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Die Sonne ist wieder da! Am Vormittag beschließen wir, dem Nordfjord Folkemuseum noch eine Chance zu geben. Wir schwingen uns auf die E39 und sind nach kurzer Zeit da.
Eine alte Schmiede
Historische Kinderwagen
Es ist nicht gerade viel los, wir sind die einzigen Gäste. Für je 50 NOK (Kinder gratis) erhalten wir Zutritt zum Museum. Wir nehmen uns zunächst den Freilichtteil vor. Hier sind zahlreiche Häuser vergangener Jahrhunderte aus der Nordfjordgegend wieder aufgebaut worden. Viele stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die meisten sind leider geschlossen. In einigen sind jedoch Wohnräume, Werkstätten oder Stallungen rekonstruiert worden, sodass wir trotzdem einen guten Eindruck vom damaligen Leben in dieser Gegend bekommen. Das Gelände ist weitläufig und hügelig. Vom weiter oben gelegenen Bereich hat man einen sehr schönen Blick auf Sandane und den Gloppenfjorden, einem Seitenarm des Nordfjords. Später entdecken wir ein Pärchen, das sich die Häuschen ansieht. Wir sind nicht mehr allein …
Das Innere einer Almhütte
Nachdem wir alle Häuser des Freilichtmuseums gesehen haben, besuchen wir noch kurz die Ausstellung im Museumsgebäude. Hier gibt es einen Handarbeitsladen, eine Geigenbauwerkstatt, ein Boot, eine Kutsche und viele kleinere Exponate, die allesamt das damalige Leben illustrieren, zu sehen.
Jetzt steht Einkaufen auf dem Plan. Wir überqueren das Utvikfjellet und folgen dem Rv 60 bis nach Innvik zum Skogstad-Fabrikverkauf. Im Außenbereich gibt es zahlreiche Schnäppchentische und auch im Laden selbst reiht sich ein Angebot an das andere. Auch wenn das Anprobieren von dick gefütterten und regendichten Jacken in strahlendem Sonnenschein und bei sommerlicher Wärme nicht gerade leicht fällt, am Ende hat jeder von uns mindestens eine Jacke auf der Rechnung und mehrere tausend Kronen wechseln den Besitzer. Wir lassen uns ein Tax-Free-Ticket ausstellen.
Weiter im Kaufrausch statten wir auch dem Rico-Vero-Lagerverkauf in Olden, einige km weiter auf dem Rv 60, noch einen Besuch ab, wo ich drei Hemden für nur 700 NOK erstehe.
Und nun? Wir entschließen uns, noch einen Ausflug an die Nordsida, die Nordseite des Nordfjords, zu machen und die dortige Panoramastraße zum Tvinnefossen zu fahren. Hier waren wir im Jahr 2000 schon einmal. Und weil uns die Ecke damals schon so gut gefallen hatte, wollen wir auch und gerade angesichts des tollen Wetters dieses Erlebnis wiederholen.
Also fahren wir weiter auf dem Rv 60 und biegen kurz nach Stryn auf den Rv 613 ab. Die teilweise nur einspurige Straße führt immer am Fjord entlang einige 100 Meter in die Höhe. Nach einiger Zeit erreichen wir einen Parkplatz, von dem ein kurzer Pfad zu einer kleinen Aussichtsplattform führt, von der aus sich ein fantastischer Panoramablick auf den Nordfjord bietet. Fotografenherz, was willst du mehr? Ich versuche mich an einem Panorama. Das Ergebnis siehst du hier.
Nachdem wir uns sattgesehen und -geknipst haben, geht es weiter bis zu einem Abzweig, der zu dem Wasserfall Tvinnefossen führt. Wir parken an einem kleinen Sportplatz und machen uns auf den 1,5 km langen Fußweg. Der führt zunächst an einigen Bauernhöfen mit atemberaubend steilen Feldern entlang und dann weiter durch einen Wald.
Kurz vor dem eigentlichen Wasserfall ist ein kleiner Rastplatz mit einem Gästebuch und einer Schautafel aufgebaut. Wir tragen uns in das Gästebuch ein und lassen uns durch die Schautafel über die Gefahren belehren, bevor Annika und ich (Conni hat angesichts der felsigen letzten Meter keine Lust) den kurzen Weg zum Tvinnefossen über spitze Felsbrocken zurücklegen. Und schwups, sind wir hinter dem Wasserfall. Das Besondere am Tvinnefossen ist, dass man hinter ihm entlanggehen kann. Das Spritzwasser lässt uns zwar langsam durchweichen, aber bei dem schönen warmen Wetter ist das gar nicht so unerwünscht, und der Blick durch den in der Sonne glitzernden Wasserschleier ist die paar Tropfen allemal wert.
Auf dem Rückweg machen wir noch einen Einkaufsstopp in Stryn, bevor wir zu Hause – na was schon? – grillen.
Als wir am Morgen aufwachen, können wir uns wieder über schönes Wetter freuen. Im Laufe des Tages zieht es sich zwar zu, es bleibt aber trocken.
Da wir für heute keine besonderen Aktivitäten geplant haben, beschließen wir, zum ersten Mal bis zum Ende unseres Tals, dem Myklebustdalen zu fahren und die dortige Gegend zu erkunden. Laut Karte endet die Straße bald nach dem Ende des Sandalsvatnet. Die kleine Straße folgt dem Ostufer des Sandalsvatnet. Wir passieren einige Bauernhöfe, und am Ende des langgestreckten Sees gibt es sogar noch eine Ansammlung von Häusern, die man fast Dorf nennen könnte. Danach geht es noch ein, zwei Kilometer weiter, dann ist Schluss. Wir parken und gehen zu Fuß durch das Gatter, das auf einen Wanderweg führt. Gemäß Schild sind es ca. 3 km bis zur Alm Myklebuststøylen. Da wollen wir hin, denken wir uns, und stapfen los.
Der Weg ist ein Traktorweg und deshalb recht breit und wenig steil, auch wenn es beständig leicht bergauf geht. Die größte Herausforderung ist es, nicht in einen der zahlreichen Kuhfladen zu treten. Links und rechts begleiten uns hohe, schnee- und gletscherbedeckte Berge, kleine Flüsschen queren unseren Weg, ein sehr schönes, enges Tal. Schade, dass wir das erst heute, an unserem letzten Tag hier, entdecken.
Nach einiger Zeit wird das Tal etwas breiter und eine kleine Ansammlung von Holzhäuschen wird sichtbar. Das muss die Alm sein, wir sind da. Wir schauen uns ausgiebig um, immer bemüht, nicht in einen der vielen Kuhfladen zu treten. Das fotografische Leben gestaltet sich angesichts der enormen Kontraste (durch Wolken brechende Sonne – im Schatten liegende Berge) schwierig. Die Ausbeute an brauchbaren Fotos ist eher gering, trotzdem sind einige dabei, die die Schönheit dieser Gegend illustrieren.
Als wir wieder zu Hause sind, müssen wir auch schon ans Packen denken. Morgen geht’s weiter in Richtung Nordwesten.
In der Nacht hat es geregnet. Es ist relativ kalt und immer wieder gibt es Schauer. Das richtige Wetter, um das Haus zu putzen und das Auto zu packen. Heute müssen wir Abschied von Sandal nehmen. Wie üblich haben wir Probleme, bis um 10 Uhr mit allem fertig zu sein. Macht nix, meint Aud. Wir können uns Zeit lassen. Gegen 11.30 Uhr kommen wir endlich los. Nach wenigen hundert Metern kommt kommen uns Jostein und Aud entgegen. Wir halten an und verabschieden uns noch einmal herzlich, teilweise tränenreich. Wir kommen wieder, ganz bestimmt.
Wir folgen der E39 inklusive aller Fähren bis wir bei Rjåneset nach Eiksund übersetzen. Unser Ziel ist die berühmte Vogelinsel Runde. Inselhopping ist angesagt. Über teilweise hoch geschwungene, teilweise einspurige Brücken geht es auf den Straßen Rv 653 und 654 von Hareid über Gurskøya, Leinøya und Remøya nach Runde.
Dort hoffen wir auf dem örtlichen Campingplatz noch eine Hütte zu ergattern. Der Gøksøyr Campingplatz ist schon gut besetzt als wir ankommen. Sehr viele deutsche Autos, aber auch Holländer und andere Nationalitäten tummeln sich auf dem Campingplatz. Wir haben Glück und ergattern noch eine einfache, aber große und zweckmäßig eingerichtete Vierbetthütte.
Blick auf den Campingplatz Gøksøyr
Blick über Runde
Adler im Tiefflug
Adler und Papagaientaucher
Wollgras
Nachdem wir uns eingerichtet haben, machen uns auf den Weg zu den Vögeln. An der Rezeption erhalten wir eine Karte und den Tipp, dass die meisten Vögel ab 21 Uhr zu beobachten wären. Jetzt ist es ca. 19 Uhr. Wir tippeln los. Um zu den Vogelfelsen zu gelangen, muss man die Insel zu Fuß überqueren. Nach ca. 45 Minuten haben wir die Steilküste auf der anderen Inselseite erreicht. Eine steife Brise, man könnte auch Sturmböen sagen, schüttelt uns durch. Kaum angekommen, spricht uns ein Vogelfreund an: »There, eagles!« Und tatsächlich, schon kurze Zeit später sehen wir eines der majestätischen Tiere durch die Lüfte gleiten. Wenig später stellt sich heraus, dass insgesamt vier Seeadler an der Küste entlangfliegen. Ein unbeschreibliches Naturerlebnis! Natürlich versuche ich, die Adler fotografisch festzuhalten, was sich allerdings als außerordentlich schwierig erweist. Bei der Entfernung sind auch 240 mm Brennweite mit einem Bildwinkel, der 360 mm entspricht, nicht genug. Zudem ist es nicht sehr hell, und der Kontrast lässt angesichts des bewölkten Wetters auch zu wünschen übrig. Der starke, böige Wind tut ein Übriges. So haben denn die hier präsentierten Fotos mehr dokumentarischen als künstlerischen Wert, aber immerhin …
Wir gehen ein wenig die Küste auf und ab und genießen die Natur und den Ausblick. Einige Papageientaucher und Dreizehenmöwen lassen sich noch blicken. Angesichts des stürmischen und zum Teil auch regnerischen Wetters verzichten wir aber auf die Wanderung zu den klassischen Vogelfelsen und machen uns auf den Rückweg.
Möwe auf dem Terassengeländer unserer Nachbarhütte
Wir erwachen bei bewölktem Himmel und gelegentlichen Schauern. Ein Wetter, das uns den ganzen Tag lang begleiten wird. Zum Frühstück gibt es frische Brötchen, die wir am Abend zuvor bei der Rezeption des Campingplatzes vorbestellt hatten. Dann machen wir uns auf den Weg zu unserem heutigen Etappenziel: Kristiansund.
Wir folgen dem Rv654 über zahlreiche Brücken von Insel zu Insel, bis wir auf Gurskøya auf den Rv61 Richtung Hareid wechseln. Dort angekommen nehmen wir die Fähre nach Sulasundet. Kurz danach treffen wir wieder auf die E39, der wir nun wieder folgen. Ålesund lassen wir dieses Mal links liegen. Bei Furneset nehmen wir die Fähre nach Molde. Auf der Fahrt ist in der Ferne eine beeindruckende Berglandschaft zu bewundern. Wir vermuten, dass es sich um die Sunnmørsalpane handelt. Kurz nach Molde biegen wir auf den Rv64 ab. Wenn wir schon mal in der Gegend sind, dann wollen wir natürlich auch den berühmten Atlanterhavsvegen befahren.
Durch vergleichsweise unspektakuläre Küstenlandschaft erreichen wir den Atlanterhavsvegen bei leichtem Nieselregen. Es geht über mehrere Brücken, eine davon elegant geschwungen, von Inselchen zu Inselchen … tja, und das war’s dann auch schon. Vielleicht lag es an dem regnerischen Wetter, dem vielleicht zu ruhig dahinplätschernden Nordatlantik (mangelnde Dramatik), oder an der Tatsache, dass wir ähnliche Brückenfolgen kurz zuvor bereits zur Insel Runde und zurück befahren hatten, irgendwie haben wir mehr, Spektakuläreres erwartet. Nun denn, wir haken den Atlanterhavsvegen auf unserer Liste der noch zu besuchenden Touristenattraktionen ab und fahren weiter auf dem Rv64 Richtung Kristiansund. Von Bremnses aus fährt uns dann eine Fähre mitten ins Herz der Stadt. Wir suchen und finden die Touristinformation in Kristiansund. Die nette Mitarbeiterin sucht für uns nach einem preiswerten Hotel mit einem freien Dreibettzimmer. Sie empfiehlt uns das Atlanten Motell. Für 690 NOK ohne Frühstück beziehen wir ein kleines, wenig komfortables, aber sauberes Zimmer. Für eine Zwischenübernachtung ist es völlig okay. In einem Speisesaal mit Küche können wir unsere Vorräte in einem der Kühlschränke deponieren.
Am Abend wollen wir uns allerdings lieber auswärts bekochen lassen. Auf der Suche nach einem passenden Restaurant, passieren wir teure Fischrestaurants und (verhältnismäßig) billige Burgerbars. Schlussendlich landen wir bei einem italienischen Restaurant namens Toskana, das auch türkische Gerichte auf der Karte führt. Wir entscheiden uns für die türkische Variante und werden nicht enttäuscht. Das Essen ist lecker und nicht allzu teuer. Empfehlenswert.
Nach dem Frühstück im Speisesaal des Antlanten Motells fahren wir noch einmal in die Innenstadt von Kristiansund. Das Wetter ist jetzt viel schöner als gestern – heiter bis wolkig, viel besser zum Fotografieren geeignet als Nieselregen – und so mache ich alle Fotos von gestern noch einmal und noch einige mehr. Kristiansund ist sicherlich keine faszinierende Metropole, hat aber durchaus hübsche Ecken und einigen Charme zu bieten.
Heute wollen wir nach Vikhammer bei Trondheim, Freunde besuchen. Wir nehmen den Rv70 nach Süden, unterqueren den Kvernesfjorden im Freifjordtunnelen und landen an einer Mautstation. Nachdem wir 98 NOK für Auto und drei Personen bezahlt haben, dürfen wir, jetzt bereits wieder auf der E39, die elegant geschwungene Gjemnessundbrua überqueren.
Kurz nachdem wir wieder festen Boden unter den Rädern haben, treffen wir auf eine Veikirke am Wegesrand. Wir halten kurz an und schauen uns in der Kirche und ihre unmittelbaren Umgebung um. Sie ist schön gelegen, ich mach ein paar Fotos, dann fahren wir weiter.
Nach ein paar Kilometern fällt uns ein Hinweisschild in Richtung Bergen auf. Hä? Wir müssten doch eigentlich in Richtung Trondheim fahren. Wir halten bei einer Tankstelle in Batnfjordsøra und konsultieren die Karte. Tatsächlich, wir hätten kurz vor der Gjemnessundbrua links abbiegen sollen. Eine kurze Frage in der Tankstelle und wir stehen vor der Alternative zurückzufahren und noch mal die 98 NOK Maut zu berappen, oder einen Umweg von ca. zwei Stunden in Kauf zu nehmen. Wir entscheiden uns für den Umweg. Wir haben noch jede Menge Zeit, und bis Trondheim ist es nicht sonderlich weit.
Also nehmen wir den Rv666 und anschließend den Rv62. Bei Sunndalsøra bestaunen wir das große Aluminiumwerk von Norsk Hydro, das hier anscheinend mitten in die Walachei geklotzt wurde, und wechseln auf den Rv70. Ab Stortuva geht’s auf dem Rv670 weiter, und nach einer kurzen Fährüberfahrt von Rykkjem nach Kvanne fahren wir ab Surnadalsøra auf dem Rv65 weiter. Bei Fannrem haben wir dann endlich die E39 wieder, auf der wir eigentlich schon die ganze Zeit hätten fahren sollen. Kurz vor Trondheim treffen wir auf die E6, die wir bei Ranheim verlassen, um Mariann aus ihrem Laden in dem kleinen Einkaufszentrum Trægaarden abzuholen. Nach einer kurzen Einkaufstour durch einen nahen Supermarkt des Örtchens Vikhammer haben es dann endlich geschafft: wir sind zu Haus bei Freunden. Für die Dauer unseres Aufenthalts in Vikhammer werden die Reisenotizen etwas spärlicher ausfallen. Es handelt sich in erster Linie um private Erlebnisse, die nicht von allgemeinem Interesse sein dürften.
Heute ist es bewölkt, aber nicht kalt. Wir machen einen langen Spaziergang durch die Gegend um Marianns Haus. Am Abend fahren wir nach Trondheim, um meinen Geburtstag mit einem Essen in einem der vielen neuen Restaurants im Solsiden-Bezirk zu feiern. Unsere Wahl fällt auf das »Bare Blaabær«, ein gemütliches Restaurant der gemäßigten Preisklasse, in dem es leckere Burger aber auch Pizza und andere Gerichte gibt. Nach dem Essen stellt Conni fest, dass ihr Portemonnaie verschwunden ist. Alles Suchen hilft nichts, ca. 2400 NOK, der Personalausweis und auch die Maestro-Karte sind futsch. Uns bleibt nichts anderes übrig als Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Dann wird telefonisch die Karte gesperrt, damit nicht noch Schlimmeres passiert. Wieder zu Hause sprechen wir noch lang über den Vorfall und die Tatsache, dass man auch im Norden nicht mehr sicher ist, zumindest nicht in Großstädten.
Nachdem sich die Wolken verzogen haben, wird es ein schöner Tag. Wir schlafen lange, gehen spazieren, grillen. Am Abend besuchen wir Marianns Eltern in Stjørdal.
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