es aber −9°C sind, können wir kaum glauben, aber Thermometer lügen nicht.
Wieder an der Hytte angekommen, machen wir eine unschöne Entdeckung. Wir hatten eine Tiefkühlpizza, Lachs mit Spinat, Fischstäbchen und eine Tüte Broccoli in Ermangelung eines Tiefkühlfachs in unserem Kühlschrank einfach in einer Tüte vor dem Haus abgelegt. Kalt genug ist es ja, und für ein, zwei Tage werden die Temperaturen schon ausreichend unter Null bleiben, um die Sachen frisch zu halten. Jetzt mussten wir allerdings feststellen, dass wir nicht die einzigen Liebhaber von Tiefkühlkost sind. Alle Packungen bis auf den Broccoli sind aufgerissen, der Lachs ist komplett verschwunden, von den 16 Fischstäbchen sind noch drei übrig, die Pizza ist nur leicht angeknabbert. Wir vermuten Elstern oder andere Vögel hinter der Missetat. Oder aber Trolle, wer weiß. Es wird uns jedenfalls eine Lehre sein …
Schnee …
Über Nacht hat es angefangen zu schneien. Der Welt scheint die Farbe entzogen worden zu sein. Alles ist grau in grau. Nicht gerade Skiwetter. Also wird ein Ruhetag eingelegt.
… noch mehr Schnee
Am frühen Nachmittag hört es auf zu schneien. 15 cm Neuschnee waren es schätzungsweise. Wenigstens einen kleinen Spaziergang wollen wir noch unternehmen, um die frische Luft hier oben zu nutzen. Also stapfen wir durch die Schwarzweißwelt bis wir zu der Loipe gelangen, auf der wir uns gestern noch im Langlaufen geübt haben.
Alter Bauernhof am Wegesrand
Wir spazieren ein wenig an der Loipe entlang, aber bald beginnt es wieder zu schneien und wir machen uns auf den Heimweg zu unserer Hytte, die wir nach insgesamt 1½ Stunden als halbe Schneemänner erreichen. Nach weiteren 10 cm Neuschnee hört es am Abend auf zu schneien.
Für morgen ist Oppholdsvær angesagt, will sagen, das Wetter wird es einem erlauben, sich draußen aufzuhalten. Wir hoffen, dass die Vorhersage Recht behält.
In den frühen Morgenstunden werden wir von einem merkwürdigen Rumpeln geweckt. Schnell wird klar, dass es der Schnee auf unserem Dach war, der geräuschvoll von selbigem gerutscht ist. Über Nacht ist es wärmer geworden, viel wärmer. Bis zu 6°C (plus!) zeigt das Thermometer, und als am Vormittag auch noch ein heftiger Regenschauer (!) niedergeht, beschließen wir, eine Tour nach Ål zu machen, um ein wenig einzukaufen.
Komischerweise sinkt die Temperatur auf dem Weg nach unten. In Ål haben wir dann wieder knapp unter 0°C, und alles sieht normal winterlich aus, eine inverse Wetterlage.
Wolkenverhüllte Berge am Bergsjø
Strahlend blauer Himmel überm Bergsjø
Schneemuster
Bizarre Wolken überm Bergsjø
Auf dem Heimweg
In der örtlichen Apotheke erstehen wir Nasentropfen (unser Vorrat ist aufgebraucht) sowie einen Hustenstiller für Annika und im Supermarkt eine DVD (»United« für nur 79 NOK, ein Schnäppchen!) und die Lebensmittel, die wir für den Rest des Urlaubs noch brauchen.
Auf dem Weg nach oben zu unserer Hytte fließt dann wieder das Schmelzwasser die Straße hinunter, verrückte Welt. Ganz so warm ist es allerdings nicht mehr, und so beschließen wir noch eine kleine Skitour am ca. 200 m höher gelegenen Bergsjø zu machen. Annika hat – auch wegen ihres 24-Stunden-Dauerhustens – zwar keine Lust mitzukommen, willigt aber gerne ein, zwei Stündchen allein in unserer Hytte zu bleiben.
Am Nachmittag machen Conni und ich uns also zu unserer kleinen Bergsjøtour auf. Das Wetter weiß nicht so recht, was es will. Sonne, Wolken und gelegentlicher Sprühregen wechseln sich ab. Im Großen und Ganzen ist es aber schön, und wir genießen die Tour sehr.
Zuerst geht es ein wenig auf und ab, wobei die Loipe durch den Wetterwechsel deutlich schneller geworden ist, aber wir bremsen auch schon ein wenig besser … Anschließend führt die kleine Rundloipe über den Bergsjø zurück zum Ausgangspunkt. Unterwegs bieten sich viele schöne Ausblicke und manch bizarre Wolkenformation – eine erinnert an einen Atompilz – ziehen uns in ihren Bann.
Dieselbe Tour sind wir auch schon im letzten Jahr gefahren. Dieses Mal kommt sie uns viel kürzer vor, was sicherlich daran liegt, dass wir schon wissen, wo es lang geht.
Annika hat zwar in der Nacht weniger gehustet, fühlt sich aber immer noch nicht wieder richtig wohl. Also legen wir trotz des wieder schönen Wetters einen weiteren Ruhetag ein.
Am Vormittag können wir dann ein Eichhörnchen beobachten, das sich an dem Brot, das wir auf ein Futterhäuschen vor unserem Haus gelegt haben, schadlos hält. Immer wieder kommt das putzige Tierchen zurück. Leider kann ich es nur durch die geschlossene Scheibe fotografieren (sonst würde es flüchten). Das mindert die Bildqualität zwar ein wenig, nicht aber den Spaß am Fotografieren. Auch Vögel an Meisenknödeln können wir beobachten und ablichten. Ein schönes Naturerlebnis.
Am Nachmittag bringe ich die Skier zurück, wir konnten sie leider viel zu wenig nutzen. Nach einem kleinen Spaziergang, lesen und spielen wir noch ein wenig, bevor wir dann auch schon wieder ans Packen denken müssen. Schade!
Nach dem obligatorischen Packen und der Reinigung des Hauses geht es bei schönem Wetter gegen 10 Uhr los in Richtung Göteborg. Da heute die Anreisewelle zu den Osterferien beginnt, hat uns unser Vermieter, der heute Morgen noch kurz vorbei geschaut hatte, uns vor starkem Reiseverkehr gewarnt. Tatsächlich wird der entgegen kommende Verkehr immer dichter, je näher wir an Oslo herankommen. Kurz vor Oslo ist es dann ein endlos scheinender Lindwurm von Autos, der aus der Stadt strebt.
Betrifft uns ja nicht, denken wir uns. Das stimmt auch, der Osterurlaubsverkehr betrifft uns tatsächlich nicht, doch kurz vor der Grenze nach Schweden stecken wir dann trotzdem im Stau. Es sind Tausende von Norweger, die kurz hinter der schwedischen Grenze billig einkaufen wollen. Nach einigen Kilometern Stop and Go haben wir den Stau hinter uns. Er hat uns ca. eine halbe Stunde gekostet, aber wir liegen noch recht gut in der Zeit … glauben wir, bis vor Uddevalla eine Umleitung angekündigt wird. Eine Brücke ist gesperrt, und wir müssen die Bucht, in der der Hafen von Uddevalla liegt, umrunden statt sie zu überqueren. Noch ein halbe Stunde wird von unserem Zeitpolster abgeknabbert.
Die weitere Fahrt verläuft allerdings störungsfrei, sodass wir um 18.20 Uhr in Göteborg am Fähranleger ankommen (um 18.30 Uhr hätten wir spätestens da sein sollen), wo die Stena Scandinavica dieses Mal auf uns wartet.
Das Skandinavische Büfett teilen wir uns an diesem Abend u.a. mit einer Gruppe deutscher Motorradfahrer, die von dem im Preis enthaltenen Bier und Tischwein ausgiebig Gebrauch machen, ohne dabei allerdings allzu unangenehm aufzufallen.
Das war’s dann mal wieder. Schade, schade, dass wir in diesem Jahr Pech mit Krankheiten hatten. Ausgerechnet im Urlaub! Wir wären gern noch viel öfter Ski gefahren und hätten die ausreichend vorhanden Schönwetterphasen liebend gern ausgiebiger genutzt. Nun denn, schön war’s trotzdem, und im nächsten Jahr wird es bestimmt noch schöner …
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Jürgen Wulf: Sonnenaufgang über dem Sognefjord
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