Nachdem uns unser erster Langlaufurlaub im letzten Jahr so gut gefallen hatte, wollten wir dieses Jahr unbedingt wieder in den Schnee. Der Zufall (Verfügbarkeit geeigneter Ferienhäuser, akzeptable Anfahrt) hat uns wieder in die Telemark verschlagen. Hier ist unser Reisebericht:
(Hinweis: die kleinen, dick umrandeten Bilder sind Thumbnails. Wenn du draufklickst, kannst du dir die große Version ansehen.)
Ursprünglich wollten wir ja wieder die Fähre Kiel–Oslo (Color Line) nehmen, aber als wir im November 2002 buchen wollten, wäre für die Hinfahrt (14.03.) nur noch eine 1*-Kabine (ohne Bad, unter dem Autodeck) und für die Rückfahrt (22.03.) lediglich noch eine 5*-Kabine (luxuriös, aber leider unbezahlbar) frei gewesen. Wohl eine Auswirkung der Tatsache, dass Schleswig-Holstein in diesem Jahr zeitgleich mit Hamburg Frühjahrsferien hat. Die meisten Alternativen passen von den Abfahrtzeiten her schlecht oder sind auch bereits ausgebucht. So bleiben wir schließlich bei Kiel–Göteborg (Stena Line) hängen. Der 14.03. ist auch hier bereits belegt, aber am 13.03. sowie auf der Rückfahrt sind noch unsere Wunschkabinen frei. Das gegenüber der Kiel–Oslo-Reise gesparte Geld wollen wir stattdessen in eine Hotelübernachtung in Oslo investieren (und es bleibt immer noch etwas übrig).
Ein letzter Blick auf Kiel
So verlassen wir denn gegen 17 Uhr das sonnige Hamburg Richtung Kiel. Dort angekommen steuern wir den Schwedenkai an und sind angenehm überrascht. Nicht mehrere Reihen schier endloser Autoschlangen gepaart mit langen Wartezeiten erwarten uns, sondern lediglich drei Autos vor dem Abfertigungsschalter. Nach wenigen Minuten ist alles erledigt, und wir können direkt auf die Fähre fahren. Da kann sich Color Line noch das eine oder andere Scheibchen abschneiden.
Während wir unser Abendessen in dem noch wenig besuchten Restaurant Food City (verhältnismäßig zivile Preise) einnehmen, legt die Fähre pünktlich um 19.30 Uhr ab. Später am Abend müssen wir feststellen, dass wir mal wieder unsere »Standardkabine« erhalten haben, nämlich die neben saufenden und grölenden Norwegern (richtig gelesen: Norweger, nicht Schweden). Wann genau endlich Ruhe war, ist nicht mehr zu rekonstruieren, aber es muss spät, sehr spät gewesen sein.
Um 7 Uhr weckt uns eine Stimme aus dem Lautsprecher, die uns mitteilt, dass das Frühstücksbuffet jetzt geöffnet sei. Eine bleierne Müdigkeit gepaart mit leichten Kopfschmerzen lässt das Aufstehen zur Qual werden. Nun denn, um 8 Uhr genießen wir das bereits bei der Buchung vorbestellte Frühstücksbuffet und pünktlich um 9 Uhr erwartet uns Göteborg mit strahlendem Sonnenschein.
Svinesund bei der Grenze Schweden/Norwegen
Bei wolkenfreiem Himmel durcheilen wir Schweden, machen einen kurzen Fotostopp bei Svinesund (Grenze) und erreichen unser Hotel gegen 14 Uhr. Wir haben uns wieder ein Zimmer im Norlandia Saga Hotell reserviert, mit dem wir schon im Sommer 2001 gute Erfahrungen gemacht hatten.
Nach dem Auspacken machen wir uns auf zu einem ausgedehnten Oslo-Spaziergang.
Die Sonne scheint, und es liegt nur noch wenig schmutziger Schnee an den Straßenrändern, aber im Schlosspark sind die Rasenflächen noch weiß.
Blick auf Karl Johan
Wir schlendern Karl Johan entlang und bewundern die Wagemutigen, die bei 5°C ihr Bier und Essen bereits draußen genießen. Wir bekommen auch Hunger und kehren im Kaufhausrestaurant von Steen & Strøm ein. Das Essen ist okay und nicht ganz so teuer wie in den Restaurants rund um Karl Johan. Anschließend geht es weiter Richtung Rathaus und Akerbrygge. Vorher entdecken wir noch das älteste Gebäude Oslos. Es ist ein Backsteingebäude aus dem Jahre 1626.
Nach einigen Pflichtfotos vom Rathaus, die uns noch in unserer Sammlung fehlen, machen wir uns auf den Rückweg. Im Schlosspark werden wir zufällig Zeuge des etwas grotesk und antiquiert anmutenden Wachwechsels und bedauern die armen Jungs, die bei Wind und Wetter hier mehr oder weniger regungslos ausharren müssen. Naja, sie haben es sich ja so ausgesucht, und heute scheint immerhin die Sonne.
Im Hotel zurück gibt es kostenlose Waffeln (Service des Hauses) zum Abendbrot, und nach einem Kartenspiel geht es ins Bett. Heute werden wir bestimmt gut schlafen …
Gegen 10 Uhr brechen wir bei immer noch blauem Himmel zu unserem Ferienhaus in Edland, Telemark auf. Dank des milden, sonnigen Wetters sind die Straßen schnee- und eisfrei und bis auf gelegentliches Schmelzwasser trocken. Wir folgen zunächst der E18, schwenken bei Drammen auf die E134, und von hier aus geht es nur noch geradeaus. Die Schneemengen am Straßenrand nehmen kontinuierlich zu, aber es ist nicht zu übersehen, dass bei Temperaturen zwischen 3 und 10°C Tauwetter eingesetzt hat. Die Fahrt geht gut voran, und nach einem Einkaufsstopp bei Notodden erreichen wir gegen 15 Uhr (eine Stunde eher als gedacht) unser Ferienhaus, das sich bei Edland nahe der E134 am Tveitevatnet befindet. Der Schlüssel steckt, wie üblich.
Unsere Hütte bei Tag …
… und bei Nacht
Das Haus, 1993 als Blockhütte erbaut, hat einen guten Standard. Wir packen aus und versuchen den Kaminofen mit Hilfe diverser Zeitungen in Gang zu bekommen, geben dabei aber keine besonders gute Figur ab. Als wir gerade zu einem ersten Spaziergang in die nähere Umgebung aufbrechen wollen, kommt der Hausbesitzer vorbei. Er will nur wissen, ob alles in Ordnung ist und wir uns mit den Einrichtungen im Haus zurechtfinden. Wir kratzen unser Norwegisch zusammen und fragen, ob es denn einen Trick gäbe, das Brennholz dazu zu bringen seinen Job zu tun. Er nimmt einen Scheit Birkenholz, reißt einige Streifen der Rinde ab, platziert diese unter dem Holz und zündet sie an. Sofort fängt das Holz Feuer, und es wird nicht wieder ausgehen bevor es restlos verbrannt ist. Wieder etwas dazugelernt. Wir sind halt doch Stadtmenschen …
Auf dem jetzt folgenden Spaziergang stellen wir fest, dass wir direkt neben der Haukeli Skianlegg wohnen. Dort gibt es einen Lift, eine Sprungschanze und beleuchtete Langlaufloipen. Ein Blick auf den Aushang am dazugehörigen Haus offenbart, dass hier wohl nur ab und zu einige Wettkämpfe stattfinden. Derzeit steht die Anlage still. Wir werden wohl sowieso nur die gespurten Loipen nutzen.
Im Verlauf des Abends richten wir uns im Haus ein und freuen uns auf morgen, wenn wir uns Skier ausleihen und unsere erste kleine Tour unternehmen werden.
Eine leichte, hochnebelartige Bewölkung trübt den Blick auf die Winterlandschaft ein wenig. Niederschlag wird es laut Wettervorhersage aber nicht geben. Und so machen uns auf, die weitere Umgebung zu erkunden und einen Skiverleih ausfindig zu machen. Wir folgen der E134 Richtung Westen und finden kurz hinter Edland einen Sparmarkt. Verhungern werden wir also nicht. Im weiteren Verlauf der E134 gelangen wir schließlich zum Haukeli Skisenter. Wir sind uns sicher, hier Langlaufskier ausleihen zu können, zumal einige Loipen hier ihren Ausgang nehmen, müssen uns aber eines Besseren belehren lassen. An der Verleihstation gibt es nur Alpinskier. Auf Nachfrage teilt man uns mit, dass es im Vågslid Høgfjellshotell Langlaufskier auszuleihen gäbe. Wir fahren also die ca. 4 km zurück und fragen an der Rezeption. Und tatsächlich, für »nur« 140 NOK (ca. 17,50 €) pro Tag und Set (Skier, Stöcke, Schuhe) können wir uns mit der notwendigen Ausrüstung versorgen. Nach einer Wanderung durch schier endlose Kellergänge kommen wir in einen Raum, in dem wir Schuhe anprobieren und passende Skier und Stöcke erhalten. Das Material ist nicht mehr ganz taufrisch, aber es wird schon gehen. Zurück an der Rezeption drucksen wir angesichts des Preises ein wenig herum und können uns nicht sofort entschließen, für wie viele Tage wir denn nun mieten wollen. Da rückt die Chefin mit dem Wochenpreis von 375 NOK (ca. 47 €) heraus. Selbst wenn wir die Skier nur maximal sechs Tage nutzen können, erleichtert es unsere Entscheidung doch ungemein. 1125 NOK (ca. 140 €) werden der Kreditkarte belastet, und wir sind bis zum Ende der Ferien versorgt.
Auf der ersten Skitour
Wieder in unserer Hütte stärken wir uns zunächst mit gebratenen Lachsscheiben und brechen dann zu unserer ersten kleinen Skitour auf. Direkt bei der etwa 100 m entfernten Haukeli Skianlegg beginnt eine Loipe und wir legen los. Die Strecke ist allerdings für Anfänger, die wir immer noch sind, nicht sonderlich gut geeignet. Es geht gleich zu Beginn so steil bergauf, dass wir die Skier wieder abschnallen und zu Fuß gehen müssen. Gleich danach folgt eine Abfahrt, die wir uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht zutrauen, zumal die Loipe aufgrund der milden Temperaturen verharscht, teilweise vereist und somit sehr schnell ist. Es folgen flachere Abschnitte, und so langsam gewöhnen wir uns wieder an den Bewegungsablauf.
Hoffentlich trifft das nicht auf unsere nächste Abfahrt zu (bakken = der Hügel)
Annika und ich (Frank) fangen an, die Abfahrten schätzen zu lernen und stürzen uns wagemutig gen Tal. Conni ist noch etwas zurückhaltender. Insgesamt bleibt die Loipe aber unbefriedigend, wenn man »Strecke machen« und die Landschaft auf zwei schmalen Brettern erkunden will. Da war Rauland im letzten Jahr deutlich besser geeignet, was uns auf die Idee bringt, morgen dort hinzufahren und eine Runde am Totak zu drehen.
Wir erwachen bei strahlendem Sonnenschein. Erste Bürgerpflicht ist es, für das leibliche Wohl zu sorgen. Also machen wir uns erst einmal auf zu Spar Haukeligrend, um uns mit dem Nötigsten für die nächsten Tage zu versorgen.
Am Nachmittag geht es dann gen Rauland. Auf dem RV362 überqueren wir zunächst eine Bergkette, dann wird der See Totak unser ständiger Begleiter. Wir passieren Ansiedlungen mit für unser Sprachempfinden lustigen oder auch nahezu unaussprechlichen Namen wie Arabygdi oder Urbøuri. Nach ca. 35 km erreichen wir das Rauland alpinsenter. Schnell sind die Skier untergeschnallt, und los geht es auf altbekannten Wegen Richtung Totak.
Eisangeln auf dem Totak
Nach einigen 100 m kommen wir an dem Haus vorbei, das wir im letzten Jahr gemietet hatten. Dann geht es durch den Wald und anschließend am Totak vorbei. Mitten auf dem See ist ein Windfang aufgebaut, vor dem einige Leute sitzen und vermutlich Eisangeln.
Wir drehen weiter unsere – schon vom letzten Jahr bekannte – Runde, nur dass es in diesem Jahr weitaus wärmer und weniger windig ist. Das ist einerseits angenehm, andererseits ist der Schnee sehr pappig, teilweise vereist, streckenweise matschig. Egal, wir sind ja nicht hier um Hochleistungssport zu betreiben, sondern um die Landschaft zu genießen, und dafür ist das Wetter ideal.
Anschließend statten wir Spar Rauland noch einen Besuch ab, um einige Dinge einzukaufen, die wir in Haukeligrend nicht bekommen hatten. Hier sehen wir auch die ersten deutschen Touristen. Von denen waren wir bislang »verschont« geblieben.
Auf dem Rückweg bewundern wir das »Alpenglühen« in den Bergen am Totak.
Abends bewundern wir einen (nahezu vollständigen) Vollmond, der die Landschaft in ein eigenartiges Licht taucht.
Auch wenn die Schneeverhältnisse nicht optimal sind, morgen wollen wir uns noch einmal an die »Mammuttour« vom letzten Winterurlaub in Rauland wagen. Die Wettervorhersage lässt keinen Zweifel daran, dass es wieder sonnig werden wird.
Der erste Elch, den wir fotografisch festhalten konnten
Und wieder wachen wir bei strahlendem Sonnenschein auf. Als ich mich gerade ins Bad begebe, sehe ich bei einem zufälligen Blick aus dem Fenster, wie sich auf der anderen Seite des Tveitevatnet etwas bewegt. Ich schaue genauer hin und erkenne: es ist ein Elch! Sofort schnappe ich mir das Stativ, montiere die Kamera und beginne zu fotografieren. Die Entfernung ist allerdings recht groß, und die Elchkuh hebt sich nicht besonders gut vom Wald ab, so dass die Kamera bei voll aufgezogenem Zoom (250 mm KB, bzw. 500 mm mit zusätzlichem 2×-Digitalzoom) erhebliche Probleme mit dem Fokussieren bekommt. Es sind zwar nicht die besten Bilder, aber letztendlich haben wir den Elch fotografisch festgehalten. Es ist der Erste, bei dem uns das gelingt. Kann ein Tag besser beginnen?
Angesichts des prächtigen Wetters wollen wir unseren Plan von gestern in die Tat umsetzen und machen uns um die Mittagszeit wiederum nach Rauland auf. Gegen 13.15 Uhr beginnen wir unsere Rundtour, für die wir im letzten Jahr noch 5½ Stunden (inklusive eines Umwegs) benötigt haben. Die relativ schlechten Schneeverhältnisse (ca. +5°C tagsüber) lassen uns zunächst nicht sonderlich gut vorankommen, aber das schöne Wetter entschädigt uns reichlich. Zeitweise ist es so warm, dass wir unsere Jacken ausziehen und im Pullover weiterlaufen.
Wegweiser am Krokstjønn
Die Strecke hat großen Wiedererkennungswert (»hier haben wir doch beim letzten Mal Rast gemacht«, »jetzt kommt gleich diese steile Abfahrt, oder?«), und wir erfreuen uns ein ums andere Mal an der fantastischen Aussicht bei praktisch wolkenfreiem Himmel. Man merkt, dass die Saison langsam zu Ende geht, wir treffen nur wenige andere Skifahrer. Am Wegkreuz Krokstjønn tragen wir uns in das dort ausliegende Buch ein, und dann beginnt der Abstieg zurück zum Totak. Dieses Mal wissen wir, welche Abfahrten wir problemlos meistern können und bei welchen wir besser die Skier abschnallen. Das erspart uns einige Stürze. Nach 4¼ Stunden und ca. 7,5 km (lt. den Schildern an der Strecke; die Karte, die wir im letzten Jahr hatten, sagte 12 km) sind wir wieder am Ausgangspunkt. Zu Fuß wären wir vermutlich schneller gewesen, aber es hätte nicht halb soviel Spaß gemacht.
Einer unserer »Hauselche« nach seiner Flucht auf das Tveitevatnet
Nach einem Tankstopp in Downtown Rauland fahren wir dem Sonnenuntergang entgegen zurück zu unserer Hütte. Als wir gerade auf unserem Parkplatz anhalten, bemerken wir in nur ca. 5 m Entfernung zwei Elche. Heute muss unser Glückstag sein! Die beiden Kühe starren uns unentwegt an und machen keinerlei Anzeichen zu flüchten. Der nächste Gedanke gilt selbstverständlich der Kamera, die – wie könnte es anders sein?(Murphy lässt grüßen) – im Kofferraum liegt. Was bleibt mir anderes übrig als es wenigstens zu versuchen. Vorsichtig öffne ich die Fahrertür, keine Reaktion der Elche. Dann schleiche ich zum Heck des Wagens, die beiden starren uns weiterhin regungslos an. Langsam lasse ich die Heckklappe aufgleiten, da ergreifen die Mistviecher die Flucht, Sch....! Glück im Unglück: sie bleiben auf dem Eis des Tveitevatnet stehen, wo ich die eine der beiden Elchkühe immerhin noch einige Male ablichten kann, bevor sie sich am anderen Ufer in die Büsche schlagen. Die Fotos sind angesichts der hereinbrechenden Dunkelheit und einer auf ISO 400 heraufgeschraubten Empfindlichkeit (und des damit verbundenen erhöhten Rauschens) auch nicht gerade perfekt, aber deutlich besser als die Elchfotos von heute Morgen.
Nach den Aufregungen und Anstrengungen des heutigen Tages wollen wir es morgen etwas ruhiger angehen lassen.
Elchspur
Das schöne Wetter bleibt uns treu. Wir lassen uns mit allem etwas mehr Zeit, nutzen den Vormittag zum Einkaufen. Bei einem Spaziergang entlang des Ufers des Tveitevatnet begutachten wir die Spuren der gestrigen Elche und entdecken im Laufe des Weges noch viele weitere Spuren (Hufspuren und andere Hinterlassenschaften). Wenn das zugefrorene Gewässer trotz der milden Temperaturen mehrere hundert Kilo schwere Elche trägt, dann werden auch wir nicht einbrechen. Und so treten wir den Rückweg über das Eis an. Dabei treffen wir immer wieder auf Elchspuren. Die Gegend muss ein wahres Elch-Eldorado sein.
Am Nachmittag ist wieder eine Skitour in der Umgebung angesagt. Da Conni immer noch nicht so gut auf die Berg- und Talbahn bei der Haukeli Skianlegg zu sprechen ist, zieht sie Schusters Rappen vor. Und so stapft sie durch den etwas pappigen Schnee, während Annika und ich die Hügel erklimmen und uns wagemutig die Abfahrten hinabstürzen. Nach einiger Zeit wird das Gelände etwas ausgeglichener und schließlich landen wir an einer Brücke über das Tveitevatnet. Dort legen wir eine kurze Rast ein, machen einige Fotos von dem hier bereits aufgebrochenen Eis und treten den Rückweg an.
Nach Einbruch der Dunkelheit wundern wir uns über den hellen Schein, der über dem Tveitevatnet liegt. Der Mond kommt hierfür nicht in Frage. Es ist mehr ein orangerotes Licht. Vom Schlafzimmerfenster sehen wir, dass es die Haukeli Skianlegg ist, die komplette erleuchtet ist. Wir werden neugierig. Findet heute ein Wettbewerb statt, trainieren die norwegischen Ski-Asse hier? Wir gehen noch einmal raus und schauen nach. Die Liftanlage läuft, die Abfahrt, die Sprungschanze und die Loipen sind in gleißendes Licht getaucht. Doch vor der Anlage parken lediglich drei Autos und fünf bis sechs Kinder/Jugendliche fahren auf der Abfahrtsstrecke Ski bzw. Snowboard. Es macht den Eindruck, als sei der ganze Aufwand nur für sie veranstaltet worden. Allein mit der Beleuchtung könnte man ein ganzes Dorf versorgen. Waren nicht vor wenigen Wochen noch die Zeitungen voll von Wehklagen über die hohen Strompreise?
Am Abend verfolgen wir in TV2 (NRK1 bekommen wir nur sehr »verschneit« herein) eine Debatte über den in wenigen Stunden beginnenden Irakkrieg. Gespenstisch …
Schade, schade, es scheint, als hätte das sonnige Wetter ein Ende. Den Vormittag verbringen wir mit Kartenspielen, Zeitunglesen etc. Für den Nachmittag nehmen wir uns trotz des bewölkten Wetters eine Skitour vor. Laut Karte starten einige Loipen vom Vågslid Høgfjellshotell (wo wir die Skiausrüstung gemietet hatten) aus. Da wollen wir es mal probieren. Immerhin regnet oder schneit es ja nicht.
Wir machen uns also auf der E134 Richtung Westen auf und siehe da, mit jedem Kilometer wird die Wolkendecke dünner und schon bald scheint die Sonne von einem wolkenfreien Himmel. Unsere Weisheiten über das Wetter in Norwegen haben sich mal wieder bewahrheitet. Ein paar Kilometer weiter kann alles schon wieder ganz anders aussehen.
Das Loipengflecht am Vågslivatnet
Die Tour, die wir uns ausgesucht haben, führt zunächst über das Eis des zugefrorenen Vågslivatnet und dann in ein Hüttengebiet. Wir kommen an eine scheinbare Abzweigung, wo es laut Karte wieder zurück auf den See gehen sollte. Eigentlich wollten wir hier lang – es sollte ja nur eine kleine Tour werden – aber der an der Abzweigung aufgestellte Wegweiser weist kein Schild in diese Richtung auf, so dass wir meinen, dass dies wohl doch nicht der Weg sein kann, den wir auf der Karte gesehen zu haben glauben. Es geht weiter über einen kleineren See und dann hoch in die Berge. Dort steht ein weiterer Wegweiser, der besagt, dass wir bereits 3 km hinter uns, aber noch 4 km vor uns haben. Dann wäre der vorherige Abzweig wohl doch der richtige gewesen. Egal, die 4 km schaffen wir jetzt auch noch, zumal die Landschaft schön und das Wetter wieder makellos ist. Die Strecke selbst ist relativ anfängerfreundlich. Annika stürzt sich auch die steilsten Abfahrten hinunter, aber sie fällt ja auch nicht so tief :-)
Kurz vor Sonnenuntergang (über den Bergrücken) erreichen wir wieder das Vågslivatnet, und nach knapp drei Stunden (mit zahlreichen Pausen) haben wir auch diese 7 km an frischer, sauberer Luft hinter uns gebracht.
Ein guter alter Bekannter
Auf dem Rückweg meint Conni, wir sollten vielleicht vorbereitet sein, falls »unsere« Elche wieder da sind. Ich hole also die Kameras aus dem Kofferraum, und tatsächlich, schon von weitem sehen wir zwei Elche vor unserem Haus stehen. Als wir näher kommen, treten sie dieses Mal gleich den Rückzug über das Tveitevatnet an. Unseren Objektiven entkommen sie aber dennoch nicht.
Morgen ist unser letzter Urlaubstag, schade …
Tja, heute ist nun also unser letzter richtiger Urlaubstag. Um uns den Abschied etwas zu erleichtern, hat der Wettergott Wolken aufziehen lassen. Am Vormittag wollen wir ausnahmsweise mal einen kleinen Ausflug mit dem Auto unternehmen. In Vinje hatten wir auf dem Hinweg eine entzückende kleine Kirche gesehen. Die wollte ich dringend noch ablichten. Auf der E134 geht es einige Kilometer gen Osten, und als wir die Kirche erreichen, hat der Wettergott ein Einsehen und lässt die Sonne ein wenig durch die Wolken lugen. Um nicht gleich wieder zurück zu fahren, geht es noch ein bisschen weiter nach Åmot, wo wir ein letztes Mal einkaufen.
Auf dem Rückweg ergibt sich noch eine Gelegenheit, einige von diesen bizarr eingefrorenen Wasserfällen zu fotografieren. Es gibt beeindruckendere als ausgerechnet diese, aber normalerweise kann man wegen der Schneewälle am Straßenrand nicht überall dort anhalten, wo es interessant wäre, und hier ging es halt gerade.
Am Nachmittag brechen wir zu unserer unwiderruflich letzten Skitour auf. Aus praktischen Gründen geht’s wieder zum Vågslid Høgfjellshotell. Dann können wir hinterher die Skier dort gleich wieder abgeben. Auf dem Weg dorthin begegnen uns doch tatsächlich einige vereinzelte Schneeflocken.
Wir haben uns eine kleinere Rundtour ausgesucht, die in relativ kurzer Zeit zu bewältigen sein sollte. Was wir dabei nicht beachtet haben sind die Höhenlinien. Es gibt viele, teilweise lange Aufstiege und entsprechende Abfahrten, so dass wir einen erklecklichen Teil der Strecke mit abgeschnallten Skiern hinter uns bringen müssen, wenn wir nicht kurz vor der Heimfahrt noch Kopf und Kragen riskieren wollen.
Wieder am Hotel geben wir die Skier ab, fahren zurück in unsere Hütte und fangen schon mal an zu packen. Traurig …
Conni wacht noch eine Stunde vorm Wecken auf. Geräusche lassen sie nicht wieder einschlafen, und so steht sie auf um nachzusehen. Als sie zurückkommt erzählt sie von einem unserer Elche, der direkt vorm Haus steht. Ich bin sofort hellwach, zücke die Kamera und muss feststellen, dass es viel zu dunkel ist, um aus der Hand zu knipsen. Ich greife also zum Blitz, öffne das Fenster und visiere den Elch an. Ich weiß, dass ich wegen des Blitzes nur einen Schuss haben werde. Ich ziele, drücke ab und, Flash, ein Blattschuss (habe ich Jagdfieber?). Der Elch guck zunächst verwirrt und entscheidet sich dann für die Flucht. Das Bild ist aber in Anbetracht der Umstände recht gut gelungen.
Wir legen uns wieder ins Bett, aber viel Zeit zum Schlafen bleibt nicht mehr. Nach Frühstück, Packen und Hausputz geht es um kurz nach zehn auf die E134 und da gen Osten. Das Wetter ist bewölkt, gar nicht so schlecht zum Autofahren. Gegen 14.00 Uhr durchqueren wir Oslo, dann geht es auf der E6 weiter Richtung Göteborg. Es gibt zahlreiche Baustellen, die E6 soll vierspurig ausgebaut werden, aber wir kommen trotzdem ganz gut voran. Je näher wir der schwedischen Grenze kommen um so dichter wird der entgegenkommende Verkehr. Tausende von Norwegern sind auf dem Rückweg von ihrer allsamstäglichen Einkaufstour ins »Billig«-Land Schweden.
Ein letzter Blick auf Göteborg
Das Wetter wird immer sonniger, wir machen noch einmal Pause, und gegen 18.30 Uhr kommen wir am Fährterminal an. Dieses Mal gibt es zwei Schlangen (samstags ist wohl doch mehr los) und das Einchecken dauert ein wenig länger.
Nach einem letzten Blick auf das in der Dämmerung liegende Göteborg legen wir pünktlich um 19.30 Uhr ab. Dieses Mal sind nicht ganz so schlimme Störenfriede in unseren Nachbarkabinen, so dass wir ein wenig besser schlafen können.
In Kiel herrscht strahlendes Sonnenwetter. Der Frühling ist hier doch schon etwas weiter vorangekommen. Kurz nach zehn sind wir in dem ebenfalls sonnigen Hamburg. Damit ist unser diesjähriger Winterurlaub endgültig zu Ende.
Schön war’s mal wieder, und wir wollen im nächsten Jahr gerne wiederkommen.
02.01.2010:
Godt nytt år - Frohes Neues...
27.12.2009:
Spende an "Save the Children"
24.12.2009:
God Jul - Frohe Weihnachten
03.11.2009:
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30.08.2009:
Lofoten-Urlaub
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