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Auf in die zweite Woche. Unser zweites Ferienhaus liegt in Olden an einem Seitenarm des Innvikfjords. Eine Strecke von ca. 550 km liegt vor uns. Diesen Tag werden wir fast ausschließlich mit Auto fahren verbringen.
Gegen 10.00 Uhr kommen wir endlich los. Die Sonne strahlt von einem blauen Himmel. Die Fahrt geht über Bø und Seljord, von wo aus wir die E 134 über Haukeligrend nehmen. Die Strecke ist wunderschön! Auch wenn wir bis zum Abend unser Haus erreichen wollen, der Weg ist wieder einmal ein schönes Nebenziel. Allerdings finden auch noch Andere die Strecke attraktiv; es sind jedenfalls ziemlich viele Touristen unterwegs. Weiter geht’s über den RV 13 nach Odda, wo wir auf den RV 550 nach Utne abbiegen. Von dort nehmen wir die Fähre über den Utnefjord nach Kvanndal.
Weiter geht’s auf dem RV 7 und 13 über Voss nach Vangsnes. Auf dem Weg dorthin überqueren wir eine Hochebene, auf der ewiger Schnee liegt. Wir halten kurz an und wundern uns über zwei junge Männer, die anscheinend einen Schneemann bauen. Nach einiger Zeit sehen wir dann, dass es sich um eine kleine Sprungschanze handelt, die die beiden zu kunstvollen Sprüngen mit Snowboards nutzen! Ein Blick auf den Kalender versichert uns, es ist der 30. Juli.
Von Vangsnes aus überqueren wir mit einer Fähre den Sognefjord nach Hella und fahren auf dem RV 55 nach Sogndal und von dort auf dem RV 5 weiter nach Skei. Auf dieser neuen Strecke gibt es zahlreiche Tunnel, zwei davon über sechs Kilometer lang; einer führt unter einem Ausläufer des Jostedalsbreen durch. Die Tunnel erlauben ein vergleichsweise flottes Vorankommen, kosten aber auch immerhin 135 NOK (ca. 17 €) Maut.
Über die E 39 kommen wir dann nach Byrkjelo, wo der Himmel sich langsam bewölkt. Schade! Weiter geht’s über den RV 60 am Innviksfjord entlang nach Olden. Nach kurzer Suche finden wir gegen 21.30 Uhr unser Haus ein paar hundert Meter oberhalb des Fjords. Der Schlüssel ist nicht wie in der Beschreibung angegeben unter der Fußmatte, er steckt im Schloss! Nichts ungewöhnliches in Norwegen. Die Kriminalitätsrate ist sehr niedrig.
Obwohl das Haus in der gleichen Preisklasse wie das erste ist und auch eine fast identische Beschreibung hat, sind wir angenehm überrascht. Das Haus hat zwar weniger qm, ist aber sehr viel schöner und moderner eingerichtet als das in Lunde. Der Blick durch die Panoramafenster auf den Fjord und die gegenüberliegenden Berge ist fantastisch. Hier werden wir uns wohlfühlen!
Es ist den ganzen Tag bewölkt, aber nicht kalt. Wir nutzen den Tag zum Waschen und Einkaufen und erkunden ein wenig den Ort Olden. Wir finden einen Laden, in dem es einen Fabrikverkauf von Ricco Vero (Herrenoberbekleidung, Schuhe und Accessoires) gibt. Ich erstehe drei Hemden zum Preis von 700 NOK (ca. 88 €). Das ist für die gebotene Qualität recht günstig. In der Gegend gibt es noch zahlreiche weitere Factory-Outlets.
Am Morgen ist es bedeckt, aber es gibt erste Anzeichen für Aufheiterungen und wir beschließen, zum Gletscher Briksdalsbreen zu fahren. Von Olden aus sind es nur 24 km bis zum Parkplatz Briksdal. Während der Fahrt am schönen Oldenvatnet entlang heitert es immer mehr auf. Vom Parkplatz bis zur Front des Gletscher sind es etwa 2 km. Die kann man zu Fuß bewältigen, oder man kann eine Kutsche zu einem horrenden Preis mieten. Viele amerikanische und japanische Touristen entscheiden sich für die Kutsche, wir gehen lieber zu Fuß. Und das war mit Sicherheit die bessere Wahl. Wir nehmen den Wander- und nicht den flachen, breiten Kutschenweg. Der Weg führt teilweise am Gletscherfluss entlang, der sich an einer Stelle in einem rauschenden Wasserfall gen Tal stürzt. Das schöne Wetter, die grandiose Natur, der immer näher rückende Gletscher: wir sind begeistert. Das Gelände ist nicht schwer und trotz zahlreicher Pausen sind wir nach ca. zwei Stunden an der Gletscherkante angekommen. Wer stramm wandert, schafft es sicher locker in der Hälfte der Zeit.
Der Gletscher ist gigantisch. So groß hätten wir ihn uns aus der Ferne nicht vorgestellt, und dabei ist er nur eine kleine Zunge des Jostedalsbreen. Das Eis schimmert blau und abgebrochene Stückchen glitzern in der Sonne. Auf dem Gletscher kommen und gehen ständig Seilschaften von Gletscherwanderern Wir können leider nicht mit, Annika ist noch zu jung. Aber wir werden wiederkommen.
Auf dem Rückweg nehmen wir den Kutschenweg. Er führt dicht an dem Wasserfall vorbei und wir bekommen eine erfrischende Dusche ab. Den Kutschfahrern werden Plastikfolien gereicht. Der Rückweg geht deutlich schneller, und nach 1¼ Stunden sind wir wieder beim Parkplatz angekommen. Annika ist die ganze Strecke problemlos, ja freudig mitgegangen. Dafür gibt’s ein großes Eis und einen kleinen Kuschelelch aus dem riesigen Souvenirladen.
An so einem schönen Tag muss das Abendbrot im Freien eingenommen werden, auch wenn es nur noch 15°C im Schatten sind.
Das Wetter ist heiter bis wolkig, ein weiterer Ausflug steht an. Heute wollen wir mal zum Hornindalsvatnet. Das ist der mit 514 m tiefste Binnensee Europas. Über die RVs 60 und 15 fahren wir an »unserem« Fjord entlang und und passieren Loen sowie die Hauptstadt der Kommune Stryn. Ein Abstecher zum Ort Hornindal selbst ist nicht sehr ergiebig. Vielleicht haben wir den falschen Tag oder die falsche Zeit erwischt, jedenfalls steppt hier nicht gerade der Bär.
Wir beschließen weiter am See entlang nach Nordfjordeid zu fahren. Der Weg führt durch zahlreiche Tunnel und unser Vordermann nervt ungemein. In jedem Tunnel schaltet er seine Nebelschlussleuchte ein und lässt sich auch durch mehrfache Betätigung der Lichthupe nicht zur Einsicht bringen. Also steuern wir erst einmal einen Rastplatz an. Prompt fängt es an zu tröpfeln. Egal, in Nordfjordeid scheint wieder die Sonne. Ein schnuckeliges Städtchen. Wir genießen unser Eis direkt am Fjord.
Auf dem Rückweg ist es so windstill, dass sich die Landschaft im Hornindalsvatnet spiegelt. Das muss fotografisch festgehalten werden. Pünktlich zum Barne-TV (Kinderfernsehen) sind wir wieder in unserem Haus.
Heute stehen wir etwas früher auf. Wir planen eine Städtetour nach Ålesund. Der anfängliche Regen hört bald auf und so wird die Fahrt erneut zum Erlebnis. Die 150 km immer auf dem RV 60 entlang sind außerordentlich abwechslungsreich. Kurz nach Hellesylt, zwischen zwei Tunneln genießen wir den fantastischen Ausblick auf den Ausgang des berühmten Geirangerfjords. Nach Stranda geht’s hoch hinauf in die Berge und zwischen Aursnes und Magerholm nehmen wir die Fähre über den Storfjorden. Jetzt wird’s schon etwas städtischer und schon bald haben wir Ålesunds Innenstadt erreicht.
Im Laufe der Parkplatzsuche verschlägt es uns in Richtung einer der weiter draußen gelegenen Inseln, und so machen wir aus der Not eine Tugend und fahren erst einmal zum Atlanterhavsparken (Atlantikpark). Dort sind unterschiedliche Unterwasserwelten in großen Aquarien und Bassins nachgebildet und mit den entsprechenden einheimischen Fischen und anderen Wassertieren besetzt. Besonders beeindruckend ist das riesige, in eine Art Amphitheater eingebettete Atlantikbecken, in dem ein großer Dorschschwarm seine Runden zieht. Im Außenbecken sind ein paar Seehunde. Nemo, gerade sechs Wochen alt, ist besonders niedlich und wird von Annika sofort ins Herz geschlossen.
Anschließend machen wir einen zweiten Anlauf und finden einen Parkplatz am Hafen. Ålesunds Innenstadt wirkt mit seinen zahlreichen Jugendstilfassaden fast unnorwegisch, zumindest nicht gerade typisch. Die Stadt hat etwas, und ein weiterer Besuch wird bestimmt folgen, um diesem etwas weiter nachzugehen.
Zum Ende unseres Stadtrundgangs fahren wir noch auf Ålesunds Hausberg Aksla, um uns das weltberühmte Panorama mit eigenen Augen anzusehen. Es stimmt wirklich, der Ausblick ist fantastisch (auch, weil gerade mal wieder die Sonne scheint) und durch die Rundumsicht auf die zahlreichen Inseln noch faszinierender als auf den vielen Fotos.
Nach einer kurzen Stärkung bei McDonald’s fahren wir auf derselben schönen Strecke, auf der wir gekommen waren wieder zurück. Die paar Schauer stören nicht und zu Hause ist es auch schon wieder trocken.
Bei bewölktem Himmel machen wir uns auf zum Tvinnefossen. Bei einem Abzweig vom RV 60 wenige km westlich von Stryn halten wir uns links und folgen dem Nordsida Panoramavegen (RV 613). Auf der schmalen Straße geht es, immer am Fjord entlang, hoch hinauf. Es gibt einige schöne Aussichtspunkte mit großartigem Blick über den Fjord, aber das trübe Wetter verleidet uns das Fotografieren ein wenig. Nach einiger Zeit erreichen wir einen Parkplatz, von dem aus ein Fußweg zum Tvinnefossen führt. Nach ca. einer halben Stunde, an Bauernhöfen mit wahnwitzig steilen Wiesen vorbei, erreichen wir unser Ziel: der Tvinnefossen, ein Wasserfall, der sich über einen Felsüberhang gen Fjord stürzt, so dass man unter ihm hindurch gehen kann. Eine schöne Laune der Natur und eigentlich eine touristische Sehenswürdigkeit, doch Imbissbuden, Souvenirshops o.ä. sucht man hier vergebens. In einem Kästchen bei einer Bank finden wir ein Gästebuch, in das wir uns eintragen, das ist alles. Unsere mitgebrachten Butterbrote nehmen wir unter dem rauschenden Wasserfall ein, erlebt man auch nicht jeden Tag.
Anschließend fahren wir noch über steile Serpentinen in das Örtchen Hopland. Hier scheinen wir das Ende der Welt erreicht zu haben, die Straße geht jedenfalls nicht weiter. Es fängt an ziemlich heftig zu regnen an, und so machen wir uns auf den Rückweg.
Der letzte Tag in unserem Haus am Innvikfjorden bricht an, schade! Es ist bewölkt, aber trocken, und wir beschließen, uns einen weiteren Ausläufer des Jostedalsbreen anzusehen, den Kjendalsbreen. Von Loen, einem Nachbarort von Olden, aus fahren wir am türkisfarbenen See Lovatnet entlang. Wir passieren eine unbemannte Bomstasjon (Mautstelle), entrichten unseren Obolus und fahren weiter Richtung Gletscher. Die Schotterstraße endet an einem Parkplatz, von wo aus, ähnlich wie beim Briksdalsbreen, ein Fußweg zur Gletscherkante führt. Das war’s dann aber auch schon mit den Ähnlichkeiten. Während der Briksdalsbreen mit Souvenirshop, Hotel, Restaurant, Kutschenservice, Busparkplatz etc. touristisch voll erschlossen ist, gibt es am Kjenndalsbreen nichts dergleichen, gar nichts. Dabei ist auch dieser Gletscher beeindruckend, und es gäbe sicherlich die eine oder andere Krone an den Touristen zu verdienen. Schön, dass in Norwegen noch nicht jede touristische Sehenswürdigkeit (s.o. Tvinnefossen) ausgeschlachtet wird.
Der Fußweg zur Gletscherkante ist ungleich kürzer als beim Briksdalsbreen, und schon nach ca. 15 min sind wir da. Der Kjenndalsbreen hat eine steile Abbruchkante und kann (darf, sollte) nicht betreten werden. Zahlreiche Warnschilder und ein Absperrseil weisen darauf hin. Auch beim Kjenndalsbreen kann man sehr schön das Blau des Eises beobachten; die hin und wieder durchscheinende Sonne verstärkt dieses Schauspiel noch.
Tja, und dann müssen wir auch schon wieder zurück zu unserem Haus, packen …
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