Unser erstes Gastreisetagebuch schrieb »Norwulf« mit einem Bericht über seine Norwegenreise 2001, die auch ein paar faszinierende Tage an Bord der »Statsraad Lehmkuhl« beinhaltete.
Zurück aus Norwegen und voller Trauer, dass es schon zu Ende ist, will ich einen kurzen Reisebericht abgeben, was alles geschah.
Mit dem Flugzeug ging's nach Oslo. Oslo? Wohnen da nur Elche? Weit und breit kein Haus zu sehen. Der neue Flughafen liegt etwa 50 km vor der Stadt mitten im Wald. Dafür kann man direkt in die Bahn umsteigen, die uns weiter nach Hamar, Røros und dann nach Trondheim brachte. Auf dem letzten Teilstück ging es immer entlang eines noch fast zugefrorenen Flusses steil das Tal hinab. Der viele Schnee und das Eis im Fluss macht uns schon ein wenig Sorgen. Wie das Wetter wohl werden würde? Doch nachdem wir bei ca. 5°C in Hamburg wegfuhren, erreichten wir Trondheim bei 15°C. Die Sonne schien, und nachdem wir das Hotel Bakeriet gefunden hatten, lockte uns der erste Gang in ein Straßencafe. Wir konnten es nur noch nicht glauben, dass die Leute draußen ihr Bier tranken, haben es als Fata Morgana abgetan und sind weiter auf Stadterkundung gewesen, solange es hell war. Und es war lange hell. Ca. 22:00 Uhr ging die Sonne unter und es dauerte fast bis Mitternacht, bis es richtig dunkel war. So konnten wir uns fast alles Sehenswerte in Trondheim an diesem Abend noch ansehen (Festung, Zugbrücke, Nidarosdom, Speicherhäuser). Im Dickens gab es dann das erste Bier (52 NOK, wird scheinbar aus Gold hergestellt?). In der Kramstua vor dem Hotel lernten wir Elizabeth kennen, die uns erst mal zeigte, wie trinkfest Norwegerinnen sind und uns dann noch ins 3B schleppte (worüber wir Tage später erfuhren, dass es die Rauschgift Kneipe in Trondheim ist). Wir konnten jedoch gegen 2 Uhr unbeschadet ins Bett.
Am Morgen gab es dann ein ausführliches Frühstücksbuffet, und um 9:15 Uhr fuhr der Bus bei strahlendem Sonnenschein entlang des Fjords. Kaum ein paar 100 Höhenmeter hinauf, waren wir auch schon in den Wolken, die aber schnell vom Wind weggeblasen wurden, und es war herrlichster Sonnenschein. Um 11:30 Uhr erreichten wir Surnadal, wo glücklicherweise jemand für einen Kleinbus gesorgt hatte, sonst wären wir gar nicht zum Schiff gekommen (Surnadal liegt gar nicht am Wasser, sondern nur Surnadalsøra, 5 km weiter). Die Statsraad Lehmkuhl lag einsam an dem sonst verlassenen Anleger. Es waren schon viele Leute an Bord, und wir gesellten uns dazu.
12:00 Uhr — Kommando: Alle nicht Mitreisenden von Bord.
12:30 Uhr — Versammlung und einchecken unter Deck, Einteilung in die Blaue, Grüne und Rote Wache, Zuteilung der Hängematten und Nummern (Blaue Wache: Andreas 11, Wolfgang 12).
13:00 Uhr — Rundgang auf dem Schiff mit Andreas aus Bremerhaven, der die Deutschsprechenden der Blauen Wache herumführte und den Rundgang der Feuerwache erklärte.
14:00 Uhr — Ausfahrt unter Motor entlang des Fjords. Nach drei Stunden verließen wir das Festland zwischen Kristiansund und Tustna. Zum Glück hatten wir noch frei, so dass wir jetzt mitmachen konnten, wie die Segel gesetzt wurden. Hier gab es ganz viel Neues auf einmal zu lernen, und außer, dass kräftig an Tauen gezogen wurde, hat man schnell den Überblick verloren, was eigentlich genau geschah. Aber die ersten fünf Segel standen schnell. Das Schiff machte 4 Knoten Fahrt bei 5 m/s Wind, und der Motor war tatsächlich aus. Man hatte das Gefühl von Stillstand, aber der GPS zeigte Tempo an.
19:45 Uhr — Musterung zur ersten Wache und Einteilung der Arbeiten.
20:00 Uhr — Deck aufräumen, alle herumliegenden Taue aufwickeln und Seemännisch befestigen, danach Brückenwache: Auf SOS von anderen Schiffen horchen, auf den Radar und das GPS schauen, danach mit Harald auf Feuerwache gelaufen und tatsächlich einen nicht guten Feuerlöscher gefunden.
24:00 Uhr — Ende der Wache und ins Bett gehen, Hängematte aufbauen und hineinklettern. Die Matten hängen so dicht zusammen, dass man bei jeder Bewegung den Nachbarn anstößt. Aussteigen aus dem Bett gar nicht möglich, also durchhalten bis um 7:00 Uhr. Jetzt aber schnell zum Frühstück und waschen, da um 8:00 Uhr die nächste Wache beginnt.
07:30 Uhr — Das Essen an Bord ist echt Spitze, wie im Hotel, alles da und in beliebiger Menge, auch für den richtigen, hungrigen Seemann.
08:00 Uhr — Erneute Wache, Ruderwache: eine Stunde am Steuer stehen und auf den Kompass schauen. 205° ist der Kurs, Abweichung max. 1° erlaubt. Das Erlebnis, ein 100 m langes Schiff durch die Wellen zu steuern und darüber zu bestimmen, wo es längs geht, ist schon ernorm. Keiner der anderen Mitreisenden kann solchen Einfluss nehmen. Sie sitzen oder arbeiten überall, aber nur ich bestimme, wo es längs geht.
10:00 Uhr — Messing putzen, die Lampe wird auf Hochglanz poliert. Sie ist nicht wiederzuerkennen, ist wohl monatelang nicht geputzt worden, aber nun ist sie sauber und klar wie ein Spiegel.
12:00 Uhr — Die Wache ist vorüber. Das Messingputzen hat soviel Spaß gemacht, dass ich nach dem Lunsj (Mittag) wieder weiter an meiner Lampe rubbele.
16:00 Uhr — Die Segel werden eingeholt und verstaut, weil Regen droht.
18:00 Uhr — Es regnet, meine Lampe sieht aus, als wenn sie nie vorher geputzt wurde, Ärger.
20:00 Uhr — Und die Wache beginnt erneut. Diesmal stehen Andreas und ich am Bug und schauen auf Hindernisse. Zweimal müssen wir die Glocke betätigen, weil wir wirklich etwas gesehen haben. Ansonsten sehen wir ganz viele Lichter am Horizont, aber alles Haluzis.
24:00 Uhr — Wache vorüber und ins Bett. Ich bin mir sehr unsicher, sollte ich aufbleiben? Nach einer Weile beschließe ich, doch schlafen zu gehen, denn wenn ich nicht schlafe, muss ich die Nacht durchhalten.
06:00 Uhr — Allgemeines Aufstehen und gespanntes Erwarten des Einlaufens in Bergen. Links und rechts Festland und Häuser, aber Bergen ist noch weit weg. Man hat den Eindruck, an Hamburg-Blankenese vorbeizufahren.
07:00 Uhr — Nachdem alles an Gepäck gepackt ist, kann sich keiner mehr unter Deck aufhalten. Die Einfahrt nach Bergen ist zu spannend. Unter der großen Brücke am Einlauf hindurch, das Nebelhorn betätigt und eine Gänsehaut nach der nächsten läuft den Rücken herunter.
10:00 Uhr — Das Schiff ist vertäut, und wir gehen von Bord. Wir wollen nur noch einen Blick auf Silje Langheller werfen, die am Telefon so nett war und das Büro für das Schiff betreibt. Und sie sieht auch so nett aus wie sie am Telefon ist. Daher sind wir nur Nummer 11 und 12 in der Liste der Fans und wir geben es auf, in der Schlange zu warten.
11:00 Uhr — Das Hotel Skansen Pensjonat ist bezogen, klein und gemütlich eingerichtet im ärmlichen Stil der 60er, aber voller Atmosphäre. Die Lage mit Blick über die Stadt ist einmalig.
12:00 Uhr — Mit der Fløyen Bahn einmal auf den Berg hinauf, zu Fuß wieder herunter und dann zu Peppe's Pizza. Für 79 NOK gibt es mittags Pizza satt. Ein absolutes Sonderangebot, wenn man bedenkt, dass sonst eine Pizza 150 — 200 NOK kostet. Wir futtern und futtern und schlafen in der warmen Luft des Lokals beide gleichzeitig ein. Erst der Kellner weckt uns wieder, weil er kassieren will.
14:00 Uhr — Die Touristeninformation bietet alle Antworten auf unsere Fragen, und ein Sack voller Prospekte begleitet uns. Wir sehen uns die alten Speicher auf Bryggen an und kehren im Bryggen Tracteursted ein, der ältesten Kneipe in Bergen. Im Anschluss bekommt Andreas seinen Dale Pullover verpasst und wir gehen erst mal schlafen, damit wir für den Tanz in den Mai fit sind.
20:00 Uhr — Unser Kneipenbummel beginnt am helllichten Tag zunächst mit dem Dickens. Dort ist es aber nicht so gemütlich, und wir sehen das Finnegans, und dort kann man auch draußen sitzen. Ideal, das tun wir und genießen, dass es immer voller wird und das Leben um uns tobt. Wir treffen Harald und Hege, doch das Erlebnis wird prompt beendet, als jemand den Knopf für den Regenschutz betätigt und das Dach automatisch zurückfährt. Plötzlich stehen alle im Regen und für uns ist der Abend zu Ende.
9:00 Uhr — Ausführlich geschlafen und gut gefrühstückt, Skansen Pensjonat er topp. Anschließend zum Maiumzug, mit vielen Musikkapellen, einer Rede und und einem Probekonzert mit einer Jugendkapelle.
12:00 Uhr — Heute hat das Hanseatische Museum geöffnet. Die Dame am Eingang ist sehr redselig, wir verstehen leider nichts von ihrem Dialekt. Das Museum ist sehr interessant und erzählt viel über die Gründe, warum gerade hier und was alles in der Tyske Brygge geschah. Anschließend bleibt noch kurz Zeit die Schotstua zu besehen, einige restaurierte Lokale aus der Zeit um 1600, die hinter der Mariakirche zusammengetragen wurden.
14:30 Uhr — In der Holbergstua finden wir ein preiswertes Mittagessen: Tagesgericht - Rechteckfisch mit Kartoffeln für 13 €.
16:00 Uhr — Wir wollen gerne eine Stabkirche sehen und nehmen den Bus nach Fantoft. Die Stabkirche wurde vor einigen Jahren neu aufgebaut, nachdem sie einer Brandstiftung zum Opfer fiel. Sehr schön gelegen.
18:00 Uhr — Zurück in der Stadt wird über den Jahrmarkt gebummelt, aber es ist nichts dabei, was uns anspricht
19:30 Uhr — Deshalb gehen wir zum Abfahrt-Kai der Hurtigruten. Dort liegt die Lofoten bereit zur Abfahrt. Diese ist jedoch nicht sehr spannend, da alle Passagiere beim Buffet sitzen, statt Bergen zum Abschied zu grüßen.
22:00 Uhr — Den Abend beschließen wir im Murphys, wo sich zunächst Wenndy und Pernille an uns heranmachen. Als wir die erfolgreich verschreckt haben, kommen dann Linn und Maria und später ihre Eltern Turil und Tom dazu. Also auch diese Nacht wurde lange geklönt.
11:00 Uhr — Nach langem, gemütlichem Frühstück holen wir unser Auto (VW-Polo) und kurven aus der Stadt heraus. Durch Tunnel über Tunnel windet sich die Straße aufwärts, und das Gebirge wird immer gewaltiger. Um uns herum überall Schnee. Der erste Wasserfall wird zur Pause genutzt (einer der vielen Fälle, die in keinem Reiseführer stehen, aber trotzdem für Anfänger eindrucksvoll zu besehen sind). Die Fahrt wird fortgesetzt zum Hardangerfjord, den wir bei Norrheimsund erreichen. Kurz vorher ein weiterer Wasserfall, Steinsdalsfossen (der auf der Expo in Hannover als simulierter Fall ausgestellt war). Bei Jondal setzen wir mit der Fähre über. Durch viele Obstplantagen geht die Fahrt in den Sørfjord hinein. Leider müssen wir hier umkehren, weil das Fahren mehr Zeit in Anspruch nimmt als wir geplant haben.
20:00 — Die Rückfahrt beginnt mit der Fähre nach Kvanndal. Von dort führt uns die Straße nach Voss (an einem eindrucksvollen Wasserfall vorbei) und wieder zurück nach Bergen, wo wir um …
23:30 — … eintreffen und voller Hunger zu McDo gehen. Unser Abend klingt dann wieder im Murphys aus, wo wir zwei deutsche Monteure wieder treffen, die auch am Abend vorher schon da waren.
10:00 Uhr — Abfahrt in Skansen. Zunächst brauchen wir noch einen neuen Film, die Autobild, eine Postkarte der Statsraad Lehmkuhl und gegen 11:30 Uhr kommen wir wirklich los.
12:30 Uhr — In Dale wollen wir das Wasserkraftwerk besichtigen, werden aber wieder des Geländes verwiesen (Besichtigung erst ab 2.7.). Doch die Dame hat Mitleid mit uns. Als wir traurig vom Gelände schleichen, bringt sie uns noch einige Prospekte und erklärt uns einige Dinge zum Kraftwerk.
13:30 Uhr — Wir besuchen die Pullover-Fabrik von Dale, aber die Preise sind hier höher als sonst, nur die Auslaufmodelle sind günstig. Die will aber sowieso keiner haben.
15:00 Uhr — In Voss versorgen wir uns erst mal mit HotDog etc. und fahren dann Richtung Nærøyfjord. Dort entschließen wir uns dann zu einer grundsätzlichen Änderung der Tour: nicht nach Flåm zum Eisenbahnfahren, sondern nach Fjærland, Gletscher besehen.
16:00 Uhr — In der Stalheimskleive treffen wir nach Kurve 10 einen Norweger mit Wohnanhänger und vier Erwachsenen im Auto. Er sagt, sein Auto kann nicht mehr. Kein Wunder bei 18% Steigung. Er fährt zurück, wir weiter hoch und kommen am Stalheim Hotel vorbei, das aber noch wegen Winter geschlossen hat.
17:00 Uhr — Wir überqueren das Vikafjellet Richtung Vangsnes am Sognefjord. Die eindrucksvolle Kulisse von nur Schnee über Schnee bei blauem Himmel und weißen Wolken schlägt uns voll in den Bann. Bei der Abfahrt gibt es einen gigantischen Blick ins Tal. In Vangsnes setzen wir über nach Hella …
20:00 Uhr — … und versuchen in Leikanger Quartier zu nehmen, was uns nicht so gefällt. So führt die Fahrt weiter nach Sogndal ins Hafslund Hotel. Nach Schwierigkeiten, etwas zu essen zu finden landen wir am Ende beim Chinesen. Doch der Abend klingt noch sehr beschaulich auf der Veranda des Hotels aus, wo der gigantische Blick auf den Fjord, die schneebedeckten Berge und der Mond unsere Gedanken nicht zur Ruhe kommen ließen.
07:00 Uhr — Sobald ich wach war, saß ich wieder auf der Veranda und freute mich über die strahlende Maisonne, die hinter den Bergen auftauchte. Andreas genoss den Schlaf etwas länger, doch gegen …
10:00 Uhr — … konnten wir zum Gletscher aufbrechen. 145 NOK als Gebühr für den Tunnel war schon etwas schockierend, aber was soll's, für die Rückfahrt müssen wir ja nochmals löhnen. Der Gletscher schlägt uns in den Bann. Wir buddeln im kleinen Bach und leiten ihn in alle möglichen Richtungen um, während wir auf die Geräusche des Berges lauschen, die immer wieder unsere intensive Arbeit unterbrechen. Plötzlich war es …
14:30 Uhr — … und keiner hat's gemerkt. Wir wollen noch das Bremuseum in Fjærland besichtigen. Dort treffen wir Catherina und Karen aus Deutschland, die in Bergen studiert haben und den Abschluss des Semesters mit dieser Arbeit durchführen, um ihren Aufenthalt zu finanzieren. Der Film ist sehr eindrucksvoll. Man fliegt in einem kleinen Flugzeug direkt über den Jostedalsbreen und kann sehen, was andere nie zu sehen bekommen. Im Museum wird echtes Eis gezeigt, das brüchig ist wie eine Verbundglasscheibe.
16:15 Uhr — Das Museum ist längst geschlossen, und wir müssen die Rückfahrt antreten.
18:00 Uhr — Die Fähre nach Lærdal fährt pünktlich, und wir sehen kurz auf das Museumsdorf. Auch ein kurzer Stopp an der Borgund Stavkirke ist noch erlaubt, doch wiederum ist die Fahrt über das Hemsedalsfjellet am eindrucksvollsten durch den massenhaften, tiefen, unberührten Schnee.
20:00 Uhr — Einen Elch haben wir leider nicht gesehen, nur die netten Schilder, die davor warnen.
22:00 Uhr — Wir finden in Granavollen eine Gjestgjiveri, wo uns eine seelige Dame entgegenschwebt. Danach fällt uns erst auf, dass hier ein Wallfahrtsort ist.
09:00 Uhr — In Eile zum Flughafen. Unser Tacho zeigt 120, obwohl das Auto ja nur 80 fahren kann, weil wir ja in Norwegen sind. Am Flughafen findet sich erst mal niemand, der das Auto haben will. Aber danach klappt alles mit TaxFree und Gepäck und einchecken, und um …
11:15 Uhr — … geht unser Flugzeug pünktlich trotz der Streiks der Lufthansa-Millionäre (äh Piloten). Die einzige Feuchtigkeit dieses Tages steht mir in den Augen, denn sowohl in Norge als auch in Hamburg haben wir Superwetter. Mein Resümee, lass dir mehr Zeit für so viele Eindrücke, sonst willst Du nicht mehr nach Hause.
02.01.2010:
Godt nytt år - Frohes Neues...
27.12.2009:
Spende an "Save the Children"
24.12.2009:
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03.11.2009:
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30.08.2009:
Lofoten-Urlaub