Wieder brechen wir relativ früh auf (vor 9.00 Uhr) und rollen Richtung Bognes. Hier entscheiden wir uns, die nächste Fähre (fährt zwar erst in 2 Stunden, aber bei tollem Wetter macht das Warten nichts aus) nach Lødingen auf den Vesterålen zu nehmen und nicht den Landweg über Narvik (so sparen wir ca. 220 km). Während der ca. 1-stündigen Überfahrt sonnen wir uns an Deck und kommen mit einem Norweger ins Gespräch, der uns berichtet, dass in diesem Jahr die höchsten Juni-Temperaturen seit der regelmäßigen Wetteraufzeichnung gemessen wurden. Der Höchstwert betrug am 3. Juni 2002 29.7°C. Von Lødingen fahren wir über Sortland (übrigens der nördlichste Punkt unserer Reise) Richtung Lofoten und erreichen so gegen 16.30 Uhr Melbu. Wir haben Glück und die nächste Fähre fährt in 10 Minuten.
Beim Bezahlen werden wir zum ersten Mal nach der exakten Länge des Wohnmobils gefragt und müssen den KFZ-Schein vorzeigen, der 5,99 m belegt. Während der kurzen Überfahrt (ca. 25 Minuten) hat man schon einen überwältigenden Blick auf die Lofoten, die wir dann (endlich) um kurz nach 17 Uhr erreichen. Unsere erste Nacht auf den Lofoten verbringen wir auf Sandsletta Camping in Laukvik. Wir stehen direkt – nur durch ein paar Büsche getrennt – am Ufer eines kleinen Seitenarms des Nordmeers. Außer uns sind nur noch 3 weitere Wohnmobile auf dem Platz; es ist sehr ruhig und idyllisch. Doch plötzlich wird die (Nacht-)Ruhe (es ist schon nach 22 Uhr) durch ein lautes Knattern gestört. Nach längerem Suchen entdecken wir einen jungen Norweger, der von einem Steg aus versucht, sein ferngesteuertes Modell-Rennboot zu starten; doch es säuft immer wieder nach wenigen Metern ab und er fängt es immer wieder mit einen Angel ein, um einen nächsten Versuch zu starten. Nach einer guten Stunde ist endlich Schluss und wir können schlafen.
Relativ spät am Vormittag fahren wir los. Wir folgen der schmalen Straße, die kurz danach zur Schotterpiste wird, entlang der Nordmeer-Küste bis nach Fiskebøl. Nach ca. 25 km Schotterpiste ist unser Auto mit einer feinen Staubschicht überzogen.
Auf dem Weg nach Svolvær machen wir einen Abstecher nach Sildpollen, um eine kleine Kirche zu besichtigen und zu fotografieren. Doch beides ist nicht möglich; offensichtlich hat gerade ein Trauergottesdienst stattgefunden und mehrere Personen sind noch in der Kirche und tragen Kränze zu einem Auto; somit fällt die Besichtigung aus. Ein schönes Foto von der Kirche kann ich nicht schießen, weil direkt!! vor der Kirchentür ein großes Wohnmobil (mit deutschem Kennzeichen) parkt und das Motiv verschandelt. So fahren wir weiter auf der E 10, halten kurz in Svolvær zum Einkaufen und machen an einer Nebenstraße ausgiebig Mittagspause. Auf dem Weg nach Henningsvær (wir sind gerade von der E 10 auf die RV 816 abgebogen) entdecken wir eine Bucht mit weißem Strand (wie an der Nordsee). Es sind viele Familien mit Kindern da und einige baden im Meer. Auch wir halten an und gehen runter zum Strand, ziehen Schuhe und Strümpfe aus und waten ins Wasser. Nach wenigen Sekunden sind wir wieder draußen, denn das Wasser ist saukalt (geschätzte, so um die 10 bis 12°C). Wir verzichten auf ein ausgiebiges Bad und genießen stattdessen die Sonne.
Schließlich kommen wir nach Henningsvær, ein typisches Fischerdorf auf den Lofoten. Viele kleine Holzhäuser und Hütten und dazwischen immer wieder Holzgestelle mit Stockfisch. Jetzt im Juni ist der Trocknungsprozess schon weit fortgeschritten, doch es hängt noch ein deutlicher Geruch (Gestank?) nach Fisch in der Luft. Wie stark muss der Gestank dann im März erst sein, wenn der Fisch zum Trocknen aufgehängt wird?!?! Nach einem Rundgang durch das Dorf und einem Fotostopp auf der ersten Brücke nach dem Dorf (beeindruckender Blick auf Häuser, Hafen und Stockfisch) machen wir uns auf den Weg nach Ørsvågvær zu einem Doppel-Campingplatz, der überwiegend von Anglern angefahren wird, aber auch Nicht-Angler wie wir werden geduldet und, falls gewünscht, kostenlos mit Fisch versorgt.
Nach etwas Regen in der Nacht ist heute wieder sehr schönes Wetter, und wir erkunden die Inseln Austvågøya und Vestvågøya. So machen wir je einen Abstecher von der E 10 Richtung Brenna und Richtung Eggum. Von beiden Orten aus hat man einen freien Blick auf das Nordmeer. Nach Eggum darf man nur fahren, wenn man eine geringe Maut entrichtet, dafür darf (und kann!) man hier wunderbar »wild« campen.
Wir entscheiden uns allerdings, nicht hier zu nächtigen, denn trotz des schönen Wetters bläst ein kräftiger (kalter) Wind aus Norden. So fahren wir zurück zur E 10 und weiter nach Leknes. Etwas außerhalb von Leknes (Richtung Stamsund) bleiben wir auf Brustranda Sjøcamping hängen. Dieser Platz liegt sehr schön ruhig und ist sehr gut ausgestattet. Wenn man möchte, kann man auch (sehr gute und große) Hütten mieten.
Heute morgen können wir sehen, auf was für einem tollen Campingplatz wir gelandet sind, denn wir haben strahlend blauen Himmel, keine Wolken und Temperaturen von mehr als 20°C.
Bei dem Platz handelt es sich um eine riesengroße Wiese mit einem schmalen Dünengürtel und mehreren Badebuchten mit weißem Sandstrand. Allerdings ist es auch hier zum Baden (viel?) zu kalt.
Wir fahren, wie am Vortag geplant, nach Reine, und ich mache mich allein auf den Weg, um den Reinebringen zu besteigen. Christel bleibt lieber unten, denn sie ist nicht schwindelfrei. Schon nach wenigen Höhenmetern (insgesamt sind 450 zu bewältigen) wird klar, dass Christel zu Recht gepasst hat, denn es geht sehr steil bergan (bis zu 70% Steigung). Offensichtlich kennen die Norweger nur zwei Wege auf einen Berg: entweder gar nicht oder geradeaus hoch. Wenn der Weg mal in Serpentinen verläuft, dann nur so etwa 2 bis 3 Meter. Mit vielen Pausen arbeite ich mich langsam nach oben, teilweise auf allen Vieren, was nicht heißt, dass ich mich dafür bücken müsste. Nach 2 Stunden komme ich oben an und bin »erschlagen« von der Aussicht. Es bietet sich ein Panorama, das für die Mühen des Aufstiegs mehr als entschädigt. Ich lasse mich nieder und genieße die Ruhe (ich bin ganz allein hier oben) und Aussicht, mache ein paar Fotos und ein paar Videoaufnahmen. Nach mehr als einer halben Stunde habe ich mich einigermaßen von dem Aufstieg erholt und ich mache mich auf den Rückweg, obwohl man sich eigentlich nicht satt sehen kann.
Der Abstieg geht leichter als gedacht (denn an einigen Stellen, wo ich beim Aufstieg geklettert bin, habe ich mich schon gefragt »wie kommst du hier nachher wieder runter?«), und ich benötige nur 1½ Stunden. Nach insgesamt mehr als 4 Stunden kehre ich also (völlig erledigt, aber auch völlig beeindruckt) zurück. Ich kann jedem, der einigermaßen höhentauglich ist, nur empfehlen, diese Wanderung zu unternehmen. Allerdings sollten die Bedingungen schon so sein, wie ich sie vorgefunden habe; d. h. schönes, trockenes Wetter, denn der Weg wäre bei feuchter Witterung oder gar bei Regen matschig und unverantwortlich rutschig. Wer sich einen Eindruck von dem, was man dort oben zu sehen bekommt, verschaffen möchte, der betrachte das Titelfoto des Reiseführers »Lofoten selbst entdecken«. Es ist von dort oben aufgenommen worden.
Gemeinsam kehren wir zurück zu unserem Campingplatz. Wir haben beschlossen, noch mindestens eine Nacht in Fredvangen zu bleiben. In dieser Nacht können wir die Mitternachtsonne beobachten. Bis gegen 1.30 Uhr sind wir am Strand und schauen direkt aufs Nordmeer. Es herrscht ein ganz »eigentümliches Licht«. Schließlich gehen wir ins Bett und schließen alle Verdunkelungsrollos im Wohnmobil; vielleicht können wir ja dann morgen (oder besser gesagt nachher) ein bisschen länger schlafen.
So gegen 10 Uhr wachen wir auf, schauen raus und sehen (immer noch) Sonne. Da ich vom Vortag noch etwas müde bin, beschließen wir, einen ganz faulen Tag einzulegen, d.h. nicht fahren, nicht einkaufen, nicht laufen, nur lesen, sonnen, faulenzen.
Heute müssen wir unsere Vorräte mal wieder auffrischen und fahren (erst recht spät am Vormittag) auf Umwegen und mit einigen Fotostopps nach Svolvær zum Einkaufen. Nach einem ausgiebigen »Stadtbummel« begeben wir uns zum Hafen, um in Erfahrung zu bringen, wann die Fähre nach Skutvik ablegt. Wir beschließen, die Fähre um 16.30 Uhr zu nehmen; so können wir noch einigermaßen rechtzeitig das Festland erreichen und vielleicht noch ein Stück fahren (Richtung E 6).
Wir checken also ein, und pünktlich legt die Fähre ab. Auf der ca. 2-stündigen Überfahrt werfen wir mehr als einen wehmütigen Blick zurück auf die Lofoten. Im Nachhinein betrachtet haben wir grandiose Landschaft gesehen, mehrmals 24 Stunden Sonne pro Tag genossen und uns gesagt: Der lange Weg hierher hat sich gelohnt!!
In Skutvik angekommen, fahren wir gleich weiter, um auch demnächst nach einem Campingplatz Ausschau zu halten. Wir finden einen sehr schönen Platz bei Tommerneset (an der E 6).
02.01.2010:
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