Nicht zuletzt wegen der Hamburger Frühjahrsferien, die eigentlich eher Winterferien sind, hatten wir uns entschlossen, 2002 zum ersten Mal Winterurlaub in Norwegen zu machen (abgesehen von ein paar Tagen Ende 1993). Das Ziel wurde mehr oder weniger durch die Wahl eines geeigneten Ferienhauses bestimmt. So sind wir dann Anfang März eine Woche nach Rauland in der Telemark gefahren. Hier ist unser Reisebericht:
(Hinweis: die kleinen, dick umrandeten Bilder sind Thumbnails. Wenn du draufklickst, kannst du dir die große Version ansehen.)
Gegen 10.45 Uhr brechen wir von Hamburg aus nach Kiel auf. Nach mehreren Jahren mit eher unspannenden Fahrten durch Dänemark, wollen wir uns dieses Mal wieder Urlaub von Anfang an gönnen und haben Kiel–Oslo gebucht.
Kronprins Harald
Bereits um 11.50 Uhr treffen wir bei dem für uns noch neuen Color-Line-Terminal in Kiel ein, wo die Kronprins Harald schon auf uns wartet. Die Prinsesse Ragnhild, auf der vor einigen Tagen ein kleines Feuer ausgebrochen war, liegt daneben und wird vermutlich noch instand gesetzt. Um 13.15 Uhr fahren wir auf die Fähre und beziehen unsere Außenkabine. Die kostet zwar ein bisschen mehr als eine Innenkabine, aber der Blick auf die Ufer des Oslo-Fjords am nächsten Morgen ist die Mehrkosten allemal wert. Die Kronprins Harald ist das ältere der beiden Kiel–Oslo-Schiffe und nicht ganz so gut ausgestattet. Besonders das Spielzimmer für Kinder ist für so ein großes Schiff lächerlich klein und schlecht ausgestattet. Was das angeht, freuen wir uns schon auf die Rückfahrt mit der Prinsesse Ragnhild; ansonsten freuen wir uns natürlich erst mal auf unseren Urlaub.
Um 14.30 Uhr legen wir mit einer halben Stunde Verspätung ab. Als wir später aufs Sonnendeck gehen herrscht gerade ein Schneesturm, dem wir uns heldenhaft entgegen stellen. Besonders Annika (6) und die anderen anwesenden Kinder haben ihren Spaß. Ansonsten verläuft die Überfahrt aber ruhig.
Wir stehen relativ früh auf um noch einen Platz am Frühstücksbuffet zu ergattern. Als wir um kurz nach halb acht am Restaurant ankommen ist es schon brechend voll, und wir bekommen gerade noch Plätze an einem der Tische am Fenster. So haben wir uns das vorgestellt: gemütlich frühstücken, während der Oslofjord an uns vorüberzieht. Später können wir sogar noch direkt ans Fenster aufrücken.
Blick auf Oslo, am Horizont lassen sich die Doppeltürme des Rathauses erkennen.
Das Wetter zeigt sich trüb, und bei einem Deckspaziergang können wir Oslo nur erahnen. Gegen 9.30 Uhr kommen wir an. Oslo empfängt uns mit bedecktem Himmel und nur wenig Schnee. Wir machen uns auf der E18 auf den Weg nach Süden. Bei Drammen wollen wir eigentlich auf die E134 abbiegen, aber irgendwie schaffen wir es, die Abfahrt zu verpassen. Komisch, letztes Jahr sah das hier alles noch ganz anders aus, und die Mautstation vor Drammen ist auch nicht mehr da. Ehe wir uns versehen, wird auch schon die nächste Mautstation angekündigt, jetzt aber nichts wie runter von der E18, doch es ist bereits zu spät. Die nächste Abfahrt liegt erst hinter der der Mautstation, und so bleibt uns nichts anderes übrig, als 20 NOK (2,58 €) für die 500 m auf der neuen E18 bis zur nächsten Ausfahrt zu bezahlen. Macht nix, wir kommen auch so auf die E134 (kurz hinter Kongsberg). Das Wetter wird immer besser, und die Schneehöhe nimmt kontinuierlich zu. Die Straßenverhältnisse sind aber immer noch gut, die Europastraßen scheinen gepökelt zu werden.
Bei Morgedal machen wir Rast im Restaurant des dortigen Skimuseums, das wir schon vom letzten Jahr kennen. Es gibt Rømmegrøt und Waffeln, lecker!
Bei Åmot biegen wir auf den RV37 ab, und von nun an geht’s bergauf. Je höher wir kommen um so mehr Schnee liegt auf der Straße, teilweise ist sie sogar vereist. Aus der norddeutschen Tiefebene sind wir solche Straßenverhältnisse nicht gewohnt, und so schleichen wir zunächst mit 40 – 50 km/h übers Eis. Im Laufe der Zeit werden wir uns aber daran gewöhnen und lernen, uns auf unsere Winterreifen zu verlassen.
Unsere »Hütte«, rechts neben dem Schild beginnt die Loipe.
In Rauland, unserem Zielort, biegen wir auf den RV362 ab. Nach ca. 5 km, kurz hinter dem Rauland Alpinsenter, geht’s ab zur Rauland Kyrkje, und von da aus sind es nur noch ein paar hundert Meter bis zu unserem Ferienhaus, das wir um 15.15 Uhr erreichen.
Der Schlüssel befindet sich, wie in der Beschreibung angegeben, unter der Fußmatte. Als wir gerade aufschließen wollen, kommt die Hausbesitzerin auf uns zu, begrüßt uns freundlich und zeigt uns erstmal das ganze Haus. Im gusseisernen Ofen brennen bereits ein paar Scheite Holz und es ist angenehm warm. Weiteres Holz gibt es in der (nicht abgeschlossenen) Abseite. Es kostet 50 NOK (6,45 €) pro Sack, und wir werden im Laufe der Woche zwei dieser Säcke verbrauchen. Die hundert Kronen zahlen wir gern, auch wenn wir aus finanziellen Gründen eigentlich nur die Elektroheizungen voll aufdrehen müssten, denn der Preis für unser Haus beinhaltet auch den Stromverbrauch (nicht unwichtig, vor allem im Winter). So ein bollernder Ofen ist aber einfach gemütlicher als eine profane Heizung. Nachdem alles erklärt ist, schnallt sich unsere freundliche Vermieterin ihre Skier unter, befestigt die Leine ihres Schäferhundes an einem speziellen Gürtel und lässt sich durch die tief verschneite Landschaft ziehen.
Nachdem der Wagen entladen ist, machen wir uns auf, die unmittelbare Umgegend zu erkunden. Wir stapfen die Loipe entlang durch den Wald, und nach kurzer Zeit landen wir am zugefrorenen See Totak, der sich in der niedrig stehenden Sonne gleich von seiner schönsten Seite präsentiert. Angesichts der Schönheit der Landschaft, der guten Schneeverhältnisse, des Wetters und nicht zuletzt der vielen gespurten Loipen (140 km in der Gegend von Rauland) steht unser Entschluss fest, uns gleich morgen Langlaufskier auszuleihen.
Die Sonne strahlt, aber es nützt alles nichts, nach dem Frühstück müssen wir erst mal einkaufen. Auf dem Weg ins Dorf (RV362) müssen wir manchmal fast anhalten, weil ein starker Wind Pulverschnee über die Straße bläst, der in der gleißenden Sonne aufleuchtet, so dass wir fast nichts mehr sehen können. Schlimmer als dichter Nebel! Die Aussicht von der hoch gelegenen Straße über den See ist aber phantastisch. An einem weniger windigen Tag werden wir hier anhalten und ein Foto machen.
Im Ort selbst entdecken wir gleich zwei Supermärkte, S-Marked und Spar, nicht schlecht für so ein kleines Nest. Nachdem wir unsere Vorräte im S-Marked aufgefüllt haben, fahren wir auf dem RV37 ca.7 km weiter durch wunderschöne, verschneite Landschaften zum Vierli Vinterland. Nach unseren Informationen ist das Ausleihen von Langlaufsets (Skier, Skistöcke und Schuhe) hier preiswerter als beim nähergelegenen Rauland Alpinsenter. Ein Set kostet für einen Tag 120 NOK (15,48 €), für zwei Tage 160 NOK (20,64 €) und für jeden weiteren Tag 20 NOK (2,58 €) zusätzlich. Für drei Sets à drei Tage wechseln also 540 NOK (69,66 €) den Besitzer. Wir outen uns als blutige Anfänger und bekommen die Möglichkeit eingeräumt, nach Ablauf der drei Tage um weitere drei Tage verlängern zu können, wobei wir dann nur die Differenz von 60 NOK (7,74 €) pro Person zahlen müssen.
Zurück in unserem Ferienhaus müssen wir die Skier natürlich gleich ausprobieren. Also Schuhe an und rein in die Bindung. Conni tippt nur kurz mit der Schuhspitze in die Bindung und, klick, rastet der Schuh ein. Drin! Das ist ja einfach …, denke ich mir und will es ihr gleich tun. Aber nix da, so sehr ich mich auch anstrenge, mein Schuh will nicht in die Bindung. Ich schiebe das zunächst auf meine mangelnde Übung im Umgang mit Skiern und allem, was dazugehört. Aber dann entdecke ich, dass die Spur der Schuhe schmaler ist als die der Skibindungen. Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich wieder ins Auto zu setzen und noch mal zum Vierli Vinterland zu schliddern. Dort stellt sich heraus, dass ich offenbar das einzige Paar Schuhe erwischt habe, das nicht zu den Standardbindungen passt. Ich bekomme neue, passende Schuhe. Na, immerhin lag es nicht an meiner eigenen Schusseligkeit ;-)
Wieder zurück bei unserem Ferienhaus kann es endlich losgehen. Gleich neben dem Haus beginnt die Loipe. Vorsichtig bewegen wir uns durch den Wald Richtung See. So schwer ist es eigentlich gar nicht, wenn auch die Bewegungen recht ungewohnt sind. Der Muskelkater ist vorprogrammiert. Annika fällt ungefähr alle zehn Meter hin, aber irgendwie kommt sie doch voran, und schließlich landen wir am See. Es weht recht heftig, aber das Wetter ist schön und die Aussicht grandios. Nach einigen 100 Metern am See entlang führt die Loipe wieder in den Wald und siehe da, wir haben einen Rundkurs von ca. 1,5 km Länge entdeckt. Sehr praktisch.
Wieder zu Hause stellen wir fest, dass leichtes Tauwetter eingesetzt hat, und nach einiger Zeit fängt es an zu nieseln. Während abends langsam der Muskelkater einsetzt, wird es wieder kälter und der Regen geht in Schnee über. Die (ungewohnte) Bewegung an frischer Luft hat uns irgendwie völlig fertig gemacht, und wir gehen erstaunlich früh ins Bett.
Das Rauland Alpinsenter am Dienstag bei Schneetreiben: Allein auf weiter Flur.
Es schneit weiterhin (oder schon wieder?). Am Vormittag wollen wir endlich mal den Schlitten testen, den wir extra mitgenommen hatten.
Wir spazieren zum Rauland Alpinsenter, das sich in unmittelbarer Nähe befindet. Dort stiefeln wir den Berg ca. 100 Meter hinauf und lassen Annika einige Male hinabrodeln. Auch ich versuche mich im Rodeln. Macht schon Spaß, aber das Wiederhinaufziehen ist doch ziemlich mühsam. Eine Liftkarte macht aber keinen Sinn (Schlepplift) und würde sich wohl auch nicht lohnen, obwohl man dort keine Wartezeit hat, so mitten in der Woche und bei dichtem Schneetreiben.
Schneemann
Schneewall vor unserem Badezimmerfenster.
Am Nachmittag machen wir zunächst wieder unsere Rundskitour von gestern (wir lernen dazu). Anschließend wird der viele Neuschnee für den Bau eines zünftigen Schneemanns genutzt.
Es will einfach nicht aufhören zu schneien. Vor den Fenstern bilden sich Wälle. Immer wieder rückt der Bauer vom nahe gelegenen Hof mit seiner Schneefräse aus, um die Straßen freizuhalten. Dafür sind wir ihm dankbar, machen uns einen gemütlichen Abend und hoffen, dass morgen die Sonne wieder scheint.
Es schneit immer noch. Seit es vorgestern angefangen hat, sind schätzungsweise 20–30 cm Neuschnee gefallen. Jedes noch so kleine Zweiglein ist mit Schnee bedeckt. Was soll’s, immerhin wird man nicht (kaum) nass. Und so machen wir am Vormittag erst mal wieder unsere kleine Rundtour. Der Neuschnee hat allerdings die lästige Eigenschaft, sich in dicken Schichten unter Connis Skier zu pappen, was ein Gleiten fast unmöglich macht. Da heute unser dritter und vorerst letzter Tag der Leihperiode ist und wir deshalb am Nachmittag sowieso zum Vierli Vinterland müssen, nehmen wir uns vor, das Problem bei der Gelegenheit anzusprechen.
Schneemassen bedecken unser Auto.
Bevor wir los können, müssen wir unser Auto erst einmal von einer dicken Schneeschicht befreien und den Weg vom Parkplatz zur Straße leer schaufeln. Als wir fertig sind, hört es endlich auf zu schneien, und die Wolkendecke fängt an aufzureißen. Auf dem Weg zum Vierli Vinterland haben wir dann auch die lang ersehnte Möglichkeit, die wunderschöne Aussicht vom RV362 über den Totak zu fotografieren.
Blick vom RV362 über den Totak.
Nachdem wir die 12 km auf fest gefahrener Schneedecke hinter uns gebracht haben, verlängern wir erst einmal die Mietdauer unserer Skiausrüstrungen um weitere drei Tage. Das Problem mit dem Schnee, der sich unter Connis Skiern aufbaut, so sagt man uns, liege daran, dass sie die einzige von uns dreien ist, die wachsfreie Skier hat. Trotz des fiesen Telemark-Dialektes, den unser Gegenüber auch angesichts der Tatsache, dass er es mit ausländischen Touris zu tun hat, die versuchen ihre mühsam zurecht gelegten Norwegisch-Brocken an den Mann zu bringen, nicht ablegt, verstehen wir, dass eine sogenannte »Glide«-Flüssigkeit hier Abhilfe schaffen soll. Die gäbe es unten im Laden. Da wir in dieser Hinsicht komplett ahnungslos sind, nehmen wir seinen Rat an und erstehen ein Fläschchen dieser offenbar außerordentlich kostbaren Flüssigkeit für stolze 95 NOK (12,25 €).
Wieder bei unserem Ferienhaus angekommen müssen wir die magischen Kräfte dieser geheimnisvollen Tinktur natürlich gleich ausprobieren. Und siehe da, es klappt! Kein pappiger Schnee mehr unter den Skiern. Der Tipp unseres Telemarkburschen war Gold wert. So gesehen sind 95 NOK geradezu ein Schnäppchen ;-) So ist Norwegen eben: teuer, aber es funktioniert.
Ca. 0,1 km von 140 km gespurten Loipen in Rauland, Telemark.
Blick über den Totak bei Rauland.
Wolkenformationen über dem (zugefrorenen) See Totak
Alles ist mit einer dicken Schneehaube bedeckt.
Für den Nachmittag haben wir uns zur Abwechslung mal eine etwas andere Tour vorgenommen. Das Wetter wird immer besser, und abgesehen von einigen wenigen kurzen Schneeschauern, wechseln sich für den Rest des Tages Wolken und Sonnenschein ab.
Durch den tief verschneiten Wald führt uns nach einiger Zeit auch dieser Weg wieder am Totak entlang. Und wieder fasziniert er uns im Zusammenspiel mit den Wolkenformationen und der jetzt schon etwas tiefer stehenden Sonne. Nach ca. einer Stunde kommen wir an einem ziemlich steilen Aufstieg an. Da wir nicht wissen, wo er uns hinführen wird und es langsam anfängt zu dämmern, drehen wir lieber um und fahren durch ein »Winter Wonderland at its best« zurück nach Hause.
Wie sich hinterher herausstellt, war es eine gute Entscheidung umzudrehen. Eine Rundtour wäre ca. 10 – 12 km lang gewesen.
Am Abend kündigt sich bereits der nächste Muskelkater an, aber wir haben den Eindruck, es geht vom Mal zu Mal besser, und beim Gedanken an das Gleiten durch die wunderschöne Landschaft freuen wir uns schon auf morgen.
Angesichts des schönen Wetters fällt uns die Entscheidung darüber, was wir heute tun wollen, nicht schwer. Eine Langlauftour natürlich. Wir haben uns auf der Karte eine Rundtour von 2,4 km Länge ausgesucht. Start ist direkt hinter unserem Haus, und dann geht es zum nahe gelegenen Rauland Alpinsenter, wo sich die Loipe laut Karte nach einem kurzen Stück verzweigt. Links geht es weiter geradeaus, und rechts zweigt eine weitere Loipe ab, die später wieder auf die ursprünglich Loipe treffen soll, die wir dann wieder zurück laufen wollen.
Gesagt, getan. Nach kurzer Zeit erreichen wir das Rauland Alpinsenter und finden die Loipe, die wir uns ausgesucht haben. Wenig später steigt das Gelände an und wir müssen zeitweise die Skier abschnallen um die Steigungen zu bewältigen. Unsere Anstrengungen werden mit phantastischen Ausblicken auf die umliegenden Berge und den See Totak belohnt.
Ein Kilometer ist geschafft, aber wo ist die Abzweigung?
Blick auf den Totak bei gleißendem Sonnenschein.
So langsam, denken wir, sollte eigentlich der Abzweig zu unserer geplanten Rundtour kommen. Dummerweise haben wir vergessen, die Karte mitzunehmen, so dass wir uns auf unser Gedächtnis verlassen müssen. Vielleicht war es ja doch noch ein Stückchen weiter, als gedacht. Als wir ein Schild sehen, das anzeigt, dass wir bereits einen Kilometer ab dem Alpinsenter hinter uns gebracht haben, hegen wir den ersten Verdacht, dass wir entweder den Abzweig verpasst haben oder dass es ihn nicht mehr gibt. Sollen wir umdrehen, und einfach nur den Weg zurücklaufen? Dann wäre der Ausflug bei diesem schönen Wetter schon vorbei. Nö, also weiter. Irgendwo werden wir schon ankommen.
Nach einer Weile erreichen wir eine Abzweigung, der wir zunächst nach links folgen, doch nach einigen 100 Metern entscheiden wir uns um, da der Weg immer weiter vom See weg führt und wir glauben uns dunkel zu erinnern, dass dieser Weg recht weit nördlich endet. Also weiter Richtung Krokstjønn, was und wo das auch immer sein mag. Nach einem weiteren steilen Anstieg finden wir uns auf einer Art Hochebene wieder, auf der wir ganz gut vorankommen. Loipe bis zum Horizont.
Ein paar Wolken sind aufgezogen, aber das Wetter ist weiterhin gut, wenn auch – wie schon den ganzen Tag – recht windig. Uns kommt ein einsamer Langläufer entgegen und wir schöpfen Hoffnung, wieder in die Zivilisation zurückzufinden. Krokstjønn entpuppt sich als Weggabelung. Wir nehmen die Loipe Richtung Rauland Sentrum. Zur Not nehmen wir halt den Bus (wenn denn einer fährt) vom Zentrum zum Alpinsenter. Es fängt an bergab zu gehen und wir genießen die sanfte Abfahrt nach all den Steigungen. An einer weiteren Loipengabelung müssen wir uns zwischen Rauland Sentrum und Bitumark entscheiden. Conni meint, Bitumark käme ihr irgendwie bekannt vor, und außerdem führt der Weg Richtung Totak. Da wollen wir hin!
Doch jetzt geht es nicht mehr sanft, sondern recht steil bergab. Ich versuche so etwas wie einen Schneepflug, aber nach einiger Zeit bin ich wieder in der Loipe gefangen, und als es mir zu gefährlich wird, bleibt mir nichts anderes übrig, als mich in den Schnee zu werfen um anzuhalten. So fahren und fallen wir ein ganzes Stück hinab, bis es endgültig zu steil wird und wir die Skier abnehmen müssen. Bitumark ist ein kleiner Ort, der am RV362 liegt.
Jetzt wissen wir immerhin wieder, wo wir sind. Wir überqueren die Straße und folgen dem weiteren Verlauf der Loipe, und schon nach kurzer Zeit erkennen wir die Strecke wieder. Bis hierhin waren wir auf unserer gestrigen Tour gekommen. Jetzt wissen wir also auch, wie weit es noch bis zu unserer Hütte ist. Mit dem beruhigenden Gefühl, dass jetzt nichts mehr schief gehen kann, laufen wir weiter. Der Himmel ist wieder nahezu wolkenlos und wir genießen die Fahrt durch den tief verschneiten und in der Sonne glitzernden Wald.
Nach insgesamt 12 km und 5½ Stunden kommen wir erschöpft aber glücklich und auch ein wenig stolz bei unserem Ferienhaus an. Geübte Langläufer benötigen sicherlich nur einen Bruchteil der Zeit für diese Strecke, und den einen oder anderen von ihnen haben wir auch an uns vorbei ziehen sehen. Aber wir haben’s – als absolute Anfänger – immerhin auch geschafft!
Fast wie der Hackel Schorsch
Heute zeigt sich das Wetter nicht von seiner schönsten Seite, es ist bedeckt und immer wieder gibt es Schneeschauer. Nach der gestrigen Mammuttour (für unsere Verhältnisse) lassen wir es ein bisschen ruhiger angehen. Wir gehen noch einmal Rodeln am Alpinsenter, später noch eine kleine Runde auf Skiern, ansonsten ist Relaxen angesagt. Auch mal ganz nett, schließlich haben wir Urlaub.
Unser letzter richtiger Urlaubstag bricht an. Das Wetter hat uns wieder lieb und verwöhnt uns mit strahlendem Sonnenschein. Heute ist auch der letzte Tag, an dem wir unsere Skier nutzen können, am Nachmittag müssen wir sie wieder abgeben. Damit ist der heutige Tagesablauf vorgegeben: Skilaufen!
Die Schanzenanlage von Rauland
Wir wollen mal wieder eine neue Strecke ausprobieren. Nachdem wir zunächst etwas ziellos durch die Gegend gefahren sind entschließen wir uns für eine Loipe am Rande des Ortes Rauland. Nach ein paar hundert Metern und einer ordentlichen Steigung finden wir uns auf dem örtlichen Schulsportplatz wieder. In einiger Entfernung können wir eine Schanzenanlage ausmachen. Wirklich komplett ausgestattet dieser kleine Ort!
Nach kurzer Rast kehren wir um und fahren in entgegengesetzter Richtung weiter, immer an einem kleinen Bach entlang, der sich durch die Schneemassen schlängelt. Wieder sind wir begeistert von der Schönheit dieser tief verschneiten Landschaft. Alles ist so ruhig und friedlich, so weit weg von der Hektik des Alltags, der uns leider schon bald wieder haben wird. Lieber nicht dran denken und ein wenig die Landschaft genießen.
Nach der Tour gehen wir im (im Verhältnis zur Größe von Rauland) riesengroßen Sparmarkt einkaufen und gönnen uns ein paar Reker (Garnelen) für den letzten Abend.
Auf dem Rückweg halten wir noch kurz bei der Rauland Kjyrkje. Sie liegt direkt am See Totak. Eine Pforte führt zu einer Anlegestelle, wo früher die Bewohner aus den Dörfern am anderen Ufer des Sees mit ihren Booten anlegten um zum Gottesdienst zu gehen.
Bevor wir unsere Skiausrüstungen abgeben müssen, machen wir noch eine letzte Tour auf »unserer« kleinen Runde. Ein letztes Mal genießen wir die phantastische Aussicht über den See und die Fahrt durch die Schneelandschaft.
Parkplatzschild
Hüttenschild
Wie hoch die Schneedecke tatsächlich ist wird an einigen Schildern deutlich, die wir am Rande der Loipe entdecken. Auf dem Parkplatz wird auf absehbare Zeit wohl niemand parken und die Hütten wird wohl auch niemand mehr finden.
Reker mit Weißbrot und Majonäse – lecker!
Anschließend fahren wir zum Vierli Vinterland, um unsere Skiausrüstungen abzugeben. Das Vierli Vinterland liegt auf einer Kuppe, und dort oben weht ein starker, eisiger Wind. Und genau wegen dieses Windes ist das Vierli Vinterland geschlossen. Wo sollen wir denn nun unsere Skier zurückgeben? Uns bleibt nichts anderes übrig als die Sachen auf die Bank vorm Eingang zu legen. Vorsichtshalber sagen wir noch in dem Haus beim Parkplatz (Restaurant, Hüttenvermietung etc.) Bescheid. Die Dame dort sagt uns, dass wir die Skiausrüstungen bei ihr hätten abgeben sollen, und uns graust schon vor dem erneuten Weg durch den eisigen Sturm den Berg hinauf, als sie uns sagt, dass sie jemanden schicken wird, um die Sachen zu holen. Danke, sehr freundlich.
Abends genießen wir unsere Reker und fangen schon mal an zu packen. Morgen müssen wir früh raus, um unsere Fähre in Oslo zu erreichen.
So traurig es auch ist, aber heute müssen wir Norwegen wieder verlassen. Um die Fähre in Oslo sicher zu erreichen, stehen wir um sechs Uhr auf. Zum Abschied schenkt uns Rauland einen traumhaften Sonnenaufgang.
Bei strahlendem Sonnenschein schliddern wir – jetzt schon viel routinierter – zur E134. Während der Fahrt erreichen die Temperaturen teilweise –10°C. So kalt war es während der ganzen Woche in Rauland nicht. Bei Notodden halten wir kurz an, um einige fotogen eingefrorene Baumstämme abzulichten.
Wir kommen gut voran und erreichen kurz nach 12 Uhr das Color-Line-Terminal in Oslo. Auch wenn das noch ca. 1½ Stunden vor Abfahrt sind, wundert es uns doch, dass in der Schlange vor dem Abfertigungshäuschen nur drei Autos vor uns stehen. Als wir aussteigen erklärt uns eine Frau aus einem der vor uns stehenden Fahrzeuge, dass die Fähre nach Kiel heute leider nicht fährt; und die nach Hirtshals auch nicht. Der Brand auf der Prinsesse Ragnhild hat die Elektrik doch stärker beschädigt als gedacht, was mit der Fähre nach Hirtshals ist, erfahren wir nicht. Also gehen wir hoch ins Terminalgebäude, stellen uns brav am Kassen-/Infoschalter an und buchen auf Larvik–Frederikshavn um. Zusätzlich zur Differenz des Fahrpreises erhalten wir unaufgefordert 700 NOK Benzingeld. Das ist zwar fair, aber die Aussicht, statt um 9 Uhr in Kiel um 8.30 Uhr in Hirtshals zu sein, stimmt uns nicht gerade fröhlich. Und statt mit der luxuriösen Prinsesse Ragnhild zu fahren müssen wir jetzt mit der Peter Wessel vorlieb nehmen.
Raststätte über der (neuen) E18.
Nun denn, nach Aussage einiger Leidensgenossen soll Larvik 300–400 km von Oslo entfernt sein. Das kommt uns weit vor, aber wir fahren erst mal los, um nicht aufgrund irgendwelcher widriger Umstände auch noch diese Fähre zu verpassen. Natürlich ist die Strecke viel kürzer (ca. 150 km), und natürlich gibt es keine widrigen Umstände, und auf der neuen E18 kommen wir gut voran, so dass wir selbst nach einer ausgedehnten Mittagspause in einer die Straße überspannenden Raststätte bereits gegen 16.30 Uhr in Larvik ankommen. Toll, und jetzt? Die Fähre legt um 22.30 Uhr ab, d.h. wir müssen gegen 21.30 Uhr am Terminal sein, macht also fünf Stunden Aufenthalt an einem Sonntagnachmittag/-abend in Larvik. Nicht mal das Wetter ist mehr schön,aber immerhin, es regnet nicht. Nun gut, wir kennen jetzt die Fußgängerzone und das Stadtwäldchen von Larvik in- und auswendig. Es gibt Spannenderes. Immerhin sind wir so noch zu leckeren Pfannkuchen in einer Mischung aus Pizzeria und Pfannkuchenhaus gekommen.
Langer Rede kurzer Sinn, um 21.30 Uhr stehen wir im strömenden Regen in der Schlange zum Einschiffen auf die Peter Wessel. An Bord entpuppt sich unsere 3-Sterne-Kabine als ziemlich heruntergekommen. Das ganze Schiff ist im Vergleich zur ursprünglich gebuchten Prinsesse Ragnhild eher ein Seelenverkäufer. Die See ist extrem kabbelig. Es dauert lange, bis wir einschlafen.
Wir legen ziemlich pünktlich an. Die See hat sich im Laufe der Nacht beruhigt, aber ausgeschlafen sind wir nicht gerade. Die Fahrt durch Dänemark ist öde wie immer, immerhin bessert sich das Wetter je weiter wir nach Süden kommen. Als wir zu Hause ankommen sind 15°C und es ist Frühling. Auf dem Anrufbeantworter ist ein Anruf vom 04.03. Die Color Line informiert uns darüber, dass es ein Problem mit der Rückfahrt gebe, wir mögen doch mal zurückrufen …
Und das war’s denn auch schon wieder. Abgesehen vom Schluss war es mal wieder ein wunderschöner Norwegenurlaub. Spät, aber nicht zu spät haben wir den Spaß am Skifahren entdeckt, und wir planen schon für die nächsten Frühjahrsferien.
04.01.2012:
Fettnäpfchenführer Norwegen...
30.10.2011:
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08.05.2011:
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11.04.2011:
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