So langsam wird eine Tradition daraus. Auch in diesem Jahr verbringen wir eine der beiden Wochen der Frühjahrsferien in Norwegen, um uns im Skilanglauf zu versuchen. Dieses Mal ist der kleine Ort Vats bei Ål im Hallingdal am RV7 – ungefähr auf halbem Weg zwischen Oslo und Bergen – unser Ziel. Hier ist unser Reisebericht:
(Hinweis: die kleinen, dick umrandeten Bilder sind Thumbnails. Wenn du draufklickst, kannst du dir die große Version ansehen.)
Nachdem wir im letzten Jahr gute Erfahrungen mit der Fähre Kiel–Göteborg gemacht hatten, haben wir uns auch in diesem Jahr wieder eine Kabine auf dieser Strecke gesichert. Für uns liegt der größte Vorteil dieser Verbindung darin, dass wir am Freitag nach Schulschluss noch genügend Zeit zum Packen haben und dann gemütlich nach Kiel gondeln können, um eine Stunde vor Abfahrt, also um 18.30 Uhr, auf die Fähre zu fahren. Ein Nachteil gegenüber Kiel–Oslo liegt in den vier Stunden Fahrt von Göteborg nach Oslo. Das nehmen wir aber, auch angesichts des weitaus geringeren Preises, gern in Kauf.
Aber der Reihe nach: Um 17.10 Uhr kommen wir in Hamburg los. Die Sonne strahlt, und wir hoffen, dass in Norwegen auch so schönes Wetter herrscht (etwas kälter natürlich). Gegen 18.15 Uhr sind wir an der Fähre und können, wie schon im letzten Jahr, praktisch ohne Verzögerung aufs Schiff fahren.
Wir haben uns eine etwas bessere Kabinenkategorie im höchstgelegenen Kabinendeck gegönnt, in der Hoffnung, uns damit auch ein wenig Ruhe vor Trunkenbolden gekauft zu haben. Aber nix da, schon auf dem Weg zu unserer Kabine kommen wir an einer geöffneten Kabinentür vorbei, aus der lautes Gelächter, Gekicher und Gegacker dringt. Drinnen haben vier »Damen« offenbar schon vor Stunden damit begonnen, ihre Alkoholvorräte zu minimieren und sind jetzt schon ordentlich angeschickert. Na, das kann ja lustig werden, denken wir uns, zumal das nicht enden wollende Gekicher auch bei geschlossener Kabinentür noch überdeutlich zu vernehmen ist. Doch wir haben Glück. Als wir uns schlafen legen, hat der Alkohol offenbar seine Wirkung getan, und es ist Ruhe.
Nach einer zwar ruhigen aber trotzdem nicht besonders gut durchschlafenen Nacht laben wir uns am Frühstücksbuffet (bei Color Line eindeutig besser). Pünktlich um 9 Uhr kommen wir in Göteborg an, wo wir direkt auf die E6 Richtung Oslo einschwenken. Das Wetter ist recht schön, es liegt aber nur wenig Schnee in Schweden. Naja, der wird schon noch kommen. Je weiter wir nach Norden kommen, um so wolkiger wird es.
Die neue Brücke über den Svinesund
Gegen 12 Uhr passieren wir die Grenze bei Svinesund. Während einer kurzen Pause bewundern wir den Bogen der neuen Brücke über den Svinesund. Vielleicht werden wir beim nächsten Mal ja schon über diese Brücke nach Norwegen einschweben.
Zum Glück hat der Wettergott ein Einsehen, und die Wolkendecke wird zusehends dünner. Kurz vor Oslo sehen wir einen recht flotten Mercedes auf der Überholspur plötzlich abbremsen, und kurze Zeit später wissen wir warum: auf dem Mittelstreifen steht ein Polizeiwagen, über den sich eine Polizistin beugt, mit einer Laserpistole im Anschlag. Wir haben nichts zu befürchten, werden aber kurz darauf trotzdem von der Autobahn gewunken. Wir sehen bald, warum:Alkoholkontrolle. Auch hier haben wir nichts zu befürchten. Conni, die gerade fährt, scherzt mit dem Polizisten und nach kurzem Pusten ins Röhrchen, dürfen wir weiterfahren. Scheint, als wäre heute »Tag der Polizeikontrolle« in Norwegen.
Gegen 13 Uhr passieren wir Oslo, jetzt bereits auf der E18. Wir wechseln auf die E16 und ab Hønefoss geht es auf dem RV7 weiter. Langsam knurren unsere Mägen und wir halten nach einem Veikro (Rasthof) Ausschau. Bei Nesbyen werden wir fündig. Auf dem Parkplatz wird uns klar, warum wir gerade Unmengen von Menschen mit überdimensionierten Bohrern auf einem zugefrorenen Gewässer haben hantieren sehen. Ein Schild klärt uns auf, dass hier gerade die Norwegische Meisterschaft im Eisfischen stattfindet. Was es nicht alles gibt …
In dem sehr nett eingerichteten Restaurant gönnen wir uns ein paar norwegische Spezialitäten, Waffeln, Rømmegrøt und Pizza. Die Pizza lässt ziemlich lange auf sich warten und ist mit 149 NOK (ca. 18 EUR) nicht gerade ein Schnäppchen, schmeckt aber äußerst lecker und hat ungefähr Wagenradgröße, so dass sie locker für uns drei gereicht hätte.
Auf dem RV 7 geht es problemlos weiter. Die Straße ist eisfrei und trocken. Bei Gol decken wir uns in einem Rimi-Supermarkt mit dem Nötigsten für den Sonntag ein (es gibt 40% Rabatt auf alle Tiefkühlfischprodukte von Findus). Kurz vor Ål geht es dann rechts ab Richtung Vats. Diese deutlich kleinere/unbedeutendere Straße ist in Schattenbereichen immer noch vereist, so dass wir hier erstmals mit winterlichen Straßenverhältnissen in Kontakt kommen. Wir steigen auf 20 km ca. 300–400 Meter höher und befinden uns bei der Abfahrt zu unserem Häuschen auf ca. 800 Höhenmetern. Die Zufahrt ist stark vereist, und als wir erst beim zweiten Anlauf schliddernd den kleinen Hügel erklimmen können, verstehen wir, warum so viele Norweger im Winter routinemäßig die stark umstrittenen Piggdekk (Spikereifen) aufziehen. Nun denn, wir schaffen auch die nächste kleine Steigung mit unseren Winterreifen, und dann sind wir da.
Das Häuschen gefällt uns auf Anhieb sehr gut, und wir sind sicher, dass wir hier eine schöne Woche verbringen werden. Während wir unser Auto entladen, kommt der Hausbesitzer vorgefahren. Er begrüßt uns freundlich und erzählt, dass es in diesem Winter recht wenig Schnee gäbe. Für uns sind die geschätzten 80 cm mehr als ausreichend. Allerdings hat es seit längerem keinen Neuschnee mehr gegeben, so dass die Schneeoberfläche recht hart ist. Nach einem kurzen Plausch fährt unser Vermieter wieder von dannen.
Wir richten uns in unserem Häuschen ein, und am Abend weihen wir den Fernseher ein (NRK1 laut und leise, aber immerhin halbwegs schneefrei). Es gibt die norwegische Vorausscheidung zum Grand Prix de la Chanson oder Eurovision Song Contest, wie er neuerdings heißt. In der Zeitung Dagbladet wurden alle Teilnehmer bereits vorab mit Würfelaugen bewertet. Die letzte Teilnehmerin des Feldes, eine Dame aus Trinidad, die seit 1982 in Oslo wohnt, überzeugt uns am meisten. Sie hat vom Dagbladet immerhin vier Augen erhalten und wird am Ende zweite. Es gewinnt ein Jüngling, dessen Lied vom Dagbladet mit einem Würfelauge, dem zweifelhaften Titel des langweiligsten Liedes des Wettbewerbs und dem Attribut »so spannend, wie dem Gras beim Wachsen zuzuhören« bedacht wurde. Immerhin ist der Song recht Grand Prix-kompatibel. Mal sehen, wie er sich im internationalen Vergleich schlägt. Wir sind eher skeptisch …
Bei strahlendem Sonnenschein erwachen wir in unserem Ferienhaus. Unsere erste Amtshandlung, nach Duschen und Frühstück, soll das Ausleihen von Skiern sein. Wenige Kilometer gen Norden befindet sich das Skarslia Skisenter. Dort leihen wir uns Langlaufskier mit Stöcken und Schuhen. Das kostet uns für sechs Tage 340 NOK pro Erwachsenen und 260 NOK für Annika. Somit werden 940 NOK (ca. 110 €) unserer Kreditkarte belastet. Das ist rund 200 NOK günstiger als im letzten Jahr, und das Material macht einen weitaus besseren und moderneren Eindruck. Wir sind zufrieden.
Anschließend fahren wir die Straße noch ein wenig weiter, bis wir auf einem Parkplatz am Bergsjø landen. Der Bergsee befindet sich auf 1079 m Höhe und damit in diesen Breiten bereits über der Baumgrenze. Die Landschaft hier oben ist karg, aber gerade das, zusammen mit dem jungfräulichen Weiß des Schnees, macht sie fast unwirklich schön. Die Sonne taucht die Landschaft zudem in ein gleißendes Licht, und wir können nur mit Sonnenbrillen einigermaßen gut sehen. Heute am Sonntag sind tatsächlich ca. zehn Autos auf dem gebührenpflichtigen Parkplatz. Wir beschließen, auf jeden Fall wieder hierher zu kommen, um ein paar Kilometer der Landschaft auf Skiern zu genießen.
Nach dem Mittag brechen wir zu unserer ersten kleinen Skitour auf. Nicht weit von unserem Haus verläuft eine Loipe, die auf der Karte nicht sonderlich schwer aussieht. Zwei bis drei Kilometer nördlich befindet sich die Nordheim Fjellstue, von der aus man Zugang zum umfangreiche Loipensystem der Gegend hat. Auf dem dortigen Parkplatz ist das unsrige das einzige Auto. Wir schnallen uns die Skier unter die Füße und los geht’s. Wir gewöhnen uns recht schnell an den Bewegungsablauf, und schon nach kurzer Zeit können wir die Fahrt (eigentlich ist es mehr ein gemütlicher Spaziergang) genießen. Insgesamt dauert die erste Tour ca. 2,5 Stunden. Zum Schluss ist die Sonne bereits hinter den umgebenden Bergen verschwunden, und es ist recht frisch geworden. Auf der kurzen Heimfahrt bestätigt unser Autothermometer diesen Eindruck, indem es auf −6°C absinkt.
Wir freuen uns, dass alles so gut geklappt hat und auf die nächste Tour morgen, denn die Wettervorhersage ist weiterhin gut.
Brrr
Wieder strahlt die Sonne von einem fast wolkenfreien Himmel. Eine sternenklare Nacht hat das Quecksilber auf −14°C sinken lassen (als ich die Kamera soweit habe, sind es »nur« noch −13°C).
Heute ist der richtige Tag, um die geplante Bergsjø-Tour zu machen. Gegen 11 Uhr kommen wir los. Oben am Parkplatz, auf dem wir am heutigen Montag fast allein sind, zeigt unser Thermometer immerhin noch −8°C an. Die um diese Jahreszeit schon nicht mehr ganz kraftlose Sonne und die Windstille sorgen allerdings dafür, dass es sich längst nicht so kalt anfühlt.
Die Loipen unserer Gegend
Wir haben uns auf der in unserer Hytte aushängenden Loipenkarte eine nicht allzu lange Rundtour um und über den Bergsjø ausgesucht.
Zunächst geht die Loipe über ein paar Hügel und dann in einigem Abstand am See entlang. Die Aussicht und das Wetter sind fantastisch, und wir machen viele Pausen, um den Blick zu genießen und uns ein wenig zu stärken.
Am Abzweig zur Bergsjøstølen Høgfjellstue, einem der beiden Hotels am See, beschließen wir, noch ein Stückchen der geradeaus weiter geführten Loipe zu folgen, um zu sehen, wie es wohl nach dem nächsten Hügel aussieht. Durch einige Lücken in der umgebenden Bergkette kann man die dahinter liegende Landschaft erahnen. Eine leichte Wolkendecke zieht aus dieser Richtung heran.
Wir drehen um und laufen weiter auf unserer geplanten Route. Es geht bergab Richtung See und, dort angekommen, schnurgerade zur Bergsjøstølen Høgfjellstue.
1,5 km noch …
Von dort aus geht es, wiederum in gerader Linie durch glitzernden Schnee, zu unserem Ausgangspunkt dem Parkplatz beim Bergsjø Høgfjellshotell. Für die geschätzten 4 bis 5 km haben wir gut drei Stunden gebraucht, weitaus länger als jeder normale Spaziergang gedauert hätte. Spaß gemacht hat es trotzdem, und ohne die vielen Pausen wäre es nur halb so schön gewesen.
Vom Bergsjø aus fahren wir zurück und direkt weiter nach Ål. Wir müssen unsere Vorräte auffüllen. Wir sind beeindruckt: ein richtiges kleines Einkaufszentrum gibt es hier. Wir machen den dortigen Rimi-Supermarkt um ein paar Hundert Kronen reicher, dann geht’s die 23 km – mit einem Zwischenstopp an einer weißen Kirche, die sich in der untergehenden Sonne schön gegen den dunkelblauen Himmel abhebt – wieder zurück zu unserem Häuschen, wo wir den Tag ruhig ausklingen lassen.
Auch heute lässt uns die Sonne nicht im Stich. Am Morgen ist es ähnlich kalt wie gestern. Irgendwie sind wir heute nicht ganz so sportlich gestimmt. Deshalb entschließen wir uns, am Vormittag unsere Umgebung zu Fuß zu erschließen.
Gegenüber der Einfahrt zu unserem Häuschen entdecken wir eine Spur über ein Feld in Richtung der Loipe, auf der wir vorgestern unsere erste Tour gemacht hatten. Da man auf dem Weg zwischen den beiden Spuren einer präparierten Loipe sehr gut gehen kann, beschließen wir dorthin zu stapfen. Das entpuppt sich als schwieriger als gedacht, weil man bei jedem dritten Schritt bis übers Knie in den Schnee einsackt.
Schließlich haben wir es aber geschafft und genießen einen sehr schönen Spaziergang durch den Wald. Annika hat ihren Schlitten dabei, der perfekt in die Spur der Loipen passt, und so stürzt sie sich jede Abfahrt wie auf Schienen hinunter. Nachdem wir uns wieder über das Feld zurück gekämpft haben, sind wir nach ca. zwei Stunden wieder zu Hause.
Am Nachmittag wollen wir wieder auf Brettern durch die Landschaft gleiten. Zunächst kaufen wir noch ein paar Dinge in einem ca. 10–15 km entfernten COOP ein (offensichtlich unser nächster Supermarkt, da ist es bis zur Stadt Ål auch nicht mehr viel weiter). Auf dem Rückweg entdecken wir ein Hinweisschild zu einer Loipe. Die wollen wir ausprobieren, schwenken auf eine kleine Seitenstraße ein und geben nach ca. 2 km auf. Die Straße ist einfach zu glatt und das Risiko, in die Böschung oder einen Abhang hinunter zu glitschen, wird uns zu groß. Mit Piggdekk wäre das nicht passiert. Also fahren wir wieder zur Nordheim Fjellstue, von wo aus wir schon am Sonntag gestartet waren.
2 km geschafft, 0,5 km noch vor uns
Da es schon recht spät ist, um noch eine längere Tour zu machen, entscheiden wir uns für eine kleine Rundtour von 2,5 km. Sie nennt sich Trimløype, wir werden bald wissen, warum. Nach einigen gemäßigten 100 m geht es stetig bergauf. Puh, ganz schön anstrengend. Anschließend kann man sich im Abfahren üben. Da wir die Strecke noch nicht kennen und das Bremsen noch ein wenig üben müssen, nehmen wir die eine oder andere Abfahrt vorsichtshalber zu Fuß. Nach einer Stunde sind wir rum. Mittlerweile ist die Sonne untergegangen und die Temperatur wieder auf ca. −6°C gesunken. Zu Hause erwartet uns ein warmer Kamin.
Was uns am heutigen Morgen erwartet, ist eine ausgesprochene Frechheit: Wolken, ja sogar eine geschlossene Wolkendecke! Unglaublich! Okay, wir waren die letzten Tage vielleicht ein wenig vom Wetter verwöhnt, aber das geht jetzt wirklich zu weit.
Nun gut, gönnen wir uns heute einen etwas ruhigeren Tag. Da wir noch einige Dinge benötigen, machen wir am Vormittag einen Ausflug nach Ål. Bei Rimi entdecken wir eine DVD des neuen Elling-Films (Mors Elling) im Sonderangebot (199 NOK = ca. 23 €). Da können wir nicht widerstehen.
Wieder zu Hause entschließen wir uns doch noch, wenigstens eine kleine Langlauftour zu machen. Vielleicht können wir die Trimløype ja heute schon etwas besser bewältigen. Bei diesem diffusen Licht sind die Spuren der Loipe deutlich schlechter zu erkennen. Conni hat keine Lust aufs Trimmen und geht lieber zu Fuß. Annika und ich schaffen die Strecke ohne die Skier abzuschnallen. Ich mache Fortschritte bei meiner Bremstechnik, das lässt mich kühner gen Tal schliddern. Dieses Mal benötigen wir »nur« 45 min für die Strecke, immerhin …
Am Abend erholen wir uns von den Strapazen :-)
Als wir am Morgen aufwachen, geht unser erster Blick aus dem Fenster. Ah, da ist sie ja wieder, die liebe Sonne. Wir fangen sofort an zu planen. Bei dem Wetter lohnt es sich sicherlich, wieder ins Hochgebirge zu fahren. Dieses Mal soll es zum See Rødungen gehen, einem Nachbarsee des Bergsjø. Beim Frühstück kriecht eine Wolkendecke über die westlich von uns gelegene Bergkette. Als wir mit dem Frühstück fertig sind, hat die Wolkendecke den gesamten Himmel in Beschlag genommen, und es sieht aus wie gestern. Schade …
Verfallender LKW
Verfallender Bagger
Nein, kein Schwarzweißbild. Der Vassfjorden an einem wolkenverhangenen Tag.
Also wird der Rødungen kurzerhand gestrichen, und wir beschließen, eine längere Tour in unserem Tal zu unternehmen. Wir wollen den vorgestern zu Fuß erkundeten Weg über das Feld nehmen, in der Hoffnung, dass der Weg durch den Tiefschnee auf Skiern einfacher zu bewältigen sein würde. Leichter ist es schon, aber gibt dennoch Schwierigkeiten: die Skistöcke taugen nicht zum Abstützen, sie versinken einfach im Schnee. So dauert es dann doch ein Weilchen, bis wir endlich die sichere Loipe erreicht haben.
Wir laufen Richtung Vassfjorden, einem See, der einige Kilometer weiter südlich in unserem Tal liegt. Kurz bevor wir den See erreichen, kommen wir an einer gespenstisch anmutenden, offensichtlich verlassenen Baustelle vorbei. Verfallene Bagger und LKW stehen einfach so im Schnee herum. Gespenstisch.
Wir laufen noch etwas weiter bis zum See und drehen dann um. Als wir zu der Stelle kommen, wo es wieder über das Feld zurück gehen würde, beschließen wir, dass Conni und Annika die 2,5 km weiter zur Nordheim Fjellstue laufen und ich den Weg über das Feld zu unserem Haus allein gehe, den Wagen hole, zur Nordheim Fjellstue fahre und die beiden dort abhole. Gesagt, getan.
Auf dem Rückweg zu unserem Häuschen passiert es dann: wir schaffen die vereiste Steigung der kleinen Zufahrtsstraße nicht auf Anhieb, und der Wagen rutscht rückwärts gefährlich nahe an den Wegesrand. Zurückrollen, um von der Hauptstraße aus neuen Schwung zu holen, geht nicht mehr und bergauf auf dem Eis anfahren auch nicht. Nun denn, wir holen die Fußmatten heraus und stopfen sie unter die Vorderräder, ich fahre gaaaanz vorsichtig an und, schwupps, sind die Matten unter den Reifen durchgeflutscht. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, auf diese Weise voran zu kommen, mache ich einen letzten Versuch mit beiden Matten unter einem Reifen und siehe da, der Wagen lässt sich ca. einen Meter nach vorn bewegen. Das reicht, um ihn vorsichtig zurück auf die Straße rollen/rutschen zu lassen. Beim dritten Anlauf klappt es dann, den Wagen über die Steigung hinweg zu fahren und den Weg zum Haus fortzusetzen. Puh, gerade noch mal gut gegangen. Hoffentlich klappt das morgen besser.
Eine Wolkendecke mit gelegentlichen Lücken und ein leichtes Schnieseln erwartet uns heute. Am Vormittag brechen wir zu einer letzten Skitour auf. Wir starten wieder von der Nordheim Fjellstue aus. Dieses Mal in Richtung Varaldset. Hätten wir vorher auf die Karte gesehen, hätten wir gewusst, was uns erwartet: ein schier endloser Anstieg. Während unser Ausgangspunkt auf ca. 750 m liegt, befindet sich der See, zu dem diese Loipe führt auf 1001 m Höhe. Der Wind bläst heute etwas schärfer (sonst war es fast windstill) und die −5°C fühlen sich wegen der feuchteren Luft deutlich kälter an.
Nach ca. 1,5 km unaufhörlichem Anstieg haben wir keine Lust mehr. Als wir unsere Mittagssandwiches verspeisen, schaut sogar mal die Sonne durch die Wolken. Nichtsdestotrotz machen wir uns auf den Rückweg. Während Annika die lange Abfahrt genießt, gehen Conni und ich die steilsten Abhänge zu Fuß, keine Lust auf Nervenkitzel.
Im Anschluss fahren wir zum Skarslia Skisenter, um unsere Skiausrüstung wieder zurückzugeben. Dann geht es wieder Richtung Süden. Wir müssen noch einmal zu COOP, Milch und Zeitung holen. Im Kofferraum haben wir einen Eimer, den wir mit dem Inhalt eines Straßenrand aufgestellten Sandbehälters füllen. Als wir vom Einkauf zurück kommen, streuen wir den groben Sand auf die glattesten Teile unserer Auffahrt und schaffen den Hügel beim zweiten Anlauf.
Morgen müssen wir wieder zur Fähre nach Göteborg und deshalb früh aufstehen. Also fangen wir jetzt schon mal langsam mit dem Packen an und die Wehmut packt uns. Schon ist auch dieser Urlaub fast wieder vorbei, schnüff …
Am frühen Abend kommt unser Vermieter vorbei, um sich zu verabschieden und uns zu erzählen, dass er noch ein zweites Haus zu vermieten habe, gleiche Größe/Ausstattung, aber deutlich preiswerter, da direkt vermietet. Als wir uns interessiert zeigen, will er morgen mit weiteren Unterlagen noch einmal wiederkommen.
Es hat über Nacht leicht geschneit (ca. 5 cm), und es ist immer noch ein wenig am Schnieseln als wir früh morgens aufstehen, um zu packen. Als wir fast fertig sind, kommt unser Vermieter noch einmal vorbei. Die zweite Hytte soll ca. 2000 NOK/Woche kosten. Das ist ungefähr die Hälfte dessen, was wir für unsere gleich ausgestattete und über einen großen Ferienhausanbieter gemietete Hytte bezahlt haben. Ein verlockendes Angebot, das wir für unseren nächsten Langlaufurlaub mit Sicherheit in Betracht ziehen werden.
Die Fahrt Richtung Oslo verläuft problemlos. Kurz vor der schwedischen Grenze machen wir bei Halden in einem Gebiet mit zahlreichen Großmärkten halt und lassen noch einige Kronen in einem gigantischen Coop-Obs-Markt. Dort hätten wir die neue Elling-DVD für nur 169 NOK bekommen. Naja, was soll’s?
Nach der Grenze zu Schweden fängt es an zu schneien. Je weiter wir gen Süden voran kommen, umso schlimmer wird es. Ein regelrechter Schneesturm, teilweise in Schneeregen übergehend, entwickelt sich. Gut, dass wir reichlich Zeit für die Rückfahrt eingeplant haben.
Wir erreichen Göteborg trotz des schlechten Wetters mit einem guten Zeitpolster. Dieses Mal haben wir maximales Glück mit unserer Kabine. Sie liegt am Ende des Ganges (nein, nicht in Indien :-), d.h. wir haben nur eine Nachbarkabine. Am Abend genießen wir unser vorreserviertes Buffet (inkl. Wein, Bier und Softgetränken), lecker. Die Überfahrt verläuft ohne weitere Vorkommnisse.
Der Frühling ist in Deutschland mal wieder ein Stückchen weiter. In Kiel scheint die Sonne. Nachdem wir durch ein kleines Schauergebiet durch sind, erwarten uns in Hamburg ca. 15°C bei strahlendem Sonnenschein.
Das war’s dann. Und eines steht fest: im nächsten Jahr werden wir wiederkommen.
02.01.2010:
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