Tja, was soll man über das Land Norwegen noch sagen? Alle nur erdenklichen Superlative sind bereits verbraucht worden. In Büchern und den Websites anderer Norwegenfreunde
lassen sich die Hymnen auf die Schönheit des Landes nachlesen. In der berühmten SciFi-Trilogie »Per Anhalter durch die Galaxis« erhält Slartibartfass sogar einen Preis für die Schaffung Norwegens. Dem haben wir eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Nach dem Motto »pars pro toto« bekommst du deshalb bei uns Fotos und Reiseberichte. Da kannst du sehen und lesen, was wir in Norwegen in letzter Zeit gesehen und erlebt haben. Und das fanden wir auch schon sehr schön.
Wir wollen dich auch nicht mit Daten und Fakten à la »Anteil der Landwirtschaft am Bruttosozialprodukt« u.ä. langweilen. All das wird in Lexika, Reiseführern, den anderen Norwegenseiten
und speziellen Statistikseiten
im Netz im Detail beschrieben. Wenden wir uns deshalb den Leuten zu:
Auch ein schwieriges Thema: Pauschale Aussagen über ein ganzes Volk zu treffen. Wenn wir uns hier trotzdem äußern, dann geben wir natürlich nur unsere persönlichen Erfahrungen weiter, die sich einerseits zwar nicht verallgemeinern lassen, andererseits aber doch einen kleinen Einblick in die Volksseele zulassen.
So die Übersetzung der Überschrift dieses Kapitels und gleichzeitig auch der Beginn der norwegischen Nationalhymne. Das darf man durchaus wörtlich und ernst nehmen. Bei aller Internationalität und aller Weltoffenheit, wenn es um das eigene Land geht, sind die Norweger erst einmal Norweger. Nichts geht über die eigene Unabhängigkeit. Nicht umsonst sind mehrere Anläufe zum Beitritt zur EU gescheitert. Das heißt aber nicht, dass die Norweger allesamt Chauvinisten oder gar Nationalisten sind, wir haben jedenfalls keinen kennen gelernt.
Das wichtigste Fest des Jahres ist nicht etwa Weihnachten oder gar Ostern, sondern der Nationalfeiertag, der Grundgesetztag, am 17. Mai. Da ist ganz Norwegen auf den Straßen, häufig in den regionalen Trachten. In Umzügen geht es mit Musik zu Festveranstaltungen, auf denen lokale Honoratioren Reden halten. Jeder wedelt mit seinem Fähnchen oder hat zumindest einen rot-weiß-blauen Anstecker. Aber das ist eigentlich nicht so wichtig. Viel wichtiger ist das gemeinsame Feiern mit Freunden, Verwandten, Bekannten und Nachbarn. Wer das einmal miterlebt hat, versteht, dass es am 17. Mai nicht um Selbstbeweihräucherung geht, sondern um die Freude über die eigene Unabhängigkeit und Selbständigkeit, die nach Jahrhunderten der Fremdbestimmung gefeiert wird.
Und wie ist er sonst so, der Norweger an sich? Nun, wir haben die Norweger fast immer als offen, freundlich, hilfsbereit und herzlich erlebt. Für unsere Freunde in Trondheim war es immer selbstverständlich, dass wir an ihrem alltäglichen Leben in vollem Umfang teilnehmen konnten, Freunde, Verwandte besuchen, Geburtstage feiern, auf die Hütte fahren, wandern etc. etc. Vorurteile, die Menschen der nordischen Länder als eher verschlossen und zurückhaltend bezeichnen, können wir jedenfalls nicht bestätigen. Es mag sein, dass man nicht von jedem sofort nach Hause eingeladen wird, aber wenn, dann ist das auch so gemeint.
Uns ist aufgefallen, dass die Norweger viele Dinge, über die wir uns aufregen würden, eher gelassen sehen. Nicht, dass sie sich nicht für ihre Überzeugungen einsetzen, aber meist geschieht dies mit weniger Verbissenheit als hierzulande.
Und dann gibt es da noch ein Thema, das nicht ausgespart werden soll: die unselige Besatzungszeit während des zweiten Weltkrieges. Es ist schon ein mulmiges Gefühl, wenn man durch das Norwegische Widerstandsmuseum
(
) geht. Spürt man also eine Deutschfeindlichkeit im alltäglichen (Urlaubs-)Leben in Norwegen? Klare Antwort: nein, überhaupt nicht. Weder offen noch verdeckt. Vor allem bei jungen Menschen haben wir keinerlei Berührungsängste gegenüber uns Deutschen feststellen können. Es gab bislang lediglich ein Erlebnis, anno 1989, als wir mit unseren norwegischen Freunden in einer Berghütte an einem langen Tisch mit lauter Norwegern beim Abendbrot saßen. Wie unsere Freunde uns im Nachhinein erzählten, wurden sie damals von einem älteren Norweger angesprochen, wie sie denn ausgerechnet mit Deutschen wandern gehen könnten. Das war alles, was uns an Ressentiments begegnet ist, seit wir seit 1986 mehr oder weniger regelmäßig in Norwegen Urlaub machen.
Tja, so haben wir die Norweger bislang erlebt, Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel.
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