Nun sind die Norweger schon so ein kleines Volk und dann leisten sie sich auch noch zwei Landessprachen! DIE norwegische Sprache gibt es nämlich nicht. Grund dafür sind die zahlreichen Dialekte und die lange Zugehörigkeit zu Dänemark. So hat sich die norwegische Sprache im Südosten und Nordwesten Landes im Laufe der Zeit immer mehr auseinander entwickelt. Später wurde dann versucht, dieses Sprachchaos zu bändigen, indem man 1929 die westnorwegischen Dialekte zu einer Art Kunstsprache, dem Nynorsk (Neunorwegisch) zusammenfasste und das im Südosten – vor allem auch in Oslo – gesprochene, mehr vom Dänischen beeinflusste Norwegisch zum Bokmål (Buchsprache) erklärte. Fortan galt das Bokmål als elitär städtisch, während Nynorsk – bzw. die Dialekte aus denen es erschaffen wurde – eher als ländlich bäuerlich angesehen wurde. Die Trennung blieb aber immer künstlich, jeder spricht wie ihm der Schnabel gewachsen ist, also Dialekt. Im offiziellen Leben spiegelt sich diese Zweisprachigkeit aber immerhin beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk wider: mindestens 25% der Sendungen müssen auf Nynorsk sein.
Das ist natürlich nur eine kurze Zusammenfassung. Weitere Infos zur norwegischen Sprache und ihrer Geschichte findest du z.B. beim Norwegischen Sprachrat
und bei Wikipedia
.
Apropos Dialekt. Wie bereits erwähnt, gibt es im Norwegischen zahlreiche Dialekte. Einheimische (wir nicht) hören bereits von einem zum anderen Dorf Unterschiede heraus. Das allein ist noch nichts besonderes, das gibt es in vielen, wenn nicht allen Sprachen. Eine Besonderheit ist allerdings, dass diese Dialekte nicht nur gesprochen, sondern auch geschrieben werden. So findet man beispielsweise bei Hinweisschildern für Schulen sowohl »Skole« (Bokmål) als auch »Skule« oder für Kirchen alle erdenklichen Schreibweisen zwischen »Kirke« (Bokmål) und »Kyrkje«. Auch Prospekte von Campingplätzen, touristischen Sehenswürdigkeiten usw. sind durchaus im örtlichen Dialekt (also nicht einer der beiden offiziellen Landessprachen) abgefasst. Und das ist absolut nicht folkloristisch gemeint, sondern alltägliche Praxis.
Wer – beispielsweise in einer Volkshochschule – Norwegisch lernt, der lernt praktisch immer Bokmål. Das Thema Nynorsk wird normalerweise, wenn überhaupt, nur in Kursen für Fortgeschrittene am Rande gestreift. Deshalb beziehen sich auch unsere Ausführungen auf den anderen Seiten immer auf Bokmål, falls nicht anders vermerkt.
Ein Wörterbuch Bokmål ⇔ Nynorsk findest du auf der Website der Uni Oslo
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